Das Beste anzustreben, 100 % erreichen zu wollen ist gut … sollte man meinen. Doch wie so oft täuscht der Eindruck, wenn man genauer darüber nachdenkt. 100 % erreichen zu wollen, kann nicht nur nicht gut sein, sondern sich sogar richtig katastrophal auswirken. Warum das so ist und ob auch du in die Perfektionismus-Falle tappst bzw. in ihr gefangen bist, erfährst du in diesem Beitrag.

Ich bin zu perfektionistisch

Bei Vorstellungsgesprächen wird oft und gerne nach den Schwächen eines Bewerbers gefragt. Eine der häufigsten Antworten darauf: „Ich bin manchmal zu perfektionistisch.“ Das sagt man in der Hoffnung, dass der zukünftige Arbeitgeber diese „Schwäche“ als entschuldbare Fehlleistung oder sogar als versteckte Stärke sieht. Schließlich kann man sich ja nicht outen und seine echten Schwächen offenlegen: „Ich bin dem Alkohol zugeneigt und einen Joint ab und an lehne ich auch nicht ab.“ So etwas in dieser Art könnte den Arbeitgeber schließlich davon abhalten, ein Jobangebot zu machen. Daher muss der Perfektionismus herhalten.

Perfektionismus – eine ausgewachsene Schwäche

Dabei ist Perfektionismus, oder besser gesagt das Streben danach, keine Kleinigkeit, sondern vielmehr eine ausgewachsene, massive Schwäche. Fast so schlimm wie „Ich bin dem Alkohol zugeneigt …“ oder sogar noch schlimmer, wenn es um Erfolg im Leben und das Erreichen von Zielen geht. Warum ist das so? Was genau ist so schlimm am Perfektionismus?

5 Gründe, die gegen Perfektionismus sprechen

Es gibt eine Reihe von handfesten Gründen, die gegen Perfektionismus sprechen.

  • Grund 1: Perfektionismus verhindert den Start
    In schweren Fällen von Perfektionismus wird im Vorhinein schon so lange an einer perfekten Lösung gefeilt, dass niemals mit dem Vorhaben begonnen wird. Immer gibt es noch etwas, das getan oder vorbereitet werden muss, bevor man soweit ist zu beginnen.
  • Grund 2: Perfektionismus macht langsam
    Und wenn man es dann schafft, zu beginnen, verlangsamt Perfektionismus das Vorankommen sehr. Dasselbe Spiel, das vor dem Start gespielt wurde, wird auch danach gespielt. Vor jedem einzelnen Schritt.
  • Grund 3: Perfektionismus macht unsympathisch
    Menschen, die nach Perfektionismus streben sind naturgemäß oft sehr detailorientiert. Viel detailorientierter, als ihr Umfeld. Sie können „fünfe nicht einmal gerade sein lassen“, denn alles muss genau, exakt, eben perfekt sein. Für manche Tätigkeiten ist dieser Detailgrad ja durchaus hilfreich oder sogar vonnöten, doch ganz generell kann dieses Verhalten das Umfeld nerven und potenziell unsympathisch machen.
  • Grund 4: Perfektionismus macht Einheitsbrei
    Wir sind heute umgeben von nahezu perfekten Dingen. Sieh dir eine Werbeanzeige an. Die Menschen darauf haben keine „Kanten und Ecken“. Alle sind schön oder per Fotonachbearbeitung schön gemacht. Alles ist geglättet. In so einem Umfeld braucht es manchmal etwas Unperfektes, um aufzufallen, um sich vom perfekten Umfeld zu unterscheiden.
Sag dem Leben was du von ihm haben willst
  • Grund 5: Perfektionismus schränkt dich ein
    Wahrscheinlich ist dir das Parteo-Prinzip schon einmal untergekommen. Es ist auch als die 80:20 Regel bekannt. Sie gilt in allen Lebensbereichen und besagt, dass wir mit 20 % des Aufwandes 80 % der Ergebnisse erreichen. Um die restlichen 20 % herauszuholen, um 100 % zu erreichen, um perfekt zu sein, musst du demnach 80 % deiner Zeit oder Anstrengung investieren. Das ist ein schlechtes Verhältnis von Einsatz und Ergebnis. So gesehen limitiert dich Perfektionismus. In vielen Fällen wäre es besser, die restlichen 20 % liegen zu lassen und mit viel weniger Zeit wieder 80 % beim nächsten Projekt herauszuholen.

Im Buch „Sag dem Leben, was du von ihm haben willst“ findest du 12 Regeln (im Sinne von Leitlinien), die dir dabei helfen, mehr Erfolg im Leben und im Beruf zu haben. Eine der Regeln lautet: „Fange an, bevor du bereit bist!“ … um eben Perfektionismus zu vermeiden. Diese Regeln unterstützen dich, deine Potenziale zu nutzen und aus deinem Leben das Meisterwerk zu machen, das es sein könnte. Lass dich überraschen, was es für dich bereithält.

Wenn nicht perfekt, was dann?

„Wenn Perfektionismus so schädlich ist, was ist die Alternative? Schlampigkeit?“ könnte man sich berechtigterweise fragen. Nein, das wäre die falsche Schlussfolgerung. Die Botschaft lautet nicht „Sei schlampig!“. Das positive Gegenstück zum Perfektionismus ist Exzellenz.

Was meine ich damit? Exzellenz erreichst du, indem du dein Bestes gibst und dich bemühst besser zu werden bei dem, was du machst. Nicht besser als die anderen, sondern besser als du selbst. Das ist der einzige Maßstab, an dem du dich messen solltest. Alle anderen Vergleiche hinken.

Wenn du damit immer weiter machst, dann wirst du exzellent bei dem, was du machst. Perfekt bist du deshalb noch lange nicht und wirst es auch niemals werden. Nicht weil du es nicht könntest, sondern, weil es niemand könnte, weil Perfektion in vielen Bereichen gar nicht erreichbar ist. Sie ist aber auch nicht notwendig. Exzellenz reicht vollkommen.

Sieger sind exzellent, nicht perfekt!

Wenn du dir eine Sportveranstaltung ansiehst, ein Schirennen zum Beispiel, dann wirst du feststellen, dass der Lauf der Siegerin oder des Siegers nicht perfekt war. Im Grunde war dieser eine Aneinanderreihung von kleinen und größeren Fehlern und Fehlerkorrekturen. Alles in allem hat es aber gereicht für den Sieg. Der Lauf war bei weitem nicht perfekt, aber exzellent.

Vergiss Perfektion, Exzellenz reicht vollkommen!

7 Regeln für Exzellenz

Wie aber Exzellenz erreichen? Auf deinem Weg dahin gibt es einige Regeln (als Leitlinie gedacht), die es dir leichter machen und dich schneller vorankommen lassen.

  • Triff die Entscheidung in welchen Bereichen du exzellent sein willst und in welchen gut auch gut genug ist.
  • Frage dich, was schlimmstenfalls passiert, wenn du auf die letzten 20 % bewusst verzichtest.
  • Lerne mit vermeintlichen Fehlern zu leben. Sie fallen den anderen ohnehin nicht auf.
  • Bemühe dich besser zu sein, als du gestern warst.
  • Kultiviere deine Fehler und mache eine persönliche Note daraus.
  • Baue absichtlich kleine Fehler ein. Das verleiht dir Profil und macht dich sympathisch.
  • Fange an, bevor du bereit bist. Geschwindigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Die konsequente Anwendung dieser Regeln werden dir helfen, Perfektionismus zu überwinden und dein Ziele rascher zu erreichen.

Viel Erfolg dabei!

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