Es wird von einem „Inside Job“ geraunt, die Existenz ganzer Städte und Länder werden in Frage gestellt und immer ist da das überproportional und abgrundtief Böse, das es auf die Menschheit abgesehen hat: Verschwörungstheorien gibt es in unzähligen Varianten und Ausführungen und viele davon sind so weit verbreitet, dass sich Nachrichtenredaktionen und Regierungen dazu gezwungen sehen, sie öffentlich zu widerlegen. Doch was oft belächelt wird, kann durchaus gefährlich werden. So manch ein Amoklauf oder Pogrom ist letztlich auf eine Verschwörungstheorie zurückzuführen. Warum aber glauben so viele Menschen an irgendwelche Theorien, die sich für andere als bloße Spinnerei darstellen?

Wenn die Verschwörungstheorie Halt bietet

Der Mensch, so erklärt es die Psychologie, hat den Drang dazu, immer alles unter Kontrolle behalten zu wollen. Das ist der Grund, warum gerade bei Ereignissen, die unerklärlich oder von besonderer Komplexität sind, so manch eine Verschwörungstheorie viral gehen kann. Die unvorstellbare Gewalt hinter den Anschlägen vom 11. September 2001, die Landung von Menschen auf einem weit entfernt liegenden Planeten oder eine Pandemie, die plötzlich aus dem Nichts auftaucht; alles das sind Ereignisse, die man selbst oft nicht unmittelbar nachvollziehen oder erklären kann. Das löst eine Unsicherheit aus, weil sich da etwas ereignet, was man selbst nicht versteht. Verschwörungstheorien mit ihren oft sehr simplen Mustern liefern in solchen Situationen die Erklärungen, auf die man gehofft hat und an die man sich anlehnen kann. Gerade Menschen, die in ihrem eigenen Leben vor Problemen stehen, die sie selbst scheinbar nicht lösen können, sind anfällig für solche Erklärungsmuster, denn sie bieten vermeintliche Sicherheit in schwerem Fahrwasser. Und sie haben noch einen weiteren psychologischen Effekt: Weil es in der Verschwörungstheorie immer eine Gegenseite gibt, der zunehmend furchterregende Dinge zugeschrieben werden, kann man sich einer Gruppe zugehörig fühlen und ein Wir-Gefühl erleben, das im normalen, schwierigen Alltag oft fehlt. 

Echo in der Filterblase

Ein weiterer Grund, warum Verschwörungstheorien so viel Anklang finden, ist ihre allgegenwärtige Präsenz. Während man früher vielleicht zweimal in der Woche abenteuerliche Geschichten über die Nachbarn austauschte, genügen heute wenige Klicks, um Gleichgesinnte zu finden und immer weiter gesponnene Theorien mitsamt vorgeblichen Beweisen. In den sozialen Medien darf jeder veröffentlichen, was ihr oder ihm gerade in den Sinn kommt und wenn das dort Gesagte den eigenen Erwartungen entspricht, dann verstärkt das den Glauben an Dinge, die man anfangs vielleicht noch belächelt hat. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke unterstützen diese Wirkung, indem sie dem Nutzer immer wieder neue Inhalte anbieten, die dem entsprechen, was er oder sie zuvor angesehen hat. So blüht die immer wiederkehrende Verschwörungstheorie im Kopf des Betrachters immer weiter und wird zwangsläufig extremer. Versuche, diese mit Argumenten zu widerlegen, dienen da nur noch als weitere Bestätigung dafür, dass man gegen böse Mächte in Regierungen, Medien und Gesellschaft zu kämpfen hat. Ein wirksames Mittel, um Verschwörungstheorien ein für allemal aus dem öffentlichen Diskurs zu löschen, ist so trotz aller Anstrengungen noch immer nicht gefunden.

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