Du kriegst viele Komplimente für deine Arbeit, hast Jahrzehnte lange Erfahrung in deinem Feld, du weißt, was du tust. Oder? Hast du trotzdem manchmal vor dem Meeting mit dem Big Boss Herzrasen? Hast das Gefühl, dass du die neue Strategie irgendwie so hin gemogelt hast? Kannst du es manchmal selbst kaum fassen, wie du so erfolgreich geworden bist? Fühlt es sich für dich an, als hätten dich eher Glück als harte Arbeit in diese Position gebracht? Fürchtest du dich manchmal ins Geheim davor, dass dir irgendwann jemand deinen Erfolg abspricht? Dann attestiere ich dir hiermit Impostor Syndrom! 

Im heutigen Artikel geht es darum:

  • Was Impostor Syndrom ist 
  • Wie du es in dir und bei anderen erkennst

Denn Impostor Syndrom kann nicht nur dir und deiner Karriere im Weg stehen. Es steigert dein Stresspensum und kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Dazu zählen unter anderem Angststörungen, Depression und Panikattacken. 

Impostor Syndrom – was ist das? 

Imposter Syndrom (oder auf deutsch Hochstapler Syndrom)  ist der Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Gefühle, die dafür Sorgen, dass du dich in deinem Job unwohl, unqualifiziert und fehl am Platz fühlst – obwohl du durch Qualifikationen und Jahre lange Arbeit den Beweis hast, dass du genau an der richtigen Stelle bist. 

Sogenannte Imposters leiden darunter, dass sie ständig an sich selbst zweifeln. Ihre eigenen Erfolge schreiben sie dem Zufall zu oder noch schlimmer: Sie leben in ständiger Angst, jemand könnte den “Betrug” aufdecken und würde herausfinden, dass ihnen die Lorbeeren gar nicht zustehen. 

Überraschenderweise hat das Imposter Syndrom nichts mit einem geringen Selbstbewusstsein zu tun. Ganz im Gegenteil, es findet sich umso häufiger in Menschen, die bereits sehr erfolgreich sind. Von außen würde man auf den ersten Blick niemals denken, dass es 

Woran erkennst du das Imposter Syndrom?

Imposter Syndrom tritt vor allem bei sogenannten High Achievern auf. Das sind Personen, die von anderen Menschen als extrem erfolgreich empfunden werden. Dazu zählen hochqualifizierte Menschen in Fach- und Führungspositionen, CEOs und Firmengründer. Im folgenden findest du eine Auflistung unterschiedlicher Verhaltensweisen, die darauf hindeuten, dass du oder ein Kollege an Imposter Syndrom leiden. Die Kategorien basieren auf jahrzehnte langen Untersuchungen 

Imposter Syndrom Expertin Dr. Valerie Young hat die Gruppe der Imposter in fünf verschiedene Kategorien unterteilt: 

Der Perfektionist

Vielleicht ist es dir selbst noch nicht aufgefallen, aber du lebst nach dem Motto: Wenn eine Aufgabe richtig erledigt werden soll, erledige ich sie am besten selbst! Es fällt dir schwer, Aufgaben an andere zu delegieren und wenn du es tust, neigst du zum Micromanagement. Du fühlst dich häufig enttäuscht von den Ergebnissen anderer Mitarbeiter und hast die Tendenz, lieber nochmal drüber zu gehen, damit alles perfekt ist. Du hast das Gefühl, dass du immer 100% geben musst und bist enttäuscht, wenn du deine eigenen Ansprüche nicht erfüllen kannst, selbst wenn alle um dich herum trotzdem zufrieden sind. 

Perfektionisten sind selten mit ihren Ergebnissen zufrieden, weil sie ständig das Gefühl haben, sie noch besser erledigt haben zu können. Sie sind gleichzeitig häufig Kontrollfreaks und haben Schwierigkeiten damit, Aufgaben ausgewogen im Team zu verteilen. Auch wenn diese Einstellung beim Chef gut ankommt, führt sie langfristig häufig zum Burnout und sorgt dafür, dass der Perfektionist seine eigenen Erfolge nicht feiern kann und sie im Zweifelsfall nicht einmal als solche wahrnimmt. 

Der Superheld/ die Superheldin

Weil du das Gefühl hast, deinen eigenen Erfolg gar nicht zu verdienen, versuchst du das durch besonders harte Arbeit zu kompensieren. Du bleibst häufig länger als alle anderen im Büro, meldest dich freiwillig für zusätzliche Arbeiten oder bietest Kollegen an, etwas von ihrem Workload zu übernehmen. Du neigst dazu, dich zu übernehmen und beantwortest deine Emails gewissenhaft auch nach Feierabend und am Wochenende. 

Der Typ Superheld geht ganz in seiner Arbeit auf, ohne dabei Rücksicht auf die eigene Freizeit zu nehmen. Ein Extra-Meeting hat immer Vorrang, was nicht nur auf Kosten seiner eigenen psychischen Gesundheit geht, sondern auch seine Beziehungen zu Freunden und Familie belasten kann. Ein typisches Anzeichen sind wenige Hobbys und Aktivitäten außerhalb der Arbeit. Rückschläge im Job nimmt der Superheld deshalb umso tragischer und stützt sich verbissen in noch mehr Arbeit, um sie wett zu machen. 

Das Naturtalent 

Du setzt deine eigene Messlatte wahnsinnig hoch. Wenn dir etwas nicht beim ersten Mal gelingt, bist du enttäuscht und hast das Gefühl, versagt zu haben.  Die Idee, einen Mentor zu haben, findest du unnötig und unangenehm. Wenn du das Gefühl hast, etwas nicht gut zu können, vermeidest du die Herausforderung lieber. Du hasst es, in etwas nicht gut zu sein. Glücklicherweise gelingen dir die meisten Dinge auf Anhieb, deshalb misst du deinen Erfolg daran, wie lange es gedauert hat, eine Aufgabe zu erledigen und wie leicht es dir gefallen ist, zum gewünschten Ergebnis zu kommen. 

Naturtalente leiden unter einem ähnlichen Problem, wie Perfektionisten. Trotzdem sind sie etwas anders gestrickt. Im Laufe ihres Lebens ist es ihnen wahnsinnig leicht gefallen, Aufgaben zu meistern, für die andere viel länger gebraucht haben. Letztendlich war richtiges Lernen für sie nie notwendig. Stehen sie allerdings vor einer Herausforderung, bei der sie mehr Anläufe benötigen oder eine Kompetenz erst erlernen müssen, fühlen sie sich schnell frustriert und als Versager. 

Der Solist 

Du bevorzugst es, die erste Geige zu spielen und zwar allein. Du bist wirklich kein Teamplayer, die Zusammenarbeit mit anderen erscheint dir eher als Last. Hilfe nimmst du ungerne an und es fällt dir schwer, danach zu fragen. 

Der Solist empfindet es als ein Eingeständnis des eigenen Versagens, wenn man andere um Hilfe bitten muss. Er verbeißt sich in die Idee, eine ihm zugeteilte Aufgabe auch alleine erledigen zu müssen und kämpft lieber, als Ressourcen zu nutzen, die ihm als Hilfe zur Verfügung stehen würden. 

Der Experte 

Auch wenn du bereits eine breite Wissensbasis in deinem Feld erreicht hast, hast du das Gefühl, noch nicht genug zu wissen. Du würdest dich nicht auf einen Job bewerben, wenn du nicht jeden einzelnen Punkt der Jobbeschreibung genau abdecken kannst und fürchtest dich davor, im Vorstellungsgespräch eine Frage nicht beantworten zu können. Du machst ständig Kurse, um Zusatzqualifikationen zu erlangen und dein Wissen zu erweitern. 

Der Experte fürchtet sich vor allem vor einem: Dass jemand anderes seine Wissenslücken aufdeckt. Er fühlt sich zu unrecht von anderen als Experte wahrgenommen und versucht seine Angst vor Versagen zu kompensieren, in dem er sich ständig weiterbildet. Trotzdem erreicht er niemals das Gefühl, genug zu wissen und fühlt sich deswegen in seinem Job unwohl. Quelle: Valerie Young: The Secret Thoughts of Successful Women: Why Capable People Suffer From the Impostor Syndrome and How to Thrive in Spite of It

Das klingt nach dir?

Ganz ehrlich, wenn du selbst in einer höchst erfolgreichen Position bist, aber stark an dir und deiner Kompetenz zweifelst, bist du wahrscheinlich selbst vom Impostor Syndrom betroffen. Deine Ansprüche an dich selbst sind konstant so hoch, dass du niemals dazu in der Lage sein wirst, sie zu erfüllen. Warum? Niemand ist dazu in der Lage eine immer gleichbleibende hohe Leistung zu erzielen, egal wie viel er sich darum bemüht. Lass mich das noch einmal wiederholen. Du wirst nicht dazu in der Lage sein, deine extrem hohen Ansprüche immer und in jeder Situation zu befriedigen. 

Was tun, wenn du vermutest, ebenfalls am Impostor Syndrom zu leiden? Du bist derjenige, der deinem Erfolg und der vollen Entfaltung deines Potentials gerade am meisten im Weg steht. Ein Coach oder Trainer kann dir dabei helfen zu identifizieren, wann du dir durch übertriebene Erwartungen deinen eigenen Erfolg sabotierst und negativ auf das eigentlich positive Feedback anderer reagierst. 

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