Ballaststoffe – gut für Hirn und Herz? Ballaststoffe sind bekannt für eine gute Verdauung, was haben sie mit Herz und Hirn zu tun? Ballaststoffe werden vor allem für einen gesunden Darm empfohlen. Stimmt! Unser Darm braucht für eine gute Verdauung diese Nahrungsfasern – die sogenannten Ballaststoffe, die alles andere als Ballast sind. Ohne diesen Nahrungsfasern läuft im Darm nichts – doch nicht nur im Darm!

Ballaststoffe – alles andere als Ballast!

Unser gesamter Körper profitiert von ballaststoffreichen Lebensmitteln. Sogar unser Denken im Hirn und unser Fühlen im Herzen wird indirekt von ihnen beeinflusst. Der Darm braucht die Ballaststoffe, um aktiv zu bleiben und um unerwünschte Stoffe mit dem Stuhl auszuscheiden. Die Ballaststoffe binden im Darm toxische und krebserregende Stoffe und befördern diese mit dem Stuhl aus dem Körper. Die Ballaststoffe sorgen zudem für ein ausreichendes Volumen – sogar bereits im Magen, so dass ein ballaststoffreiches Essen schnell und langanhaltend satt macht. Vollkornnudeln sättigen schneller und länger als helle Nudeln, so dass Ihr insgesamt weniger esst. Die Ballaststoffe haben sogar einen doppelten Effekt auf eine gute Sättigung. Sie werden im Darm von den Darmbakterien zersetzt, dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren. Kurzkettige Fettsäuren fördern die Ausschüttung von „Sattmacher-Botenstoffen“zum Beispiel Peptid YY, GLP-1. So hemmen Ballaststoffe auch noch Stunden nach dem Verzehr die Nahrungsaufnahme. 

Energie für den Darm

Vor allem Gemüse, Obst, Haferflocken und Vollkornbrot – sowohl grobkörnig als auch fein ausgemahlen – versorgen euch mit den wichtigen Nahrungsfasern. Die Nahrungsfasern liefern direkt Energie für eure Darmzellen. Die von den Darmbakterien aus den Ballaststoffen gebildeten kurzkettige Fettsäuren (beispielsweise GABA=Gamma-Aminobuttersäure, Propionsäure, Essigsäure) benötigen die Darmzellen als Energiequelle. Fehlen diese, sterben die Darmzellen ab oder sie können ihre Funktion nicht mehr richtig ausführen.

Bestimmte Ballaststoff-abbauende Darmbakterien bilden vermehrt kurzkettigen Fettsäuren. Insbesondere GABA, die Buttersäure, ist von Bedeutung für die Darmbakterien – und für das Gehirn. Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert diese Darmbakterien, da sie das richtige Futter für sie bildet. So sorgen Ballaststoffe für eine gesunde Darmmikrobiota (=Gesamtheit aller Darmbakterien). Insbesondere resistente Stärke (in abgekühlten Kartoffeln, Nudeln, Reis, Erbsen, unreifen Bananen, Haferflocken) und Inulin (in Chicorée, Zwiebeln, Topinambur, Artischocken) gehören zur Lieblingsspeise der Buttersäure-produzierenden Bakterien und fördern deren Wachstum. Wir können mit unserer Lebensmittelauswahl dazu beitragen, dass diese Bakterien sich besonders wohl fühlen in unseren Darm und reichlich vermehren. Durch Stress nimmt das Wachstum dieser guten Darmbakterien ab. Daher ist neben der Ernährung auch Entspannung und eine ausgeglichene Work-Life-Balance eine Stellschraube, an der wir drehen und unserem Darm Gutes tun können. 

Ballaststoffe beruhigen die Nerven

Buttersäure ist nicht nur für die Darmzellen wichtig, sondern auch für Herz und Hirn. Kurzkettige Fettsäuren helfen den Cholesteringehalt im Blut zu senken, so wird ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt. Zudem zeigt sich eine Verbindung zwischen Darmmikrobiota und Zentralnervensystem. Die Darmmikrobiota kann psychische, neurologische und emotionale Funktionen über die Darm-Hirn-Achse beeinflussen. GABA senkt als Botenstoff die neuronale Erregbarkeit im Nervensystem herab und hat somit eine beruhigende Wirkung. GABA produzierende Darmbakterien beruhigen Hirn und Psyche und sorgen so für „Herzenswärme“.  

Anti Aging für die grauen Zellen

Von den Darmbakterien produzierte kurzkettige Fettsäuren wirken noch auf anderen Wege direkt in unserem Gehirn. Sie fördern die Ausreifung und Funktionstüchtigkeit der Mikroglia – der „Aufräumtrupp“ im Gehirn. Mikroglia beseitigen eingedrungene Keime im Gehirn und entsorgen Plaques, die bei der Entstehung von Alzheimer und Demenz eine Rolle spielen. Somit könnte eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung bedeutend für die Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen sein. Die kurzkettigen Fettsäuren fördern zudem die Barriere der Blut-Hirn-Schranke, so dass weniger toxische Stoffe ins Gehirn gelangen. So könnten sie zur kognitiven Entwicklung und einem verbesserten Gedächtnis beitragen. Halten Ballaststoffe als Anti-Aging Mittel unser Denkorgan in Schwung? Ein wichtiger Faktor ist die Ernährung auf jeden Fall. Für die genauen Mechanismen und wissenschaftlich gesicherte Therapien steht noch viel Forschungsarbeit an. Die bisherigen Ergebnisse zeigen vielversprechende Tendenzen, dass der Darm und seine „Bewohner“ das seelische Wohlbefinden und kognitive Entwicklungen mit beeinflussen können. Eine ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorngetreide vermittelt günstige Effekte auf Herz und Hirn. Für das richtige Gleichgewicht zwischen Darm, Hirn und Herz darf es daher etwas mehr an Kartoffeln, Erbsen, Chicorée & Co. sein! 

Denn du fühlst, was du isst!

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