Fake it until you make it. Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. So tun als ob, bis man irgendwann wirklich da ist. Sprüche gibt es dazu viele, die Moral: Selbstbewusstsein vortäuschen, obwohl man eigentlich nicht genau weiß, was man tut. Möglichst keine Unsicherheit zeigen, um jeden Preis vermeiden, dass jemand eine Wissenslücke wahrnimmt. Die Leistungsgesellschaft macht es vor: Perfektion und zwar immer. Dabei fühlen sich laut Umfragen 70% aller Menschen irgendwann in ihrem Leben als Hochstapler. Gründe dafür gibt es viele. 

Die ersten paar Wochen im neuen Job können zur Herausforderung werden. Habe ich wirklich die Fähigkeiten, meine Position auszufüllen? Bin ich gut genug? Anderen kämpfen über Jahre mit dem Gefühl, nicht genug für ihren Erfolg zu tun. Sie denken, Glück oder der Zufall wären an ihrer guten Position Schuld und leben in der ständigen Angst, von Kollegen ‘enttarnt’ zu werden, obwohl ihre Leistungen kontinuierlich gut, oft sogar überdurchschnittlich gut sind. 

Warum wir über Selbstbewusstsein sprechen müssen 

Selbstzweifel, die kleine unangenehme Stimme im Kopf, die dir sagt: Ich weiß nicht, ob ich das schaffen kann. Ich bin nicht genug vorbereitet. Was, wenn ich scheitere? Jeder kennt sie, keiner spricht gerne darüber. Stattdessen versuchen wir, die Fassade des Selbstbewusstseins um jeden Preis aufrecht zu halten. 

Selbstbewusstsein wird im Duden definiert als: 

“das Überzeugtsein von seinen Fähigkeiten, von seinem Wert als Person, das sich besonders in selbstsicherem Auftreten ausdrückt”. 

Wenn wir vortäuschen, von unseren Fähigkeiten überzeugt zu sein, obwohl der Zweifel im Hinterkopf nagt, helfen wir dabei, ein Umfeld zu kreieren, in dem immer mehr Menschen am Hochstapler Syndrom leiden. 

Was ist Hochstapler Syndrom?

Das Hochstapler Syndrom (eng. Impostor Syndrome)  ist das Unvermögen, den eigenen Erfolg zu internalisieren. Das klingt kompliziert. Einfacher gesagt bedeutet das, Menschen, die am Hochstapler Syndrom leiden, haben ständig das Gefühl, nicht genug zu tun, ihren Erfolg nicht verdient zu haben oder einfach durch Glück in ihre jetzige Position gerutscht zu sein. 

Es gibt 5 unterschiedliche Hochstapler-Typen, bei denen sich das durch unterschiedliche Verhaltensweisen zeigt. (Mehr zu den 5 Impostor Typen findest du hier.

Wenn du dich selbst häufig fragst, ob du in deiner aktuellen Position richtig aufgehoben bist, dazu neigst, das Lob Anderer herunter zu spielen und das Gefühl hast, dass du eigentlich nicht richtig dafür gearbeitet hast, kann es gut sein, dass auch du am Hochstapler Syndrom leidest. (Noch nicht sicher? In diesem Artikel findest du einen Test!)

Warum Fake it until you make it ein schlechter Ratschlag ist 

Vor Allem im Business gilt häufig die Devise: Keine Schwächen anmerken lassen. Die professionelle Fassade immer aufrecht halten, um jeden Preis. Dabei geht vollkommen die Idee verloren, dass jeder von uns irgendwo mal anfängt. Wer sich als Berufseinsteiger mit dem Kollegen mit 10 Jahren Berufserfahrung vergleicht, wird das Gefühl haben: Ich habe keinen Plan was ich tue. Und das ist genau richtig so. Niemand steigt als alter Hase ein und auch im Job gibt es eine notwendige Lernkurve. Niemand startet perfekt. Wenn du Jobbeschreibung bereits komplett auf dich zutrifft, wenn du anfängst, gibt es nichts, das du in diesem Beruf lernen kannst. Es ist deshalb wichtig, die eigenen Lücken anzuerkennen, zu identifizieren und an ihnen zu arbeiten. Sie sind kein Problem, sie sind eine Chance dich beruflich weiter zu entwickeln! 

Alle sind fake! Wenn du dich umschaust, gewinnst du manchmal das Gefühl, dass alle um dich herum ganz genau wissen, was sie tun. Sie wirken selbstbewusst, patent und am Ball. Die Wahrheit ist, dass wir uns alle ab und zu als Hochstapler fühlen und dass wir alle ab und zu Unsicherheiten verbergen. Fake it until you make it erzeugt ein System, in dem jeder dem Anderen vormacht, alles liefe perfekt. Wenn du dich wieder einmal als Hochstapler fühlst, schau dich um und erinnere dich daran, dass es jemand anderem vielleicht gerade exakt genau so geht. 

Übrigens gibt es viele Situationen, in denen Fake it until you make it keine schlechte Idee ist. Es ist absolut okay, im Bewerbungsgespräch durch sicheres Auftreten zu punkten, ob es nun “echt” ist oder gespielt. Solange das nicht bedeutet, dass du über deine Fähigkeiten lügst, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. 

3 Tipps, gegen das Hochstapler Syndrom

Tipp #1: Vergleiche dich mit Kollegen auf Augenhöhe. 

Wenn du sehen möchtest, wo du gerade mit Kenntnissen und Fähigkeiten stehst, bringt es nichts, sich mit älteren, erfahrenen Kollegen zu vergleichen. Die haben bereits Jahre Vorsprung, Fortbildungen und wichtige Erfahrungen hinter sich und stehen an einem ganz anderen Punkt innerhalb ihrer Karriere. Schau dich nach Menschen um, die sich an einem ähnlichen Punkt befinden wie du. Welche Fähigkeiten und Aufgaben haben diese Menschen und wie deckt sich das mit deinen eigenen Erfahrungswerten? 

Tipp #2: Lerne von Anderen. 

Es ist absolut okay, zuzugeben, dass man selbst Lücken hat. Statt dich durch das Wissen anderer Kollegen eingeschüchtert zu fühlen, nutze das als eine Chance. Jeder hört gerne, dass seine Expertise gefragt ist. Such dir einen Mentor oder Coach, der dich dabei unterstützen kann, Bereiche auszubauen, in denen du dich noch weiterentwickeln musst. Das wirkt sich positiv auf dein Verhältnis mit Kollegen aus, sondern hilft dir dabei, deine Lücken als das zu sehen, was sie sind: Eine Möglichkeit, etwas Neues zu lernen und dich weiterzuentwickeln. 

Tipp #3: Werde Mentor für jüngere Mitarbeiter. 

Du bist schon lange im Geschäft bist, hast du selbst bereits einiges an Wissen angesammelt. Viel zu leicht vergessen wir, auch die eigenen Leistungen anzuerkennen. Dabei ist Lernen ein ständiges Geben und Nehmen. In dem du ebenfalls als Mentor für jüngere Mitarbeiter fungierst, kannst du jemand Anderem dabei helfen, seine Fähigkeiten auszubauen und  eine bessere Perspektive auf die eigenen Fähigkeiten zu bekommen. 

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