Kritik: Weniger Emotion, mehr Fragen!

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Frage

Du hast bestimmt schon gemerkt, dass es vor lauter Emotionen manchmal gar nicht so leicht ist, das tatsächliche Problem sofort zu erkennen. Das ist menschlich, aber nicht unüberwindbar. Entscheidend ist die Frage hinter der Frage.

Simone hat sich in unserem Beispiel zunächst gefragt: „Warum fiel die Entscheidung nicht auf mich?“, das war ihre primäre Frage, die den Denkprozess angeleitet hat. Noch ist diese Frage wieder kritisch noch emotional geprägt und kann in jede der beiden Richtungen weitergehen, so ist sie in ihrem Denken nicht gelenkt.

Konstruktiv kritisch werden erst die weiterführenden Fragen, so hat Simone es geschafft, die Emotionalität abzulegen und stattdessen kritisch die Beweggründe des Vorgesetzten zu hinterfragen. Es gibt kein richtiges und kein falsches Maß an Fragen rund um die Ausgangslage. Stelle dir so viele Fragen, wie dir zur Situation einfallen. Einige davon kannst du anschließend als irrelevant betrachten, wenn du merkst, dass sie dich gedanklich nicht weiter bringen. Andere wiederum werden dich auf spannende weitere Gedanken bringen, so können sie dir ein tieferes Verständnis der Problemstellung verschaffen.

Folgende Fragen hinter der Ausgangsfrage kannst du stellen, um diesen kritischen Denkprozess anzustoßen:
  • Was steckt wirklich hinter meiner Beobachtung?“
  • „Welche Beweggründe wird der Entscheider gehabt haben? Wie kann ich meine Vermutung verifizieren?“
  • „Was weiß ich über die Situation? Welche Fakten sind mir bekannt? Wie können sie sich ausgewirkt haben?“
  • „Welche Interessen haben die beteiligten Personen und wie kann ich überprüfen, ob meine Vermutungen stimmen? Wozu können diese Interessen die Entscheider gebracht haben?“
  • „Was hat den Entscheider beeinflusst?“
  • „Wer spielt in dieser Situation eine Rolle? Welche Rolle ist das? Wer beeinflusst wen und wie geschieht das?“
  • „Wo lasse ich mich in meinem Denken durch emotionale Gedanken beeinflussen? Stimmen meine Gedanken zur Situation? Sind sie objektiv?“