Positives Denken ist nicht nur den Optimisten unter uns ein Begriff. Auch in der Wissenschaft erhielt die positive Psychologie Einzug. Bei der positiven Psychologie geht es – wider Erwarten – nicht ums positive Denken, sondern vielmehr darum, wie die persönlichen Ressourcen gestärkt werden können. Der Blick richtet sich auf das Schöne und Gute im Leben und wie wir dahin gelangen. Die positive Psychologie erforscht Glück und Wohlbefinden und wie diese auf den Menschen wirken. Sie beschäftigt sich mit Fragen, wie ein erfülltes Leben aussieht und wie menschliche Stärken und Wohlbefinden auf individueller Ebene und in der Gesellschaft gefördert werden können. 

Über schöne Erlebnisse, gelebte Charakterstärken und das Zusammensein in angenehmer Gemeinschaft soll die Lebensqualität von allen Menschen verbessert werden. So sollen Krankheiten als Folge eines wert- und sinnlos wahrgenommenen Lebens vorgebeugt werden. 

Eine Erkenntnis der positiven Psychologie: Positive Emotionen wie Freude bleiben oft unbemerkt – Negatives nimmt der Mensch stärker und deutlicher wahr. Dies kennen wir alle z.B. bei Krankheit und Schmerzen: Während wir die Abwesenheit von diesen als selbstverständlich und normal empfinden oder sie meistens gar nicht bewusst wahrnehmen, leiden wir enorm, wenn der Körper nicht mehr so funktioniert, wie wir wollen. Negative Gefühle in einem angemessenen Rahmen können dazu führen, dass wir Probleme lösen. Sei es im Falle von Krankheiten, dass wir zum Arzt gehen, Medikamente nehmen und vielleicht auch über den ein oder anderen Stressfaktor zu viel im Leben nachdenken. Positive Gefühle wie Freude dagegen erweitern das Denken und führen zu flexibleren und kreativeren Lösungen: Wenn du dich über was freust, fördert dies deine Kreativität und du bekommst Lust, Neues zu erlernen. Neugier weckt deinen Forschergeist, dabei kannst du Unbekanntes entdecken und deinen Horizont erweitern! Du siehst, positive Gefühlen führen wie eine Aufwärtsspirale zu weiteren positiven Erlebnissen und Eindrücken. 

Genieße, schmecke, fühle

Dieser Ansatz kann auch auf die Ernährung übertragen werden: Positive Ernährung. Iss positiv – richte dein Augenmerk auf das Schöne beim Essen: Genieße, schmecke, fühle die Lebensmittel, erfreue dich an den Farben, an einem schön angerichteten Essen und an dem wohligen Gefühl im Bauch. Dazu gehört auch die Freude am Kochen, am kreativen Gestalten, am Experimentieren mit unterschiedlichen Lebensmitteln, Kräutern und Gewürzen. Der Genuss exotischer Speisen und Gewürze lässt einen nicht nur von der Ferne träumen, sondern ist gerade in Zeiten eingeschränkter Reisefreuden ein bewährtes Mittel, sich die große weite Welt nach Hause zu holen. Mit Kardamon, Curry, Zimt und Koriander schmeckst du die Souvenirs der fernen Länder auf deiner Zunge und reist so zumindest kulinarisch um die Welt!

Iss positiv heißt auch iss achtsam. Wie riecht das Essen? Was genau schmeckst du? Was für positive  Gefühle ruft das (gemeinsame) Kochen und Essen hervor? Bewusstes Genießen – gerne auch mit geschlossenen Augen – kann die Wahrnehmung positiver Gefühle auslösen und verstärken. 

Diesen Effekt kannst du mit den folgenden Tipps vertiefen:

  • Teile positive Erfahrungen oder genussvolle Momente mit anderen – z.B. indem du anderen davon erzählst. 
  • Mache mental ein Foto von einem besonders schön aussehenden Gericht – so speicherst du schöne Erinnerungen ab.
  • Gratuliere dir selbst zu einem besonders geglückten Rezept.
  • Konzentriere dich ganz aufs Essen und schalte andere Reize wie Radio, Fernsehen und Handy aus.
  • Vertiefe die schönen Momente, verweile und schalte andere Gedanken ab. 
  • Freude und Genuss lassen sich auch prima durch freudiges Verhalten – z.B. der wohl bekannte Luftsprung aus Kindheitstagen – ausdrücken. Und wem das etwas zu viel des Guten ist, dem sei gesagt, dass auch ein „Hmm, ist das lecker“ schon wirkt.
  • Sei dankbar für das leckere Essen und genieße den schönen Moment – immer in dem Bewusstsein der Einmaligkeit und Flüchtigkeit des Augenblicks.
  • Und wie bei allem im Leben – nicht übertreiben und nicht zu sehr fokussieren. Die Dosis macht das Gift!

Henne oder Ei – was war zuerst da?

Es gibt Hinweise, dass ein höherer Obst- und Gemüsekonsum auch mit einem Mehr an positiven Gefühlen verbunden ist – mehr Lebenszufriedenheit, Optimismus und Freude. In einer Studie haben optimistische Menschen weniger Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee und dafür mehr Obst, Gemüse und fettarme Milchprodukte verzehrt. Hier stellt sich die Frage, ob der Optimismus zuerst da war und zum gesundheitsbewussten Verhalten führte. Oder ob die höhere Vitaminzufuhr durch Obst und Gemüse die Bildung von gute Laune Machern und Energie-Botenstoffen wie Dopamin, Serotonin und Oxytocin anregte und zu der positiven Stimmung beitrug. 

Wenn wir Körper und Psyche als ganzheitlich verstehen, ist es nicht entscheidend, was zuerst da war – das Ergebnis ist das, was zählt. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Genuss mit allen Sinnen!

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