Das Impostor Syndrom ist eine extreme Form des Selbstzweifels: Betroffene empfinden sich selbst als Hochstapler, völlig im Kontrast zur Wahrnehmung von Kollegen, Freunden und Familie. Meist sind Menschen in Fach- und Führungspositionen betroffen, die von ihrem Umfeld als selbstbewusst und erfolgreich wahrgenommen werden. Innerlich von den eigenen Zweifeln geplagt, nach außen spielen sie ihre Rolle perfekt. 

Im heutigen Artikel klären wir, was das Impostor Syndrom (auf deutsch: Hochstapler-Syndrom) ist, wie du es erkennst und wie du am besten damit umgehen kannst. 

“War mein Erfolg nur Zufall?”

Selbstzweifel hat jeder mal. Wer am Hochstapler-Syndrom leidet, hat diese allerdings ungewöhnlich häufig und hat dadurch Schwierigkeiten, die eigenen Erfolge als solche wahrzunehmen und zu feiern. Dabei sind nicht alle selbst empfundenen Hochstapler gleich. Hier kannst du mehr über die 5 verschiedenen Impostor Syndrom-Typen lernen. 

Die eigenen Selbstzweifel gehen so weit, dass Betroffene ein falsches Bild der eigenen Leistungen entwickeln und trotz regelmäßiger Erfolge ständig unzufrieden sind. Sie haben das Gefühl, nicht genug zu leisten, ihre Position nicht verdient zu haben und trotz langjähriger Expertise nicht genug zu wissen. 

Der Selbsttest: Bist auch du betroffen?

Welche der folgenden Aussagen trifft auf dich zu? Sei ehrlich zu dir selbst und antworte aufrichtig. 

  • Du kannst dir deinen Erfolg selbst schwer erklären und du hast das Gefühl, dass du mehr Glück als Verstand hattest. 
  • Häufig vergleichst du dich mit Kollegen und hast das Gefühl, andere sind qualifizierter als du. 
  • Du hast hohe Ansprüche an dich selbst. Immer willst du 100% geben.
  • Insgeheim fürchtest du dich davor, dich zu blamieren oder bloßgestellt zu fühlen. 
  • Aufgaben erledigst du am liebsten selbst. Dann sind sie wenigstens richtig erledigt.
  • Die Meinung deiner Mitmenschen ist dir wichtig. Du möchtest, dass andere von dir beeindruckt sind. 
  • Du magst keine Komplimente und versuchst, sie schnell zu relativeren. 
  • Es fällt dir schwer, dir selbst zu verzeihen, wenn du einen Fehler machst. Erst recht, wenn er anderen auffällt. 
  • Du machst häufig Überstunden und arbeitest oft mehr als andere, um deine Aufgaben perfekt zu erledigen. 
  • Du hast das Gefühl, dein Umfeld überschätzt dich.
  • Dir fällt es schwer, konstruktiver Kritik etwas Positives abzugewinnen. Am liebsten ist es dir, wenn Kritik gar nicht erst nötig ist.

Wenn du dich in mehr als der Hälfte dieser Aussagen wiederfindest, leidest auch du am Hochstapler-Syndrom. Betroffenen mangelt es allerdings nicht grundlegend an Selbstbewusstsein. Ganz im Gegenteil, ihre Mitmenschen nehmen sie als Profis wahr, die sich eine erfolgreiche Karriere aufgebaut haben. 

Trotzdem kann das Impostor Syndrom für dich negative Folgen haben: Du stehst ständig unter Stress und hast hohe Erwartungen an dich selbst. Niemand kann über längere Zeit auf so hohem Niveau ständig funktionieren. Der eigene Leistungsdruck kann irgendwann zu Depressionen, Angststörungen und Burnout führen. 

Hochstapler Syndrom – das steckt dahinter 

Wer am Impostor Syndrom leidet, lebt in ständiger Angst, “enttarnt” zu werden. Die Zweifel gehen so weit, dass Betroffene sich davor fürchten, dass ihren Mitmenschen auffällt, dass sie sich nur durchmogeln und kein perfektes Verständnis der aktuellen Situation zu haben. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Das Imposter Syndrom tritt bei Überfliegern am häufigsten auf – Menschen, die sich ihren Erfolg ehrlich erarbeitet haben und teilweise durch jahrzehntelange Erfahrung in ihrem Bereich glänzen. 

Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem Erfolgsvorstellungen aus dem Elternhaus und Leistungsdruck in der Kindheit dafür sorgen, dass einige Menschen Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Erfolg anzunehmen. Wer in seiner Kindheit für Höchstleistungen belohnt und für mangelnde Leistungen durch Liebesentzug abgestraft wurde, tut sich im späteren Leben oft schwer, Stolz auf die eigenen Leistungen zu sein. Betroffene arbeiten meist länger als ihre Kollegen, übernehmen Extraaufgaben und ackern sich ab – ohne ihre Erfolge je völlig annehmen zu können. “Zufall”, winkt der Impostor-Syndrom Betroffene ab. “Das hätte jeder schaffen können.” Stimmt natürlich nicht. Tatsächlich stecken diese Überflieger viel Schweiß und harte Arbeit in ihren Job und ernten irgendwann die Früchte. 

Leistungsdruck hört mit dem Elternhaus allerdings nicht auf. In der Schule werden immer die besten Leistungen belohnt; im Sportverein, in der Ausbildung, in der Uni – die Leistungsgesellschaft macht’s vor. Alles muss größer, schöner, schneller werden. Die Anerkennung der eigenen Leistungen kommt dabei zu kurz. 

“Ich fühle mich als Hochstapler, was kann ich tun?”

Normalerweise läuft es folgendermaßen: Je mehr eine Person erreicht hat, desto entspannter fühlt sie sich. Wer vom Hochstapler-Syndrom betroffen ist, fühlt paradoxerweise das Gegenteil: Je mehr er oder sie erreicht, desto größer wird das Gefühl, diesen Erfolg rechtfertigen zu müssen. Mehr Erfolg sorgt für mehr Stress. 

Spätestens, wenn die körperliche und geistige Gesundheit darunter leiden, ist es an der Zeit, etwas zu unternehmen. Die erste Hürde besteht darin, das Hochstapler-Syndrom zu erkennen und sich selbst einzugestehen, dass man eine verschobene Selbstwahrnehmung hat. 

Du bist nicht alleine. Tatsächlich geht es vielen ganz genauso. Leistungsdruck und seine Auswirkungen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema, über das viel zu selten gesprochen wird. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du dich über deine Ängste austauschst. Ein Coach oder Trainer kann dir dabei helfen, deinen Gefühlen einen Platz zu geben und diese einzuordnen. Du fühlst dich noch nicht bereit? Im Internet gibt es zahlreiche Foren, in denen du dich mit betroffenen austauschen und erst einmal Informationen sammeln kannst. Bei Depressionen oder starkem Stress kann außerdem eine begleitende Therapie dabei helfen, das eigene Selbstbild positiv zu stärken und zu lernen, besser mit den eigenen Erwartungen umzugehen. 

Lerne, Feedback anzunehmen. Deine Mitmenschen schätzen dich und deine Leistungen oftmals völlig anders ein als du selbst. Lass dir ehrliches Feedback geben, hör zu und bemühe dich, es zu akzeptieren. Jemand macht dir ein Kompliment für deine Arbeit? Sag “danke”, anstatt es zu relativieren. Jemand kritisiert dich? Bedank dich ebenfalls und bemüh dich, das Feedback als Möglichkeit zu wachsen zu sehen, anstatt dich zu ärgern. 

Lerne, Gefühle und Fakten zu trennen. Du kommst dir dumm, unfähig oder langsam vor? Das sind alles Gefühle, die mit der Wahrheit nicht unbedingt etwas zu tun haben müssen. Konzentriere dich stattdessen lieber auf Fakten. Erfolge lassen sich in Zahlen messen, dein subjektives Empfinden hat damit nichts zu tun. 

Achte auf deine Wortwahl. Unsere Worte sind die Grundlage unserer Wahrnehmung der Welt. Wünsch deinen Mitarbeitern zum Beispiel “Viel Erfolg” anstatt Glück. Durch bewusste Wortwahl kannst du langsam dein Unterbewusstes trainieren, ein gesundes Verständnis von Erfolg zu entwickeln. 

Führe ein Erfolgstagebuch. Schreibe regelmäßig auf, was du bereits erreicht hast und worauf du stolz bist. Sei dir nicht zu schade, auch kleine Erfolg aufzuschreiben. Dein Erfolgstagebuch kann außerdem eine gute Grundlage für die nächste Gehaltsverhandlung sein! 

Was ist das schlimmste, das passieren kann? Du bist nervös vor der kommenden Präsentation und hast Angst, dumm da zustehen? Denk mal ernsthaft darüber nach. Was ist das schlimmste, das passieren kann? Wie kannst du in dieser Situation reagieren? Indem du deine Ängste visualisierst, gibst du dir selbst die Chance, auf Worst-case-Szenarien vorbereitet zu sein und nimmst ihnen die Angst. 

Lass dich nicht vom Hochstapler-Syndrom kontrollieren! Du kannst selbst bestimmen, wie du dich und deine Umwelt wahrnimmst. Eine Veränderung braucht Zeit und wird nicht von jetzt auf gleich geschehen. Aber sie ist wichtig. So kannst du lernen, dein volles Potential zu entfalten und noch erfolgreicher zu werden.

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