Eine Kündigung steckt niemand so einfach weg. Tatsächlich können Kündigungen starke, psychische Folgen haben, die nicht unterschätzt werden sollten. Das kann sich bei jeden individuell anders ausdrücken. Es ist besonders wichtig, dass du in dieser Phase nicht alleine bist. Wende dich an Menschen, denen du vertraust.

Sprich mit engen Freunden, mit deinem Partner oder Familienmitgliedern. Informiere dein Umfeld über deine Situation und wie es dir damit geht. Es ist wichtig, dass du deine Gefühle offen kommunizierst. Wenn du den direkten Dialog mit deinem Umfeld suchst, können dir deine Mitmenschen helfen und dich bestmöglich unterstützen. Andernfalls kann der Trennungsschmerz zu Verstimmungen führen, die sich negative auf deine sozialen Beziehungen und auf dein erweitertes soziales Umfeld auswirken kann. Wenn du dich anderen Menschen anvertraust, führt das zu einer positiven Stärkung deiner sozialen Beziehungen und du erfährst Rückhalt und Unterstützung, die dir im Umgang mit der neuen und ungewohnten Situation helfen können. 

Die 5 Phasen einer Trennung 

Psychologisch gesehen laufen Trennungen immer ähnlich ab, egal, ob es sich um eine Kündigung oder die Trennung von einem Partner handelt. Auch wenn der Prozess schmerzhaft ist, bietet er dir doch eine einmalige Chance, etwas über dich selbst zu lernen. Beobachte dich selbst und deine Reaktionen. Mit ein bisschen Übung lernst du zu erkennen, wo du dich selbst gerade innerhalb des Prozesses befindest. 

Phase 1: Leugnen

Für viele Angestellte kommt die Kündigung wie ein Schock. Egal ob das Gespräche lange gefürchtet und erwartet war oder aus heiterem Himmel über dich hereinbricht, es kann im ersten Moment schwer fallen, die Trennung vom früheren Arbeitgeber einfach so hinzunehmen. 

Diese Phase kann sich dadurch auszeichnen, dass du Gespräche über das Thema bewusst meidest, die Kündigung relativierst, herunter spielst und mit unter sogar aktiv Kontakt zum ehemaligen Arbeitsplatz suchst. Du meldest dich bei Kollegen, um ganz unverbindlich zu hören, wie es ihnen geht. Du schaust “einfach mal so” bei den Drinks am Freitag vorbei oder mailst jemandem eine Lösung zu einem Problem, das eigentlich gar nicht mehr deines ist. 

2. Phase: Wütend werden 

Auf das Leugnen folgt dann die rote Wut. Wut auf den Arbeitgeber, Wut auf sich selbst, Wut auf Andere. Vielleicht empfindest du auch Neid auf Freunde und Familienmitglieder, die gerade glücklich in ihrem Job sind und das nach Außen zeigen. 

Emotional aufgeladene Situationen brauchen ein Ventil und es ist wichtig, dass du deine Wut nicht unterdrückst. Je mehr sich anstaut, desto größer wird irgendwann der Knall, wenn du die Wut nicht mehr zurück halten kannst. Es ist wichtig, dass du deine Wut nicht an deiner Familie oder deinen Freunden auslässt. Wenn du nicht weißt, wohin mit deinen Emotionen, power dich lieber richtig aus. Ein gutes Workout hilft dir, deine Wut in Energie umzuwandeln und etwas Gutes daraus zu machen. 

Es ist wichtig, dass du mit deiner Wut richtig umgehst und ihr einen Platz gibst, ohne deine Professionalität zu verlieren. Wütende Emails an den ehemaligen Chef oder ehemalige Mitarbeiter fühlen sich vielleicht im Affekt gut an, spätestens 10 Minuten später wirst du sie aber ordentlich bereuen. Denk lieber zweimal darüber nach, bevor eine unüberlegte Kurzschlusshandlung negative Auswirkungen auf deine späteren beruflichen Chancen hat. 

Du hast das Gefühl, du kommst mit meinen Gefühlen alleine nicht klar? Such dir Hilfe! Ein Coach oder Trainer kann dir dabei helfen, ihnen einen Platz zu geben und das richtige Ventil zu finden. 

Phase 3: Verhandeln 

Richtig wahrhaben willst du es immer noch nicht. Ist wirklich alles zu Ende oder gibt es vielleicht doch noch einen Hoffnungsschimmer, dass die Kündigung rückgängig gemacht werden kann? In dieser Phase gehst du in die innere Verhandlung. Jetzt ist es wichtig, dass du dich realistisch mit deiner Situation auseinander setzt. 

Phase 4: Depression 

In der vierten Phase kommt die Erkenntnis, dass die Kündigung final ist und diese Arbeitsbeziehung damit beendet ist. Du fühlst dich enttäuscht und traurig. Auch wenn sich diese Phase mitunter am unangenehmsten anfühlt: Du hast einen wichtigen Schritt für die Verarbeitung gemacht. Zur allgemeinen depressiven Verstimmung können sich Gefühle der Machtlosigkeit und ein Verlust der Motivation gesellen. In dieser Phase ist es ganz besonders wichtig, dass du meinen deinen Gefühlen nicht alleine bist. Es ist absolut okay, sich nicht gut zu fühlen und die eigene Traurigkeit für einige Zeit auszuleben. Sprich regelmäßig mit jemandem darüber, wie du dich fühlst und was dir durch den Kopf geht. Arbeite mit deiner Traurigkeit, aber lass dich nicht in dieser Phase versinken. Es kann mitunter schwer sein, aus der eigenen Depression alleine wieder heraus zu kommen und wieder Motivation zu finden. 

Phase 5: Akzeptanz 

In dieser Phase kommt dein Verarbeitungsprozess zum Abschluss. Du kannst die Kündigung annehmen und akzeptieren. Das führt einerseits zu einem Gefühl der Ernüchterung; du siehst die Realität, wie sie ist: Du bist gerade Job suchend und solltest mehr Zeit und Energie in die Suche stecken. Gleichzeitig stellt sich ein Gefühl der Entspannung ein. Intensive Gefühle der vorherigen Phasen lösen sich auf, du hast innerlich mehr Raum, deine Möglichkeiten wahrzunehmen. Denn genau das ist der Fall: Du hast eine Vielzahl offener Möglichkeiten vor dir, Chancen, die ergriffen werden wollen und neues Potential, das erschlossenen werden will. Vielleicht stellt sich sogar eine positive Erwartungshaltung ein, Vorfreude auf das, was als nächstes kommt. 

Was du tun kannst, um den Trennungsprozess zu erleichtern 

Eine Kündigung muss erstmal verarbeitet werden. Leider gibt es keinen Shortcut, um negative Gefühle zu vermeiden. Es ist wichtig, dass du deine Gefühle zulässt und sie nicht unterdrückst. Die Verarbeitung der Kündigung ist immer ein Prozess. An einigen Tagen wirst du dich besser fühlen als an anderen. Die Verarbeitungskurve ist keine lineare Verbesserung des eigenen Gemütszustandes. Ganz im Gegenteil, der Weg durch die Trennung gleicht eher einer Berg- und Talfahrt. Auf die ersten Gefühle von Verbesserung und Stabilität folgen häufig Rückfälle in Traurigkeit und Frustration. 

Lass deine Gefühle zu. 

Wut, Trauer und Enttäuschung sind Gefühle, die wir normalerweise gerne von uns wegschieben. Sie sind nicht angenehm, am liebsten würden wir sie vergessen oder einfach ignorieren. Trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig, dass du deine Gefühle zulässt und ihnen hier und jetzt Raum gibst du existieren. Je länger du sie unterdrückst, desto mehr werden sie irgendwann mit einem Knall an die Oberfläche kommen. 

Sprich mit anderen Menschen! 

Setz dich mit deinen Gefühlen auseinander und lass deine engsten Vertrauten an diesem Prozess teilhaben. Deine Gefühle sind absolut in Ordnung. Es ist ganz normal, dass du ein bisschen Zeit brauchst, um die Trennung von deinem bisherigen Arbeitsumfeld zu verarbeiten. Vor allem wenn du über Jahrzehnte in einem Job warst, ist eine Kündigung ein krasser Einschnitt in deine bisherige Routine und deine soziales Umfeld. Wenn du das Gefühl hast, dass du in deinem Freundeskreis nicht den richtigen Rückhalt bekommst oder falls es dir schwer fällt, über deine Gefühle zu sprechen, ist es ratsam, dir professionelle Unterstützung durch einen Coach oder Trainer zu suchen. 

Orientier dich neu. 

Die Kündigung ist deine Chance deine aktuelle Situation zu evaluieren. Was möchtest du an deinem bisherigen Job, was hat dich gestört? Was wünschst du dir von einem zukünftigen Arbeitgeber? Arbeitest du gerne in einen hierarchisch strukturierten Umfeld oder findest du hohe Machtgefälle schwierig? Du hast jetzt die einmalige Möglichkeit, mit Abstand auf deine bisherigen Situation zurück zu blicken und ein Idealszenario zu entwerfen. 

  • Welche Aufgaben liebst du? Welche möchtest du im nächsten Job auf gar keinen Fall wieder haben?
  • Wo liegen deine Stärken? Wo liegen Schwächen, die du ausbauen könntest?
  • Welche Bereiche in deinem Berufsfeld haben dich immer schon interessiert, du hattest aber nie die Möglichkeit, sie auszuprobieren?

Verbessere dein Profil. 

Realistisch betrachtet wirst du nicht morgen über die richtig Jobanzeige stolpern. Es wird einige Zeit dauern bis du wieder einen Job findest, der zu dir passt und dir zusagt. Nutz die Chance. Such dir ein Projekt, dass dir dabei helfen wird, dein berufliches Profil zu verbessern. 

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