Wer bist du eigentlich? Diese Frage ist sehr verknüpft mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Nachdem du nun weißt, welche Werte dir wichtig sind, bist du der Frage nach dem „Wer bin ich“ schon ein gutes Stück weitergekommen. Um zu wissen, was für dich und dein Leben einen Sinn ergibt, solltest du aber auch wissen, wer du bist. 

Doch die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Manche brauchen ein ganzes Leben, um dieser Frage eine angemessene Antwort zukommen zu lassen. Ich will dich an dieser Stelle nicht entmutigen. Wenn du dich mit dieser Frage beschäftigst, wirst du auch eine Antwort finden. 

Du solltest wissen, dass es das jetzige Du gibt und dass es das Du nach der Veränderung geben wird. Denn wenn du dieses Buch gelesen hast und die Übungen dazu gemacht hast, dann wirst du nicht mehr derselbe sein, der du jetzt bist. Wenn du dich einmal mit all den Fragen nach deiner eigenen Existenz und dem Sinn deines Daseins beschäftigt hast, kannst du diese so schnell nicht wieder ignorieren. 

Wer bist du jetzt?

Wer bist du? Damit meine ich nicht dein Aussehen, deinen Job oder deinen Familienstatus. 

Erinnerst du dich noch an die Poesiealben aus der Grundschulzeit? Das Leben war so einfach. Du wusstest genau, was du werden wolltest, und hast die Frage nach dem „Wer bin ich?“ mit deinem Namen beantwortet. Aber ein Steckbrief beantwortet nicht meine Frage: „Wer bist du wirklich?“

Die Frage nach dir selbst beinhaltet mehrere Faktoren. Deine Werte und deine Ziele sind auch ein großer Teil davon. Doch du bestehst auch aus deinen Fähigkeiten, deinen Interessen und deinen Eigenschaften. Du bist dein Charakter und deine Persönlichkeit. Jeder Mensch ist anders, denn jeder ist verschieden. Auch wenn eine andere Person die gleichen Fähigkeiten wie du besitzt, diese Person wird diese anders ausleben und erleben. Du bist wirklich nur du. Aber was macht dich aus? Was macht dich wirklich einzigartig?

In Vorstellungsgesprächen wird oft nach deinen Schwächen und Stärken gefragt. Natürlich binden wir dem neuen Vorgesetzten nicht unbedingt unsere schlimmste Schwäche auf den Rücken, dennoch ist es nicht unbedingt schlecht, die Frage wahrheitsgemäß zu beantworten. Denn jeder Mensch hat Schwächen, genau wie auch Stärken. Ist man sich derer bewusst, kann man auch damit arbeiten.

Übung  

Nimm dir ein wenig Zeit, um folgende Frage für dich selbst zu beantworten. Schreibe zu jeder Frage mindestens drei Eigenschaften/Attribute auf. 

  1. Was sind deine Stärken? 
  2. Was sind deine Schwächen?
  3. Was interessiert dich?
  4. Was macht dich besonders? 
  5. Was ist dir wichtig? (Hier kannst du deine Wertetabelle aus dem vorherigen Teil verwenden.)

Wenn du diese Fragen wahrheitsgemäß beantwortest, dann wirst du danach einen besseren Überblick über dich selbst haben. 

Wenn es dir schwerfällt, diese Fragen zu beantworten, dann kannst du auch Freunde oder Familienmitglieder hinzuziehen und diese die Fragen über dich beantworten lassen. 

Wer sind die anderen? 

Auch hier musst du zunächst eine Inventur machen. Denn die Welt gibt uns oft vor, wer wir zu sein haben. Erfolg, Geld, Karriere, Ansehen, all die Eigenschaften und Werte, nach denen man strebt. Sind das eigentlich Dinge, die du selbst auch wählen würdest? Ist es dir wichtig, ein hohes Ansehen in der Gesellschaft zu haben? Oder reicht es dir, wenn dich deine Freunde wertschätzen? Wie verhält es sich eigentlich mit deiner Einstellung zu Geld? Brauchst du die teuerste Armbanduhr oder reicht dir eigentlich eine funktionierende Uhr, die ihren Zweck erfüllt, auch aus? 

Bevor du all die Eigenschaften glaubst, die du als deine eigenen Ansichten wahrnimmst, solltest du eine Prüfung vornehmen. Diese Prüfung solltest du nicht nur machen, weil es sein kann, dass du deine Ansichten ohne Hinterfragen aus der Gesellschaft übernommen hast. Deine Ansichten verändern sich auch von Zeit zu Zeit. Denn du änderst dich im Laufe deines Lebens. Deshalb ist es wichtig, deine Eigenschaften immer mal wieder an die aktuellen Lebensumstände anzupassen. 

Zum Beispiel kann es sein, dass du früher lieber auf der Couch gelegen hast, weil du glücklich leiert warst. Heute bist du aber vielleicht Single und möchtest eine/-n neue/-n Partner/-in kennenlernen. Deshalb bist du nun keine Couchpotato mehr, sondern ein aktiver Mensch. Deine Eigenschaften haben sich also geändert. Die Inventur entsorgt daher das Attribut „faul“ von deiner Ego-Liste. So kannst du es mit den restlichen Eigenschaften auch machen. Wer bist du in genau deiner jetzigen Lebensphase? 

Wer willst du sein? 

Da du nun ein bisschen mehr weißt, wer du bist, wollen wir uns nun der Frage widmen „Wer willst du eigentlich sein?“. Du hast weiter oben gerade einige Attribute und Eigenschaften zusammengetragen, die dich ausmachen. Nun gilt es diese zu bewerten und zu hinterfragen. Möchtest du diese Eigenschaften überhaupt haben? Möchtest du dieser Mensch sein, der du bist? Wenn ja, ist das eine gute Sache, dann bist du schon mal der, der du sein möchtest, und deinem Sinn im Leben näher, als du denkst. Aber vielleicht fallen dir ein paar Eigenschaften ein, die du gerne mit in dein Sortiment aufnehmen möchtest. Oder aber andere, die du von deiner Liste lieber löschen würdest. Wie möchtest du von anderen gesehen werden? Wie möchtest du dich selbst sehen? Dazu machen wir eine kurze Übung. 

Übung 

Schreibe mindestens fünf Attribute und Eigenschaften auf, die du noch nicht in deiner Liste hast. Wie schaffst du es, diese zu erreichen? Wie kannst du daran arbeiten, dass diese Eigenschaften Teil deiner Persönlichkeit werden? 

Das eigene Sein als Sinn verstehen

Wenn du dein Sein als Sinn verstehst, wirst du, ganz platt ausgedrückt, geboren, um zu sterben. Das klingt nun erst einmal ganz schön dramatisch. Deine Existenz hat einen Anfang, um ein Ende zu haben. Dazwischen ist das Sein. Dieses gilt es mit Inhalt zu füllen. Meist wissen wir nicht, wann uns das Ende auflauern wird. Das könnte man als Spannungsbogen unseres Lebens betrachten. Der ganz einfache Sinn in deinem Leben ist also deine Existenz.

Günther Anders, ein deutscher Philosoph im 20. Jahrhundert, hat dazu Folgendes auf Papier gebracht:

„Warum setzen Sie eigentlich voraus, dass ein Leben, außer da zu sein, auch noch etwas haben müsste oder auch nur könnte – eben das, was Sie Sinn nennen?“

Stimmt das? Sind wir da, um zu existieren? Alte Zen-Lehren im Buddhismus sehen das Sein als Sinn an. Die reine Existenz ist das Zen. Das Zen erreichen die Mönche bei der Meditation – pures Sein. Viele Philosophen sind der Meinung, dass es keinen weiteren Sinn des Lebens gibt. Daher sehen sie die Suche nach dem Sinn des Lebens als sinnlos an. Denn in ihren Theorien verstehen sie die Suche nach dem Sinn als etwas Gedankliches. Der Sinn des Lebens ist nicht ertastbar, er ist lediglich in unseren Gedanken. Daher ist der Sinn des Lebens nur Gedankengut und nicht das wirkliche Leben. Denken wir diese Gedanken weiter, dann möchte diese innere Stimme eine Erklärung für ihr Sein. Doch damit wollen wir uns an dieser Stelle nicht zufriedengeben. 

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