„Ich habe niemals den Glauben daran verloren, dass es gut ausgeht!“, sagte James Stockdale nach acht Jahren Folter und Gefangenschaft während des Vietnamkrieges. 

Und auf die Frage, wer ist denn nicht geschafft hat, antwortete Stockdale: Das waren die Optimisten, sie versäumten sich der Realität ihrer Situation zu stellen und den brutalen Fakten ins Auge zu schauen. 

Eine Reihe von wissenschaftlichen Studien führte letztlich zu dem nach ihm benannten Stockdale-Paradoxon. 

Jim Collins hat das in seinem Bestseller: „Good To Great: Why Some Companies Make the Leap… and Others Don’t“  in 2001 aufs Business übertragen. Der Deutsche Titel: Der Weg zu den Besten: Die sieben Management-Prinzipien für dauerhaften Unternehmenserfolg.

Weiterhin sagt Stockdale: „Diese, scheinbar negative, Erfahrung hat mich zu dem gemacht was ich heute bin und ich würde es um keinen Preis rückgängig machen.“ Er ist, wie er sagt, an der Krise extrem gewachsen. Bei vielen erfolgreichen Menschen stand vor dem Durchbruch eine tiefe Krise, die überwunden wurde. 

Dass allerdings aus der Krise die berühmte Chance wird, ist kein Automatismus, man muss etwas dafür tun. 

Doch genau das Mantra, wie wir es gerade in der Politik erleben, „wir schaffen das, haltet durch, alles wird gut!“ beschreibt Stockdale als den Weg in den Untergang. 

Die Optimisten, sagt Stockdale, sind an dem Mantra: „Weihnachten sind wir hier raus, gefolgt von Ostern sind wir hier raus, gefolgt von Weihnachten sind wir raus“ gestorben, an der Verzweiflung an scheinbaren Ausweglosigkeit der Situation. 

Somit ist das Stockdale-Paradoxon quasi der Beweis für Schopenhauers Pflicht des ehrbaren Kaufmanns: Das Beste hoffen aber mit dem Schlimmsten rechnen. Die konsequente Worst-Case-Betrachtung der aktuellen Situation. 

Vor gut einem Jahr, in Folge 29 meines Podcast „Stimmig zum Traumjob“, habe ich WOOP vorgestellt.  

WOOP steht für: WISH – Wunsch, OUTCOME – Ergebnis, OBSTACLE – Hindernis, PLAN – Plan 

Eine Methode von Prof. Gabriele Oettingen, die klar herausgearbeitet hat, dass Optimisten, die nur „think positive!“ praktizieren häufiger scheitern oder schlechtere Ergebnisse erzielen.  

Sie bestätigt wissenschaftlich den guten Grundsatz: Hoffnung ist keine Strategie! 

Google Sie WOOP. Sie finden auch eine sehr gute App im Play- und App Store. 

Doch was ist ein Optimist? Ein Optimist ist ein Mensch, der daran glaubt, dass gute Dinge passieren werden oder dass die Zukunft erstrebenswert ist, weil bestimmte Ziele durchgesetzt werden können. Diese Selbstwirksamkeit ist laut Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen ein wichtiger Aspekt: „Optimisten haben das Gefühl, dass sie die Dinge unter Kontrolle haben. Und dieses Gefühl kann man auch erlernen. Man kann sich erreichbare Ziele setzen. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben. Das ist ein Weg zum Optimismus.“ 

Wenn der Aspekt, „die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben“ ersetzt wird durch Untätigkeit und eine „alles wird gut Haltung“ dann ist das s.g. naiver Optimismus, auch optimistischer Fehlschluss oder optimistic bias. 

Doch gerade in Extremsituationen, wenn die See rau wird, greift das Stockdale-Paradoxon und dann ist beherztes Handeln der Weg. Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben.  

„Mit der Corona-Krise gerät Deutschland in eine sehr komplexe Wirtschaftskrise, deren Dimensionen derzeit viele noch unterschätzen“, schrieb der Chef des Münchener ifo Instituts, Clemens Fuest, im Handelsblatt. 

Alle Zahlen sprechen dafür, dass Deutschlands Lorbeerkranz zum Dornenkranz mutiert. 

Das die aktuelle Extremsituation, durch einen optimistischen Fehlschluss verstärkt, schon zu vielen Einzelschicksalen geführt hat und zu noch sehr vielen weiteren führen wird, scheint unvermeidlich. Nur sich jetzt der Realität der Situation zu stellen und den brutalen Fakten ins Auge zu schauen führt zum Ziel. Weg von naivem Optimismus oder lähmendem Pessimismus, hin zu Handlungen. 

Nicht nur die berufliche, sondern eine grundsätzlichen Neuorientierung scheint für viele Menschen unausweichlich zu werden. 

Die eigenen Möglichkeiten abschätzen, kleine Schritte machen, realistisch bleiben und handeln, ist die Lösung. 

Es gibt zwei große Motivatoren. Das ist Schmerz vermeiden und Freude gewinnen. Allerdings ist es sehr ungleich verteilt und der viel größere Motivator, auch hier gilt Pareto, liegt zu 80% auf Schmerz vermeiden. Doch Schmerzvermeidung heute, führt zu mehr Schmerzen morgen und zu noch mehr Schmerz übermorgen und so weiter. Seit der Vertreibung aus dem Paradies, scheint es so zu sein, dass bevor es gut wird, wird durch den Schmerz gehen müssen – um dann gestärkt daraus hervorgehen. 

Statt entfliehen in den naiven Optimismus oder versinken im Pessimismus, erstarken im Handeln. 

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