Knapp 5 Wochen arbeitete ich in der Weinernte. In den Backpackerreihen unterschied ich mich nur darin, dass ich einen recht gut bezahlten Job hatte der pro Stunde bezahlt wurde anstatt pro Eimer Weintrauben. Doch wir wohnten alle draußen auf einem Campingplatz. Welche hatten ein Zelt, andere schliefen ebenfalls im Auto. Das Leben schweißte uns dementsprechend zusammen und wir lebten in den Tag hinein. Wie Tagelöhner wussten, die meisten nicht wie viel Umsatz sie diese Woche machen werden und vor allem unter welchen Bedingungen. Da sich meine Arbeit dem Ende zuneigte, fing ich ebenfalls an die Trauben von den Reben mit den Händen zu pflücken. Laut schrie ich meine Nummer, als ich einen vollen Eimer in den Trecker-Anhänger warf. Der Zusammenhalt mit den Leuten, die in gleichen Situation sind wurde ungemein gefördert. Egal aus welcher Nation, wir saßen im selben Boot.

Voller Schmerz, dreckig, voll geklebt und von der Sonne geschwächt geht man noch einkaufen und wird von den Blicken der „Einheimischen“ verurteilt. Trotz meiner Wurzeln fühlte ich mich sehr unwohl so angeblickt zu werden und ich verstand einmal mehr ein Fremder zu sein. Ich zog mir auf diese Erkenntnis einen Frappe-Deluxe-Eis-Kaffe, der mir aber vor Schwäche aus den Händen entglitt. Frustriert, nervlich strapaziert, schaute ich mich um, um etwas zu finden, um meine Sauerei zu beseitigen. Ich kniete mich auf den Boden und machte den Bürgersteig vor der Mall sauber. Ein älterer Herr kam an mir vorbei und blieb stehen. Mit dem mittlerweile liebgewonnenen Slang sprach er zu mir: „Fuck, i have seen so many people dropping their drinks and shit. But you mate, are the first one I see who is taking care of his own mess. Keep on going like this mate.“ (Verdammt, ich habe bereits so viele Menschen gesehen, die ihre Getränke und so fallen gelassen haben. Du mein Freund, bist der erste den ich sehe, der seinen eigenen Dreck wegmacht. Mach weiter so mein Freund.) Das nehme ich mir heute noch zu Herzen. Fehler machen, jeglicher Art, ist menschlich. Daraus zu lernen, indem man die Verantwortung übernimmt, macht einem zu einem Menschen und man erntet Respekt anstatt Verachtung, wie man doch von ausgeht und oft auch erfährt.

Die Zeit im McLaren Vale neigte sich dem Ende zu und nach einer Verabschiedungsparty mit den Kollegen, die ich auf dem Campingplatz kennengelernt habe, machte ich mich mittags auf den Weg und wollte bis tief in die Nacht Richtung Westen fahren. Erstaunliche Landschaften streiften an mir vorbei, die sich für hunderte Kilometer kaum veränderten. Ich machte Bekanntschaft mit den Roadtrains – Lkws mit mehreren Anhängern fuhren unaufhaltsam auf den einspurigen Straßen durch das Land. Ein erfreulicher Wechsel am Straßenrand, denn ich sah mehr lebende Kangoroo´s als platt gefahrene.

Die schöne blaue Stunde wich so langsam der Dunkelheit und das Fernlicht stach in die Nacht. Es dauerte aber nicht lange und ich sah gar nichts mehr. Das Licht meines Autos streikte und keine Straßenlaterne, die Licht spenden konnte war weit und breit zu sehen. Eine schmale Straße und ein Kombi der keine Off-Road Aktionen zuließ. So schnappte ich mir meine Stirnlampe und hing wie ein Hund mit dem Kopf aus dem Fenster bis ich nach 10km eine Haltebucht fand. Glücklicherweise war das Hecklicht noch in Betrieb.

Auf der Camping-App fand ich einen Schlafplatz gute 35km entfernt. Ich wartete ab bis der nächste Roadtrain an mir vorbeifuhr und hing mich in den Windschatten für 30km. Danach hatte ich noch eine kurze Hubbel-Strecke mit dem Blinklicht und der Taschenlampe zu bewältigen bevor mich die Erschöpfung in den Schlaf zog. Mein Bett war übrigens 180cm lang bei einer Körpergröße von 190cm, 65cm Breite und einer Höhe von guten 50cm … denn meine Boards und alles, was man zum Leben benötigt musste unter mir Platz finden.

Der Nächte in dem Auto sind jedoch sehr angenehm gewesen. Es gab zwei Positionen und damit musste ich mich zufriedengeben. Stieg über mein Wohnzimmer (Beifahrersitz) ein und konnte morgens den Kofferraum auftreten, um die Morgenluft in Empfang zu nehmen. Am nächsten Morgen checkte ich mein Licht und konnte nichts feststellen … komisch. Doppelt komisch da ich mitten im Nirgendwo bestimmt keinen Toyota finde.

Aber wie es das Schicksal so wollte fuhr ich keine Stunde später in Ceduna an einem großen Händler vorbei. Voller Euphorie gab ich meinen Wagen ab und wartete auf die Diagnose. Die hieß: 3 Tage warten bis das „Große“ Problem gefunden wird und bestimmt mehrere hundert Dollar. Das war keine Option für mich und ich setzte meine Reise ohne Licht fort. Das schmeckte den Mechanikern gar nicht, die sich freuten einen mittellosen Backpacker abzuziehen und sie wiesen mich darauf hin, dass ich eine Straftat begehe, ohne Licht zu fahren. Ich entgegnete nur frech, dass ich im hellen Fahren werde und fuhr vom Autohof in die Hitze Richtung WA.

Die Route und die Ausflüge an die Küste wurden so geplant, dass ich spätestens beim Sonnenuntergang mein Nachtlager erreicht habe. Bei der Einsamkeit verwundert es einem nicht, dass man sich Gegenseitig grüßt beim vorbeifahren auf der Strecke. Die ein oder andere Hubbel-Strecken haben mich wieder spüren lassen, dass ich keinen 4WD habe.

In Esperance angekommen kümmerte ich mich direkt um mein Licht. Der ansässige Toyota konnte/wollte mir wieder nicht helfen. Der Mechatroniker in der Stadt dafür schon. Ich erzählte ihm nur was passiert ist und er checkte die Hauptsicherung und tauschte diese am darauffolgenden Tag aus. Keine Abzocke, gute Arbeit und meine Reise konnte „unbeschwert“ weitergehen. Ein Learning für diese Nacht war dann noch die Busch-Feuer-App und die Natur richtig zu lesen, sodass ich beruhigt 30km neben einem Buschfeuer schlief, welches „seit einem Monat unter Kontrolle ist“ und der Wind es in die andere Richtung blies. Ich dachte mir, falls das Feuer zu mir kommt, werde ich schon genug sehen um davon fahren zu können …

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