Du hast den letzten Arbeitstag hinter dir, morgen ist dein erster Tag in Freiheit. Was machst du jetzt damit? Nach der Kündigung wieder direkt durchzustarten ist nicht unbedingt einfach. In einem vorherigen Post haben wir uns die Kündigung als Trennung angesehen. Neutraler betrachtet stellt jede Kündigung einen entscheidenden Veränderungsprozess dar. Deine vorherigen Routinen werden vollkommen über den Haufen geworfen und du musst dich auf eine neue Situation einstellen. 

Wie gehst du mit Widerständen um?

Es ist ganz normal, dass die Annahme eines Veränderungsprozesses nicht an allen Stellen absolut reibungslos von der Hand geht. Das kann zu erhöhtem Stress und gesteigerter Frustration führen. Du wirst immer wieder auf Stolpersteine stoßen, die sich dir in den Weg legen. Lass dich davon nicht verunsichern! Das ist ganz normal und lässt sich mit der Veränderungskurve (engl. Change Curve) erklären. Im Verarbeitungsprozess gibt es Höhen und Tiefen, die du ganz natürlich durchläufst. 

Die Geschichte der Veränderungskurve 

Die Veränderungskurve ist ein Konzept, dass die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross als Sterbephasen in ihrem Buch Interviews mit Sterbenden (1969) vorgestellt hat. Dafür hat sie mit Todkranken und Sterbenden über deren Erfahrung und den Umgang mit der Trauer gesprochen. Ihre fünf Stufen des Sterbeprozesses und der Trauer wurden dann im weiteren Verlauf von Experten des Change Management um zwei weitere Schritte erweitert. 

Die 5 Stufen nach Elisabeth Kübler-Ross 

Das Konzept von Kübler-Ross hat sich zwar in erster Linie auf den Umgang mit dem anstehenden Tod bezogen, kann aber auf jede einschneidende, emotionale Veränderung übertragen werden. 

  1. Leugnen
  2. Zorn
  3. Verhandeln
  4. Depression
  5. Annahme

In der Fachliteratur gibt es unterschiedliche Abwandlungen eben dieser Phasen, die sich auf große Veränderungen übertragen lassen. Modelle unterteilen sich in 4, 5, 7 oder 8 Phasen, wobei diese ähnlich beschrieben werden, aber ggf. flexibel sind. Zu nennen ist hier zum Beispiel das Modell nach John Kotter, einem Visionär und Vorreiter im Change Management.  

7 Phasen der Veränderung nach John Kotter

Dr. John Kotter (*1947) hat als Professor Leadership an der Harvard Business School unterrichtet und ist Autor von zahlreichen Büchern über Change Management und Veränderung im Business. Kotter hat sich in Büchern wie Leading Change: Wie Sie Ihr Unternehmen in acht Schritten erfolgreich verändern vor intensiv mit der Unternehmensseite von Veränderung auseinander gesetzt, aber auch den persönlichen Veränderungsprozess genauer beleuchtet. Jeder von uns reagiert individuell unterschiedlich auf eine Veränderung, trotzdem lässt sich der Prozess nach Kotter in eine siebenteilige Struktur unterteilen.

Lass uns das gemeinsam anschauen. Wenn du dich selbst gerade in einem solchen Prozess befindest, ist es wichtig, dass du dir klar machst: Dieses Modell schaut sich Veränderung aus einem etwas anderen Blickwinkel an. Dabei kann es sich um persönliche Einschnitte, Veränderung innerhalb eines Unternehmens oder eben um eine Kündigung handeln. Je gravierender der Einschnitt für dein persönliches Leben, desto ausgeprägter wirst du dich ggf. mit den ersten Phasen im Veränderungsprozess konfrontiert sehen. Auch nach diesem Modell verläuft der Verarbeitungsprozess nicht linear. Während du in einigen frühen Phasen bereits das Gefühl haben wirst, dass es dir mit der Veränderung gut geht und du auf dem richtigen Weg bist, können immer wieder Rückschläge folgen. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass ein akutes Tief vielleicht nur ein Vorbote für den Eintritt in die nächste Stufe ist. 

Nicht jeder durchläuft die vollen 7 Stufen. Je nach Persönlichkeitsprofil sind einige Menschen offener für Veränderung, anderen dagegen fällt es schwer, sich auf eine neue Situation einzustellen. Gehörst du auch eher in die veränderungsresistente Kategorie Mensch, ist es wichtig, jeweils den Absprung in die nächste Stufe zu schaffen un bewusst und tiefgehend mit der Veränderung umzugehen. Du musst dich mit Veränderungen nicht alleine auseinander setzen. Wenn es sich nach der Kündigung schwer anfühlt, den richtigen Einstieg zu finden, gibt es viele Ressourcen und helfende Hände, die dir dabei unter die Arme greifen können. Ein Coaching Programm hilft dir dabei, wieder auf die Füße zu fallen und mit Klarheit und Kraft deine Ziele umzusetzen. 

Phase 1: Schock 

Selbst wenn sich die Veränderung bereits seit längerer Zeit angekündigt hat, kommt sie doch umso häufiger als echter Schock. Vielleicht fällt das Überraschungsmoment kleiner aus und der Schock hält nicht lange an, manche Betroffene beschreiben, sich über Tage wie erstarrt gefühlt zu haben. Der Schock kann bereits in dem Moment einsetzen, wenn du zum ersten Mal mit der bevorstehenden Veränderung konfrontiert wirst oder erst im Nachgang, wenn die Information gesackt ist und klar wird, was sie bedeutet. Es ist nicht ungewöhnlich, sich Gefühlen der Apathie ausgesetzt zu fühlen und nicht zu wissen, wie man die Situation richtig einordnen soll. Dieses Unvermögen kann den Handlungsprozess extrem verlangsamen. 

Es ist ein normaler erster Impuls, jegliche Schuld weit von sich zu weisen. Besonders wenn die Veränderung überraschend kam, kann es einige Zeit dauern, bis du bereit dazu bist, dir die Frage nach Verantwortung auch nur ansatzweise zu stellen. Vollkommene Ablehnung und Schuldzuweisungen oder willkürliche Erklärungen sind eine normale, erste Reaktion. Trotzdem ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese ersten Gefühle keine endgültige Evaluation der Situation darstellen. Sie sind absolut valide und es ist wichtig sie nicht zu unterdrücken. Du befindest dich aber gerade erst am Anfang einer Reise in die Akzeptanz und wie du dich jetzt gerade fühlst, wird nicht mit deiner endgültigen Einschätzung der Situation übereinstimmen. 

Phase 2: Verneinung 

Der Übergang in die nächste Phase ist häufig fließend. Ist die Veränderung erst einmal in vollem Gange, kann man sich nicht vor ihr verschließen oder sie einfach abschütteln. Hast du dich vom ersten Schock erholt, beginnt eine Trotzphase, in der das Faktum der Veränderung zwar anerkannt, aber entschieden abgelenkt wird. 

Gedanken wie “Das will ich nicht!” oder “Ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas Gutes dabei herauskommt.” zeigen deutlich, dass du der Veränderung gegenüber bereits eine negative Haltung eingenommen hast. Du hast ihre Existenz akzeptiert, bist aber noch nicht dazu bereit, ihre Folgen anzunehmen. Stattdessen stemmst du dich mit all deiner Willenskraft dagegen. In deinem Verhalten zeigst du deutlich, dass du dich mit der Veränderung nicht abgefunden hast. In Gesprächen mit Anderen nimmst du eine negative Haltung gegenüber besagter Veränderung ein und machst klar, dass du damit nicht glücklich bist.

Es ist normal, dass es dir am Anfang schwer fällt, das Positive an der neuen und ungewohnten Situation zu sehen. Stattdessen sieht du sehr deutlich, was schief gehen könnte, was negativ ist und warum deine vorherige Situation so bedeutend besser war. Wahrscheinlich berichtest du Freunden und Verwandten davon und zeigst ganz deutlich, was du von besagter Veränderung hältst. Das Neue erscheint auf den ersten Blick unheimlich und unsympathisch. Diese Anti-Haltung hält dich aber gleichzeitig davon ab, dich auf etwas Neues einzulassen. In dieser Phase solltest du dich so kurz wie möglich aufhalten. Bleibst du in ihr stecken, legst du dir selbst unnötige Hindernisse in den Weg, die sich später nur mit viel Willenskraft und Arbeit wieder aufräumen lassen. 

Phase 3: Einsicht 

Okay, du hast der Tatsache ins Auge geblickt, die Veränderung sie kommt und sie ist schon in vollem Gange. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Schritt. Deine zu anfangs absolut negativen Gefühle relativieren sich langsam und machen Platz, Veränderung langsam gedanklich zu erkunden. Du beginnst, dich aktiv mit den Gründen für besagte Veränderung auseinander zu setzen. Im Idealfall sind sie für dich nachvollziehbar und ergeben Sinn. Auf rationaler und intellektueller Ebene ist es für dich verständlich, warum alles so passiert, wie es gerade ist. 

Auch wenn du in dieser Phase rational bereits akzeptiert hast, dass eine Veränderung stattfindet, versuchst du nach wie vor aber gegen sie zu argumentieren. Emotional lehnst du die Veränderung immer noch ab.  Deine Sätze beginnen häufig mit “Ja, aber…” und mental bist du immer noch nicht in der vollständigen Akzeptanz angekommen. Trotzdem beginnst du, dich mit deiner eigenen Rolle innerhalb des Veränderungsprozesses nun aktiv auseinanderzusetzen. Vielleicht erkennst du, dass du genau in dieser Situation Kompetenzen an den Tag legen kannst, die du so vielleicht vorher noch nicht gesehen hast. Du beginnst dich, mit deiner eigenen Einstellung zum Prozess auseinander zu setzen und deine eigene Rolle innerhalb des Prozesses positiv zu reflektieren. 

Phase 4: Akzeptanz 

In der vierten Phase setzt auch die emotionale Akzeptanz des Themas ein. Wenn du diese Phase erreicht hast, hast du bereits einen wahnsinnig wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Du hast die neue Situation gänzlich akzeptiert. Spätestens in dieser Phase gibst du Schuldzuweisungen an Andere auf und akzeptierst, dass du selbst in den Veränderungsprozess involviert bist und er gegebenenfalls auch von dir Veränderungen erfordert.

Trotzdem bist du noch weit davon entfernt, diese Veränderung auch zu integrieren. Rational und emotional hast du Bewusstsein darüber gewonnen, dass Veränderung statt finden muss. Alte Prozesse sind aber möglicherweise noch sehr tief in dein Gehirn einprogrammiert und es ist notwendig, dass du dich von alten Mechanismen und Glaubenssätzen befreist, bevor du dein volles Potential entfalten kannst. Das kann dazu führen, dass in dieser Phase Ängste hoch kommen, die zu einer negativen Bewertung der eigenen Kompetenz führen können. Du siehst dich mit Unsicherheiten konfrontiert, wie du die neuen Herausforderungen meistern sollst und es kann schwer fallen, neue Möglichkeiten zu erschließen und zu erlernen. Besonders in dieser Phase ist es wichtig, dass du dein Selbstbewusstsein aktiv stärkst und deine Ängste nicht zur Seite schiebst. 

Übung: Ängste visualisieren 

Du kannst diese Übung auch schon in einem früheren Zeitpunkt innerhalb deines Prozesses einbauen. Aber besonders in der vierten Phase ist es wichtig, dass deine Ängste nicht die Oberhand gewinnen und dich davon abhalten, dich weiter zu entwickeln. 

Warum Ängste statt Ziele?

Visualisationsübungen schlagen oft vor, dass wir unsere Ziele visualisieren sollen und uns ganz genau vorstellen, wie die Idealsituation aussieht, wie sie sich anfühlt und wie wir uns selbst in dieser Situation fühlen. Das ist eine gute Übung, um Selbstbewusstsein aufzubauen. Trotzdem schützt sie dich nicht vor Worst-case Szenarien. Wir alle haben Ängste, einige über die wir sprechen, viele, die niemals jemand zu Ohr bekommt. Ängste sind erst mal nicht schlimmes, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns davor bewahrt, dass uns schlimme Dinge passieren. Einige Ängste sprießen aus einem Mangel an Selbstbewusstsein heraus, andere beruhen auf echt und ernstzunehmenden Bedrohungen. Leider ist es manchmal in einer Situation gar nicht so einfach, zu wissen, ob es sich um eine wichtige oder unwichtige Angst handelt. Bei dieser Unterscheidung kann dir helfen, deine Ängste einfach mal zu Ende zu denken.

So geht’s

Nimm dir ein Blatt Papier, zeichne drei Spalten und schreib in die erste Spalte deine Ängste, ganz offen und ehrlich. Du musst deine Notizen hinterher niemandem zeigen. Diese Übung ist nur für dich. Was ist das schlimmste, das passieren könnte? Schau dir deine Liste an. Nimm dir für jeden einzelnen Punkt Zeit und überleg dir, wie wahrscheinlich dieser Punkt ist und was passieren müsste, damit er wirklich eintritt. Was kannst du tun, um das zu verhindern? Mach dir hierzu so viele Stichpunkte wie nötig. Je besser du das besagte Problem verstehst, desto besser kannst du dich in Spalte drei damit auseinander setzen. Jetzt geht es um Lösungen. Stell dir vor, der schlimmste Fall ist eingetreten. Wie reagierst du? Was kannst du tun, um deine Situation zu verbessern oder ggf. die Situation wieder in Ordnung zu bringen?

Du wirst feststellen, dass viele Ängste entweder wenig Hand und Fuß haben oder sie sich bereits mit wenig Aufwand verhindern lassen. Triff die nötigen Vorkehrungen, damit der Ernstfall nicht eintritt und atme tief durch. Selbst wenn es hart auf hart kommt, hast du dich bereits mit Lösungen auseinandergesetzt. Du bist bestens vorbereitet. 

Phase 5: Ausprobieren 

In dieser Phase entwickelst du die Bereitschaft dich aktiv mit neuen Herausforderungen auseinander zu setzen und sie auszuprobieren. Die ersten Ängste haben sich gelegt und du entwickelst eine gewisse Neugierde. Du nimmst endlich eine aktive Rolle gegenüber der Veränderung ein. Ausprobieren ist mit einer neugierigen und positiven Grundeinstellung verbunden. Du wirst erste Rückschläge und erste Erfolge erfahren und dich langsam an das Thema herantasten. 

Die Phase des Ausprobierens wird später zur Grundlage für Erkenntnisse und Erfahrungen, deshalb ist es wichtig, dass du dir Zeit und Raum gibst, mit der Veränderung zu experimentieren. 

Phase 6: Erkenntnis 

Nachdem du einige Zeit mit deinen Lernerfahrungen verbracht hast, wirst du dazu in der Lage sein, erste Erkenntnisse zu verbuchen. Spielerisches Erkunden wird in neue Erfahrungen umgewandelt. Du gewinnst ein neues Verständnis deiner eigenen Kompetenzen und deiner Rolle im Veränderungsprozess und schöpftst daraus positive Energie und zusätzliches Selbstbewusstsein. 

In diesem Schritt gewinnst du deinen Expertenstatus zurück. Du hast dich mit der Veränderung auseinander gesetzt und darauf aufbauend solide, neue Kenntnisse entwickelt, die nun fest in deinem Repertoire bestehen. 

Phase 7: Integration 

Als letzter Schritt müssen während des Veränderungsprozesses erlernte neue Fähigkeiten und Denkweisen in deinen Alltag integriert und somit normal werden. Du hast deinen Lernprozess vollständig abgeschlossen und neu Erlerntes geht in Routine über. Emotional hast du dich vollständig mit der Veränderung auseinander gesetzt und siehst sie jetzt als positiven oder zumindest neutralen Einschnitt, der neue Kenntnisse und damit zumindest einige Vorteile mit sich bringt. 

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