Assertivness – Gefühle klar artikulieren und respektvoll durchsetzen

Fallen, Helfen lassen und Ankern

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Wie von Chris schön beschrieben ist Resilienz die Hornhaut der Seele. Die Ausdauer, in den schlimmsten Momenten mit positiven Gedanken herausgehen zu können. Das bedeutet aber auch die schlimmen Erfahrungen zu erleben und zu reflektieren. Die Wut muss ausgelebt werden und nicht in sich gefressen werden. Wenn wir traurig sind und weinen müssen – tu es. Emotionen sind da um sie zu erleben. Sie geben dem Leben das Besondere. Es wird sogar behauptet, dass sie uns Leben lassen und unseren Charakter maßgeblich formen.

Nach meinem Studium und zwei längeren strukturierten Auslandsaufenthalten entschied ich mich mein Leben auf die Spitze zu treiben. Das tolle ist, ich konnte mir dabei einen langjährigen Traum erfüllen. Es ging zur weit entfernten Terra Inkognita mit dem Ziel eine sportliche Fähigkeit auszureizen und zu testen wie weit ich damit komme … und natürlich kam es anders als gedacht.

Ich bereitete mich auf die Reise vor und war voller positiver Eindrücke und Pläne wie ich meine Reise gestalte. Natürlich wusste ich ein gutes Maß an Flexibilität mitzunehmen, um nicht bei jeder Kleinigkeit den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das ist in solch einer Umgebung nämlich sehr schädlich für Körper, Seele und Geist … es denn man fällt und es gibt keinen Boden.

Die ersten drei Monate würde ich als relativen klassischen deutschen Backpacker Tourismus beschreiben. Mit einem Kumpel aus der Schulzeit, ging es von Campingplatz zu Campingplatz und bloß keine Risiken eingehen, denn wir sind weit weg von zu Hause. Die Natur an vielen Stellen wie gewünscht – atemberaubend – aber an einigen Stellen sehr europäisch, was ja ein bisschen gegen die Flucht aus der Heimat spricht. Man lernt eine Menge neuer Leuten kennen, die man aber auch so schnell wie man sie kennengelernt hat, wieder vergisst. Man arbeitet auf Farmen, um sich sein Vorankommen zu leisten. So schlendert man durchs Leben und eigentlich ist es nicht anders als zu Hause. Nur die Natur, die Sprache und noch vieles mehr der äußeren Umstände hat sich verändert … bin ich der gleiche?

Ja es ist genau wie zu Hause …  sodass Situationen zu Konflikten führen und nun steht man mal wieder alleine da. Was habe ich falsch gemacht? Wie kann ich jetzt vorausschauen? Kein Geld, keine Freunde, kein Verständnis, keine Sicherheit … nichts! Am anderen Ende der Welt.

Genau das, was ich eigentlich wollte, ist mir einige Monate später klargeworden.

In dem Moment selber, war der Gedanke einfach nicht zusammenzubrechen und die Leute die mir am Herzen liegen nicht zu enttäuschen. Meine Reise wird weitergehen! Nur weil ich alles verloren habe, heißt es nicht das ich am Ende bin. So ließ ich alles zu, was der Moment mir offenbarte. Ich rannte, ich schrie, ich heulte, ich lachte und dann rappelte ich mich auf. Baute alleine auf einem Parkplatz eine Bettkonstruktion mit Schraubenzieher und Handsäge in das Auto. Stopfte alles hinein und fuhr an den Strand. Sah das wofür ich kam … einen Surfwettkampf. Motiviert ging ich selber ins Wasser und als ich raus kam, öffnete mein Schlüssel das Auto nicht. Mein ganzes Leben auf 5m² und ich konnte es nicht erreichen. Der ADAC wollte nicht kommen ohne eine Vorabzahlung. Die Tür ließ sich nicht mit Draht öffnen, obwohl der halbe Parkplatz es probiert hat. Der Stein lag schon bereit, um die Fensterscheibe einzuschlagen, da der Schlüsseldienst das 3-fache an einem Sonntag gekostet hätte. Der Campingplatz wollte mir keine Einbruchsausrüstung ausleihen … ein letzter Versuch, denn ein gleiches Auto Modell fuhr auf den Parkplatz. Ich ging zu dem Besitzer:

„Hey Mate, bist du schon mal in dein Auto eingebrochen?“

„Ehm nein, wieso?“

„Du hast jetzt die einmalige Gelegenheit mit diesem Draht es auszuprobieren.“

„Cool ja gerne, aber ich habe auch ADAC Plus und notfalls kommen die Mate.“

Nach 6 Stunden herumprobieren hatte ich mein Leben dank eines Fremden wieder. Er lud mich nach einer weiteren Surfseassion ein, auf eine Party zu gehen. Sehr erschöpft nahm ich das Angebot dankend an und wir fuhren erstmal zu seinem Haus, dass er sich mit seiner Freundin und 2 anderen teilte. Als ich ihnen meine Geschichte erzählte boten sie mir an, in ihrem Tiny House zu übernachten anstatt irgendwo auf der Straße. Auch dieses Angebot nahm ich dankend an und es entwickelte sich ein toller Deal. Ich half das Tiny House weiter aufzubauen und kümmerte mich um Haushalt und Garten, sodass ich einen Ort der Ruhe für drei Wochen fand. Nach den Strapazen konnte ich erstmal klarkommen. Runterkommen, meine innere Mitte wiederfinden, das Verarbeiten was mir widerfahren ist.

Ich strukturierte mich neu, indem ich mich auf die weitere Reise vorbereite, denn die geht jetzt endlich wirklich los, dachte und spürte ich. Nach drei Wochen rekarnation traf ich mich mit einer alten Freundin, die gerade ihren Aufenthalt begann. Ich holte sie vom Flughafen ab und merkte schnell, dass sie sich durch ihre Anforderungen kaputt stresste. Anstatt das Ankommen zu genießen und die neuen Eindrücke zu verarbeiten, wollte sie am gleichen Wochenende einen Job, eine Wohnung und alles, was man so benötigt finden. Ein fataler Fehler der sie nach einigen Monaten wieder aufgeben ließ.

Ich wiederum sah eine positive Entwicklung indem wie ich mit der Situation umgegangen bin und konnte voll gestärkt die Weiterreise antreten. Ich habe gelernt zu Fragen und meine Gefühle zuzulassen, um sie dann zu verarbeiten und teilen zu können. Egal worum es geht und wie schräg die Anfrage ist, Menschen möchten sich helfen. Wenn die Lage wirklich herausfordernd ist, kann ich mich darauf verlassen ein offenes Ohr und Hilfe zu finden. Man darf sich nur nicht zu schade oder zu ängstlich sein, sein Fapaux offenzulegen.

Endlich alleine – ich schaute auf das Armaturenbrett wo ich mir folgendes aufgeschrieben habe:

„Ich vertraue auf meinen Willen und meine Intelligenz um die schönsten Orte und Erfahrungen zu erleben“ und setzte meine Reise über die Great Ocean Road fort.