Mythos Kreativität gelüftet!

So verstehst und entwickelst Du deine Kreativität!

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Kreativität

Die Magie hinter der Kreativität?

Denke einmal an einen Grafikdesigner: Er bekommt von seinem Kunden ein Briefing, in dem dieser beschreibt, wie er sich eine Bannerwerbung vorgestellt hat. Die Beschreibung bezieht sich allerdings nicht auf Farben und gestalterische Elemente, sondern es handelt sich um die Botschaft, die er aussagen soll. Jetzt ist es am Grafiker, sich zu überlegen, wie er diese Werbebotschaft visuell kommunizieren kann. Wenn er das Grafikprogramm öffnet, beginnt Kreativität. Aus einer Grundidee heraus entwickelt er ein Konzept, welches das Ziel erfüllt.

Bestimmt kennst du die Situation selbst nur zu gut, dass du vor einem Problem oder einer Aufgabenstellung sitzt und dir keine passable Lösung einfällt. Dir fehlt die Kreativität. Das gibt es nicht nur in den typischen kreativen Berufen, sondern auch in jedem anderen. Der Kreativitätsprozess ist überall ähnlich. Kreativität ist allerdings nicht diese unsteuerbare, schwer zu definierende spirituelle Eingebung, die du entweder hast oder nicht hast – so jedenfalls wird sie gerne missverstanden. Kreativität ist absolut steuerbar und unter den richtigen Voraussetzungen können wir sie bewusst herbeiführen.

Dennoch verhält es sich mit Kreativität etwas wie mit der Liebe. Sie ist magisch und wir haben bis heute nicht genau verstanden, warum ausgerechnet zwei bestimmte Menschen beginnen, Liebe füreinander zu empfinden. Wir wissen aber, unter welchen Voraussetzungen sie entsteht, was ihr schadet und nützt. Schaffe diese Voraussetzungen für deine Kreativität und du hast alles dafür getan, dass der verbleibende magische Anteil daran auch bei dir wirken kann.

Was ist Kreativität?

Im Begriff „Kreativität“ steckt das Verb kreieren. Du schaffst etwas Neues aus Ressourcen, die dir gegeben werden. Vielleicht befindest du dich auch im Ressourcenmangel und schaffst es trotzdem, durch neue Wege an dein Ziel zu kommen. Kreativität ist die schöpferische Kraft, die jeder von uns in sich hat.

Kreativität ist keine Eigenschaft, die sich auf die Picassos und Michelangelos der Gesellschaft beschränkt. Sie ist eine wichtige Ressource für künstlerische Berufe, denn ohne sie geht es gerade hier nicht voran. Tatsächlich ist Kreativität überall erforderlich, auch die Suche nach der Lösung eines analytischen Problems erfordert sie.

Wie entsteht Kreativität?

Jeder Mensch besitzt Kreativität als individuelle Eigenschaft. Nur die Art des Ausdrucks ist unterschiedlich. Manche sind künstlerisch veranlagt und drücken ihre Kreativität auf der Leinwand aus. Andere sind gut darin, Lösungen zu finden, wo auf den ersten Blick keine sind. Egal, wie du deine Kreativität ausdrückst – es gibt Wege, sie zu fördern.

Kreativität entsteht, wo ein Problem vorliegt. Das Problem kann sein: „Ich will ausdrücken, dass mein Produkt oder meine Dienstleistung das beste auf dem Markt ist.“ Wie sollen deine Kunden das verstehen? Welche Argumente überzeugen sie davon? Wie kannst du das an die Kunden kommunizieren? Der erste Schritt besteht also darin, die Herausforderung von allen Seiten zu beleuchten und sie zu verstehen.

Der erste Schritt hin zur Lösung ist oft „quick and dirty“. Bestimmt hast du schon viele Brainstormings veranstaltet, in denen jeder seine ersten schnellen, spontanen Ideen verkünden kann. In eine ähnliche Richtung gehen Konzepte wie der „Shitty Draft“. Ein bewusst schlechter, hässlicher, untauglicher und unverkäuflicher Prototyp wird kreiert, damit an ihm kritisiert werden kann, was noch nicht passt. Shitty Drafts sind wie Rohdiamanten, die im weiteren Prozess geschliffen werden.

Dieser Feinschliff erster Ideen ist der dritte Schritt. Was muss passieren, damit deine erste Idee den Zweck erfüllt? Was daran ist gut? Welche Dinge müssen noch verbessert werden und was fehlt?

Neben diesem Prozess gibt es Techniken und Methoden, mit denen du deine Kreativität fördern kannst. Zu den Methoden gehört das bereits erwähnte Brainstorming. Hiervon gibt es etliche Abwandlungen, etwa moderiertes oder offenes Brainstorming oder das Gegenteil davon, bei dem jeder eine Idee einbringt, wie es nicht funktionieren würde. Das kurbelt die Kreativität an, da du dich zwingst, dich mit dem Problem aus allen Perspektiven zu beschäftigen. Team-Kreativität kannst du mit solchen Methoden optimal steuern. Doch auch deine persönliche Kreativität kannst du beeinflussen. Folgende Faktoren können sich auf diese begünstigend auswirken:

  • stetige Konfrontation mit der Herausforderung, etwa in Form eines Moodboards oder Brainstorming-Flipcharts im Büro
  • saubere, aufgeräumte und damit ablenkungsfreie Arbeitsumgebung
  • Musik, um dich in den Flow zu bringen
Welche davon sich für dich eignet, findest du am besten durch Ausprobieren heraus.

Kreative Rollen im Team

Team-Kreativität ist im Arbeitsalltag entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Jedes Teammitglied hat seine ganz individuellen kreativen Stärken und auch Schwächen. Einer ist gut darin, Ideen zu entwickeln. Der andere kommt eher nicht auf solche Ideen, hat aber viel Erfahrung und kann Ideen gut bewerten. Deswegen sollte Kreativität im Team entsprechend der Stärken verteilt werden.

Der Ideenentwickler

Typische Entwickler von Ideen sind etwa Grafikdesigner oder Produktmanager. Sie befinden sich in Rollen, in denen sie Neues schaffen müssen. Außerdem sitzen sie an der Quelle der Ressourcen, die ihnen sagen können, was geschaffen werden muss. Ein guter Product Owner befasst sich mit dem Feedback des Endanwenders und hat ein Verständnis dafür, was diesem am Produkt noch fehlt und was er wirklich gebrauchen kann.

Der Ideenentwickler im Team liefert erste Ansätze und entwickelt Prototypen, diese verarbeiten dann die anderen Teammitgliedern weiter, denn genau darin liegen oft auch die Schwächen des Entwicklers. Er ist gut darin, Ideen und Ansätze zu sehen, hat aber weniger Freude daran, diese durchzuplanen und bis zum Ende durchzusetzen.

Der Ideenbewerter

Nicht jeder lebt Kreativität in der Form der Ideenentwicklung aus. Das trifft vor allem auf erfahrene Fachkräfte zu. Sie haben ihre Stärken woanders: Sie haben im Berufsleben schon viel gesehen und ein Gespür entwickelt, was funktionieren kann und was nicht. Das macht sie zu guten Bewertern von Ideen, die andere entwickelt haben. Aus fachlicher Expertise heraus können sie sagen, ob ein Vorschlag umsetzbar ist und das Ziel erfüllt oder nicht.

Der Ideenmanager

Die Idee ist entwickelt und sie wurde bewertet – doch wer setzt sie um? Im kreativen Prozess sind Projektmanager genauso wichtig wie die Personen, die die Idee überhaupt erst entwickeln und einschätzen können. Der Ideenmanager kategorisiert, priorisiert und plant die Idee und ist in der Steuerung der kreative Part. Wie lassen sich Aufgabenstellungen umsetzen, die das Team in dieser Form zum ersten Mal zusammen bewältigen muss? Auch das ist eine wichtige Form von Kreativität.