Wenn man an einem Tag so viele Menschen sieht, wie in einem halben Jahr überfordert das, das menschliche Dasein. Zurück in Deutschland traf ich nach den ersten Eingewöhnungstagen meine Kollegen in Köln wieder. Ich fuhr mit dem Fahrrad die Strecke und wurde erstmal von den E-Scootern überrascht. Als es dann Richtung Innenstadt ging, verglich ich den europäischen Baustil mit den neuzeitlichen Städten wo der Central-Bank-District die alten Gebäude und Kirchen verdrängt hat. Welche Werte sind damit vergangen?

Wie ein aufgeschrecktes Reh saß ich mit meinen Freunden auf der Uni-Wiese und musste diese Informationsüberflutung über mich ergehen lassen. Natürlich war ich überglücklich sie wiederzusehen, doch wir alle merkten, dass Ich intensive Erfahrungen gemacht habe, die mich für immer prägen werden. Bei ihnen ist es aber nicht anders. Wir alle Leben 365 Tage im Jahr und sammeln Erfahrungen, die uns zu neuen Erkenntnissen bringen. Ein neuer Ort hilft die Sichtweisen durch eine neue Position zu hinterfragen, sodass eine neue Perspektive entstehen kann. Reife und Weisheit entsteht durch die Einnahme verschiedenster Perspektiven zu verschiedenen Zeitpunkten.

Ich nahm mir erstmal drei Monate Zeit, um meine weitere Laufbahn abzuklären. Werde ich meinem Studienfach getreu bleiben oder die neu erlernten Fähigkeiten entwickeln oder geht beides? Ich arbeite wieder Übergangsweise auf dem Bau und schrieb etliche Bewerbungen an etliche Unternehmen. Passte die Bewerbungen an und stülpte mir wieder ein Korsett über, um in die standardisierten Muster zu fallen. Ich ging zu Bewerbungsgesprächen und hatte den ein oder anderen sehr interessanten Austausch und Rückmeldung gehabt. Aber niemand wollte mich einstellen. Ich hatte ein Ass im Ärmel. Eine Firma über Kontakte mit ich bereits zusammengearbeitet habe und ich im inneren bereits den Vertrag abgeschlossen hatte. Vielleicht lag es daran und ich wollte nach was besserem Ausschau halte. Nach nun mittlerweile einem Jahr, kann ich behaupten, dass ich nichts Besseres hätte finden können.

Das heißt nicht, dass es nicht schwierig ist. Nein es ist sogar besonders schwierig, da das Leben mit jedem Tag anspruchsvoller wird. Oft packt mich die Wanderlust und ich suche mir kleine aber wirkungsvolle Alternativen. Eine Auseinandersetzung wird nichtig, wenn ich mich daran zurückerinnere wie ich bei völliger Dunkelheit fuhr. Wie mir der Atem ausbleibt, oder ich einfach völlig fertig irgendwo saß. Die Menschen, die mich begleiten, sich verändert haben, aber es neue und alte gemeinsame Werte gibt, die es gilt auszuleben.

Mit den gemachten Erfahrungen, kann ich mich weiter in mein Leben zurückerinnern und finde Zusammenhänge, die mich nachvollziehen lassen, wie ich die just vergangenen Situationen bewältigen konnte. Alles baut aufeinander auf.

Jeder von uns macht Erfahrungen, die uns dabei helfen mit Herausforderungen klar zu kommen und sich weiter zu entwickeln. Ich dachte sehr lange, dass dies nur in fremden Ländern mit neuartigen Situationen funktioniert. Dass diese Annahme falsch ist, habe ich dann erst nach dem Aufenthalt auf der Terra Inkognita Australes verstanden.

Ich lernte viel mehr zu reflektieren, indem ich mir wirklich Zeit nahm, das erlebte aufzuschreiben und darüber nachdenken konnte. Ich raste im Alltag von Situation zu Situation, ohne wirklich zu erkennen, welchen Mehrwert ich daraus schöpfen kann. So sind selbst mittlerweile die Autofahrten zur Arbeit eine kleine Reise geworden, in denen ich mir etwas mitnehmen kann und wenn nicht – Vorbereitung geht immer!

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