Kommunikationsfehler vermeiden: So kommunizierst Du richtig in Beziehungen.

Erkenne deine Wahrnehmungsfilter und lerne was es heißt, auf einer neuen Ebene zu kommunizieren!

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Kommunikationsfehler

Dass deine Wahrnehmung nicht der Wirklichkeit entsprechen muss, ist dir bestimmt längst bewusst. Das bedeutet zwar auf gar keinen Fall, dass deine Wahrheit keine Anerkennung verdient. Allerdings gibt es neben deiner Wahrnehmung auch eine neutrale Sichtweise. Diese werden Menschen annehmen, die emotional nicht involviert sind. Je weniger emotionale Verstrickung mit dem Sachverhalt, desto objektiver kannst du eine Situation in der Regel auch bewerten. So können sehr schnell Kommunikationsfehler entstehen.

Es gibt die subjektive und die objektive Sicht der Dinge.

Deine subjektive Sicht berücksichtigt deinen Standpunkt. Bei der objektiven Sicht handelt es sich um eine möglichst neutrale Sichtweise, bereinigt um persönliche Faktoren. Die objektive Sichtweise wird gerne auch als sachlichste Sicht gesehen, denn hier spielen persönliche und emotionale Faktoren keine Rolle.

Bietet dein Arbeitgeber beispielsweise die Möglichkeit, an einem Tag der Woche auch von zu Hause zu arbeiten, gibt es dazu mehrere Sichtweisen. Objektiv betrachtet mag das wie ein Entgegenkommen wirken. Subjektiv gesehen werden sich manche Mitarbeiter über dieses Angebot freuen, da sie auf diese Weise ein besseres Zeitmanagement realisieren können. Andere wiederum, die beispielsweise keine schöne Wohnung haben oder keinen Platz, um in der Wohnung zu arbeiten, werden sich darüber eher weniger freuen.

Zwischen der Wirklichkeit und unserer Wahrnehmung befinden sich mehrere Filter. Diese Filter bestimmen, wie die Wirklichkeit von deiner Wahrnehmung eingefärbt wird und wie du sie folglich wahrnimmst. Das bedeutet nicht, dass deine Wahrnehmung richtiger oder falscher ist als die eine anderen Person. Sie ist lediglich anders und es ist wichtig für dich, zu verstehen, wie deine Filter wirken und wie sie deine Wahrnehmung beeinflussen. So wird es dir leichter fallen, alle Ebenen zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit zu betrachten und Kommunikationsfehler zu vermeiden.

Was sind neurologische Filter?

Einen ersten Filter gibt uns unsere menschliche Anatomie vor. Hunde können besser riechen als wir, Katzen können besser hören. Dafür können wir besser sehen als die meisten anderen Tiere auf der Welt. Während für uns somit Gerüche gefiltert sind, kann ein Hund sehr viel mehr wahrnehmen als wir. Nur, weil wir einen Geruch schwächer wahrnehmen, heißt es allerdings nicht, dass er nicht da ist. Für den Hund ist er wahrnehmbar und somit Wirklichkeit.

Unser Nervensystem nimmt unabhängig von seinen menschlichen Stärken und Schwächen noch eine weitere Filterung vor. Pro Sekunde strömen rund 11 Millionen Bits an Sinneseindrücken auf uns ein. Würden wir alle diese Eindrücke wahrnehmen, würde es nicht lang dauern und wir würden wahnsinnig werden vor Reizüberflutung. Damit das nicht passiert, schützt uns unser Nervensystem durch eine Reduktion auf 200 Bits an Informationen. Alles, was es durch diesen Filter schafft, wird wahrgenommen. Den Rest nehmen wir nicht wahr, obwohl er in Wirklichkeit da ist.

In der Kommunikation mit einem Tier solltest du berücksichtigen, dass das Tier andere neurologische Filter besitzt als du. Bei der Kommunikation mit Menschen sollte dir bewusst sein, dass es neben der menschlichen Wahrnehmung noch sehr viel mehr gibt. Es kann aber natürlich auch sein, dass einzelne Menschen sehr viel besser hören, sehen oder riechen können als andere. Somit muss es nichts bedeuten, wenn jemand einen unangenehmen Geruch wahrnimmt, den du selbst nicht riechen kannst. Dein neurologischer Filter ist einfach ein anderer als der Filter dieser Person, was in der Kommunikation schnell zu Fehlern führen kann.

Kommunikationsfehler

Individuelle Filter kennenlernen

Jeder Mensch lernt im Laufe seines Lebens durch Erfahrungen dazu. Dieser Prozess ist gut, gesund und natürlich, denn diese Lerneffekte ermöglichen es uns, anders und besser auf Situationen zu reagieren, die wir bereits kennen.

Du kennst bestimmt das Beispiel mit dem Kind und der heißen Herdplatte. Ein kleines Kind, dass noch nie eine heiße Herdplatte gesehen hat, wird diese unbedacht anfassen, da sie so schön rot leuchtet und so interessant aussieht. Spätestens nach der ersten Verbrennung wird das aber nicht noch einmal passieren. Das Kind hat jetzt gelernt, dass heiße Herdplatten sich sehr unangenehm anfühlen und zu Verletzungen führen.

Es gibt allerdings auch Erfahrungen, die zu weniger guten Lerneffekten führen.

Die Rede ist hier von schlechten Erfahrungen. So entstehen etwa auch Vorurteile. Die Person hat eine schlechte Erfahrung gemacht und führt diese auf ein äußerliches oder charakterliches Merkmal des anderen Menschen zurück, der mit dieser Erfahrung zu tun hat. Wirst du beispielsweise von einem Angehörigen einer bestimmten Ethnie ausgeraubt, können daraus Vorurteile gegenüber allen Menschen dieser Ethnie entstehen. Wahr sind sie nicht, doch du verinnerlichst diese Erkenntnis so.

Individuelle Filter können natürlich auch positiver besetzt sein. Jede Sinneswahrnehmung kann in deinem Gehirn mit einer schönen Erfahrung gekoppelt sein. Hat beispielsweise deine Mutter immer ein spezielles Parfüm getragen, das du heute noch wieder erkennst? Wenn du dieses Parfüm heute wahrnimmst, ist dir ihr Träger bestimmt auf Anhieb sympathisch. Oder fährst du gerne Motorrad und erkennst du das Geräusch deiner liebsten Marke? Ein anderer Mensch würde dieses Geräusch womöglich nur als Lärmbelästigung wahrnehmen, während es für dich der pure Wohlklang ist.

Innere Filter können sich auf jeden Sinneseindruck auswirken.

Das wissen beispielsweise Fachleute aus dem Marketing, die gezielt diese Reize ansprechen, um ihre Zielgruppe auf einer emotionalen Ebene zu erreichen. Wenn dir die inneren Filter deiner Mitmenschen bewusst sind, dann kannst du das ebenfalls tun.

Viel unterschwelliger sind die inneren Filter, die auf eine selektive Wahrnehmung hindeuten. Selektive Wahrnehmung bedeutet, dass du nur siehst, was du in diesem Moment sehen willst. Bestimmt hast du schon oft folgende Sätze gehört:

  • Immer muss ich alles alleine machen.
  • Nie hilft mir jemand bei der Arbeit.
  • Nie hörst du mir richtig zu.

Schon alleine die Verwendung der Worte immer und nie sollte dich hier hellhörig machen. Es ist sehr selten, dass die dargestellte Situation in 100% der Fälle genau so eintritt oder eben nicht. Wer sich so artikuliert, ist bereits so emotional involviert in das Problem, dass die Wahrnehmung selektiv geworden ist. Es wird wie ein rotes Tuch nur noch der störende Umstand wahrgenommen, aber nicht, dass das bestimmt nicht immer oder nie der Fall ist. Die Person ist sehr frustriert, deswegen legt sich der innere Filter über ihre Wahrnehmung der Realität. Stell Dir vor, wie schnell es so zu Fehlern in der Kommunikation mit einem geliebten Menschen kommen kann.

Was sind sprachliche Filter?

Die sprachlichen Filter befinden sich auf einer Metaebene der Kommunikation. Im wesentlichen gibt es drei Mechanismen:

  • Tilgung
  • Verzerrung
  • Generalisierung

Die Generalisierung hast du bereits kennen gelernt. Wer generalisiert, der kommuniziert so, als sei eine einzelne Beobachtung allgemein gültig. Die Worte immer und nie sind hier ausschlaggebend. Die Generalisierung kann schnell zu einem toxischen Kommunikationsmuster werden, da sich der Empfänger einer solchen Botschaft zu Recht falsch beschuldigt fühlen kann. Denn nur, weil er einmal deinen Vorwurf erfüllt hat, bedeutet das nicht, dass er das auch jedes weitere künftige Mal so tut oder in der Vergangenheit getan hat. In deiner Wahrnehmung findet die Generalisierung statt, um zu verdeutlichen, wie ernst es dir mit deinem Anliegen ist. Denn wäre dein Kritikpunkt nur ein einziges Mal vorgefallen, wäre es nicht so schlimm für dich gewesen.

Da du aber eine gewisse Regelmäßigkeit erlebst, steigt für dich somit auch die Dringlichkeit deines Anliegens.

Generalisierung ist aber auch nicht nur schlecht. Sie dient auf der positiven Seite der Kategorisierung von Erfahrungen. Auf diese Weise musst du nicht jede ähnliche Situation neu bewerten, sondern kannst sie der bekannten Kategorie zuordnen.

Beispielsweise war deine Mutter früher nicht begeistert davon, wenn du ein Getränk verschüttet hast. Wenn heute dein Partner entsprechend reagiert, dann kannst du nachvollziehen, warum das so ist, da du diese Situation von früher schon kennst und deine Mutter dir damals erklärt hat, warum sie so reagiert. Eine gesunde Generalisierung hilft dir also, auf neue Situationen der gleichen Kategorie schneller zu reagieren.

Die Verzerrung beschreibt den Umstand, dass wir Ereignisse selten so abspeichern, wie sie wirklich objektiv passiert sind.

Es ist das Prinzip der stillen Post. Du flüsterst deinem Nachbarn etwas ins Ohr, aber das, was bei der zehnten Person ankommt, ist nicht mehr das, was du gesagt hast. Verzerrung kann für unsere Kreativität gut sein. Wenn du eine Situation drehst und wendest, dann siehst du Perspektiven und Möglichkeiten. Pass allerdings mit der Verzerrung auch auf. Sie birgt das Risiko des Realitätsverlustes. Versuche, Situationen so objektiv wie möglich abzuspeichern und Verzierungen bewusst als gedankliche Spielerei zu betrachten. Berücksichtige auch, dass die Beschreibungen, die dir mehrere verschiedene Personen über die gleiche Situation sagen, verzerrt abgespeichert sein kann und wahrscheinlich keiner die objektive Wahrheit sagt – und das geschieht keinesfalls aus böser Absicht.

Bei der Tilgung handelt es sich um einen Filter, der irrelevante Bestandteile der Information filtert. Das hat den Vorteil, dass du dich auf die wesentlichen Informationen konzentrieren kannst. Deine Wahrnehmung wird um die Bestandteile bereinigt, die dir nicht weiterhelfen. Somit dient dieser Filter dem Schutz vor Reizüberflutung. Ein Nachteil kann darin bestehen, dass auch Tilgung subjektiv ist. Der Bestandteil, den du aus deiner Erinnerung getilgt hast, könnte für den Sender dieser Botschaft wesentlich gewesen sein.

Welche kulturelle und soziologischen Filter gibt es?

Abschließend gibt es noch die kulturellen und soziologische Filter. Sie sind beispielsweise für Konflikte zwischen Kulturen verantwortlich, die sich nicht verstehen. Was für die eine Kultur vollkommen normal ist, kann für die andere befremdlich oder sogar abstoßend wirken. In Asien beispielsweise herrscht eine vollkommen andere Tischkultur vor als hier. Europäer, die zum ersten Mal in einem asiatischen Land ins Restaurant gehen, sind davon schnell überfordert oder sogar regelrecht angewidert.

Innerhalb der gleichen Kultur oder desgleichen soziologischen Umfeldes kannst du davon ausgehen, dass andere Menschen die gleichen kulturell bedingten Ansichten haben wie du. Spätestens, wenn du mit einem Mitbürger aus einem anderen Land zu tun hast oder dich soziologisch in anderen Kreisen bewegst, können die Wahrnehmungen sich stark voneinander unterscheiden. Dieser Filter kann sehr schnell zu Kommunikationsfehlern führen.

Filter als blinder Fleck der Wahrnehmung

Jeder Mensch hat andere Filter. Das hängt von deinen Erfahrungen, deinem soziologischen und kulturellen Hintergrund und dem ab, was du sehen willst und was nicht. Gedacht sind diese Filter als Schutzmechanismus. Sie sollen dich vor Reizüberflutung durch die irrelevanten Bestandteile der Wahrnehmung schützen. Außerdem sollen sie es dir vereinfachen, bekannte Situationen sofort zu erkennen und nicht lange über sie nachdenken zu müssen.

Filter bergen allerdings auch Risiken. Sie können schnell zum Blinden Fleck deiner Wahrnehmung werden. Hinterfrage deswegen regelmäßig deine eigene Wahrnehmung auf diese Filter.

Kann es sein, dass du wesentliche Bestandteile der Situation nicht siehst, da du sie automatisch ausfilterst?

Wenn dir dein eigener Filter bewusst ist, dann hast du es in der Hand, ihn auch zu verändern. Eine Anpassung deiner Filter kann wiederum dafür sorgen, dass du neue und sehr wichtige Perspektiven der Situation wahrnimmst, die dir vorher verborgen waren. Das verschafft dir ein tieferes Verständnis der Situation und kann deine kommunikativen Fähigkeiten auf eine ganz andere Grundlage stellen.

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