Entfessele Deine Kreativität!

Wieso jeder Mensch kreativ sein kann!

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Kreativität

Ich bin nicht der kreative Typ. Kreative Ideen entwickeln oder Kreativität ansich ist nicht meine Stärke“, oder auch „Ich könnte niemals wie ein Künstler die Idee zu einem Kunstwerk entwickeln und diese so umsetzen, dass es gut aussieht. Da wüsste ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll!“

Kommen dir diese Sätze bekannt vor? Denkst du auch, dass Kreativität nicht zu deinen Stärken gehört? Bewunderst du Grafiker, Designer, Künstler und Bastler dafür, was ihnen einfällt und wie sie ihre Ideen umsetzen? Wie gut das aussieht?

Mit dieser Einstellung bist du nicht alleine. Denn es stimmt, nicht jeder Mensch ist künstlerisch-kreativ veranlagt und das will auch gar nicht jeder. Allerdings ist Kunst nicht die einzige kreative Ausdrucksform, die es gibt. Ganz im Gegenteil. Kreativität ist eine Fähigkeit und innere Ressource, die mit Kunst gar nicht so viel zu tun hat. Sie ist zwar notwendig, damit Kunst entstehen kann. Genauso ist deine Kreativität aber auch gefragt, wenn es gilt, die Lösung eines Problems zu finden. Eine spontane Herausforderung zu lösen. Mitmenschen besser zu verstehen und Konflikte in Teams zu lösen.

Was ist also Kreativität wirklich?

Kreativität ist die Fähigkeit, aus den vorhandenen Ressourcen etwas zu schaffen, was zur Lösung eines Bedarfs oder Problems beiträgt. Und das kann jeder Mensch. Du musst das nicht erst lernen, sondern lediglich herausfinden, was deine Kreativität hervorkitzelt.

Das ist das Besondere an diesem Kapitel. Du erfährst, was Kreativität ist und wie du sie entfachen kannst. Sie ist längst in dir. Anhand vieler praktischer Übungen kannst du Kreativitätstechniken kennen lernen und herausfinden, welche davon am besten zu dir passt. Lege dir daher für dieses Kapitel Stift und Papier, Tablet-PC oder das Schreibwerkzeug deiner Wahl bereit und sorge für eine Umgebung ohne Ablenkung, in der du dich gut konzentrieren kannst. Jetzt werden wir aktiv!

Grundlagen der Kreativität

Kreativität wird im Sprachgebrauch gerne mit künstlerischer Betätigung gleichgesetzt. Das ist zwar nicht verkehrt, aber auch nicht die vollständige Definition einer kreativen Leistung. Dennoch wollen wir uns anhand dieses Beispiels genauer ansehen, was Kreativität ist und wie sie genutzt und bewusst eingesetzt werden kann.

Der Künstler startet mit einer Idee. Diese kann ihm zwar spontan kommen, ohne dass er nach ihr gesucht wird, doch wir wollen davon ausgehen, dass er den Auftrag seines Kunden erhalten hat und nun überlegt, wie er ihn umsetzt. Er muss also erst die Idee finden. Ist sie entstanden, sucht er Mittel und Wege, wie er sie umsetzen kann. Welche Ressourcen, Materialien, Farben und Werkstoffe kann er dafür nutzen?

Im Büro scheint dir dieser Prozess erst einmal wenig zu nützen. Das stimmt auch wieder nur begrenzt. Es gibt eine ganze Menge Kreativitätstechniken, die deine Kreativität freisetzen können und die dir helfen können, auf gute Ideen zu kommen und sie umzusetzen. Sie sind wissenschaftlich fundiert und gehen vom Wissen um die Funktionsweise des menschlichen Gehirns aus. Probiere sie aktiv aus und finde heraus, welche Techniken dir am besten weiterhelfen.

Welche Formen der Kreativität gibt es?

Kreativität erschafft aus den vorhandenen Ressourcen etwas Neues und Originelles. Sie beschreibt die Fähigkeit des Menschen, schöpferisch und gestalterisch tätig zu sein. Das Resultat eines kreativen Prozesses ist etwas, was vorher noch nicht da war und was in dieser Form auch nicht offensichtlich war. Es wäre beispielsweise keine kreative Leistung, eine Spielzeugfigur aus Bausteinen nach Anleitung zusammenzubauen. Kreativ wäre es aber, aus den Bausteinen eine neue Figur zu konstruieren, die so nicht vom Hersteller vorgesehen war.

Der Begriff wird dabei nach „small c“ und „big C“ unterteilt. Unter small c versteht man die alltägliche Kreativität, die jeder von uns jeden Tag anwendet. Wenn du beispielsweise den Bus verpasst und dringend zu einem Termin musst, vollbringst du mit der Suche nach einer Lösung bereits eine kleine kreative Leistung. Diese Art von Kreativität steckt in jedem von uns. Als big C werden kreative Leistungen bezeichnet, die herausragend und besonders sind. In diese Kategorie fällt etwa Kunst. Sie ist komplex, erfordert handwerkliches Können in der Umsetzung und nicht jeder kann auf eine solche Idee kommen, geschweige denn sie umsetzen.

Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen schöpferischer und problemlösender Kreativität.

Letzterer Typ ist die Art, die du wahrscheinlich am ehesten im Alltag brauchst. Du stehst vor einem Problem, musst eine Lösung dafür finden und mit diesem Problem umgehen. Bereits geringe Herausforderungen erfordern problemlösende Kreativität. Fragst du dich beispielsweise, wie du das alles heute schaffen sollst, was auf der To Do-Liste steht? Jetzt beginnt dein kleiner kreativer Denkprozess! Schöpferische Kreativität ist das, was der Künstler anwendet, oder auch der Designer, Mediengestalter, Schriftsteller… hier erschaffst du etwas Neues, wo vorher nichts war. Kein Problem, keine Herausforderung, vielleicht nicht einmal der Bedarf. So gesehen kann auch eine Geschäftsidee schöpferisch kreativ sein.

  • Begabung
  • Wissen und Kompetenzen
  • intrinsischer Motivation
  • Persönlichkeitsmerkmalen
  • Unterstützung aus der Umgebung
Aus dem künstlerischen Bereich kennen wir das Prinzip Begabung.

Wer nicht gut mit Farbe und Pinsel umgehen kann, wenig räumliches Vorstellungsvermögen hat oder das Zusammenspiel von Licht und Schatten nicht verinnerlichen kann (oder will), wird auch kein gutes Bild malen können. Das muss auch nicht jeder können. Wer dafür aber ein gutes Gespür besitzt, wird sich solche Kenntnisse mithilfe von Malkursen oder Videos aneignen und sie stetig verbessern können.

Begabung alleine bringt wenig, wenn daraus nicht fundiertes Wissen und methodische Kompetenz gemacht werden. Auch das bringt die Kreativität voran, denn die beste Idee bringt dir wenig, wenn du nicht weißt, wie du sie umsetzen kannst. Zudem gibt dir Wissen die nötige Sicherheit, in die Umsetzung zu gehen.

Kreativität hängt auch mit der eigenen Persönlichkeit zusammen. Bist du jemand, der gerne Ideen in die Tat umsetzt, oder lieferst du lieber die Idee und überlässt anderen Leuten die Umsetzung? Damit hängt auch eng die Motivation zusammen, die du dir selbst gibt. In Fachkreisen ist das die intrinsische Motivation. Sie kann dir von außen nicht gegeben werden, kein Lob deines Chefs kann dir das geben. Du musst sie in dir finden und sie dir zunutze machen.

Abschließend hilft dir bei der Kreativität auch die Unterstützung aus der Umgebung. Steht dein Chef hinter dir und hält dir den Rücken frei, wenn du kreativ arbeiten musst? Oder erwartet er Resultate und ihm ist es egal, dass du weder Raum noch Zeit hast, an diesen zu arbeiten? Unterstützt deine Familie dich darin, alles unter einen Hut zu bekommen? Oder fordern sie sehr viel Zeit und Energie von dir und du hast kaum Luft zum Atmen?

Ist jeder Mensch kreativ?

Du weißt nun, dass Kreativität nicht auf künstlerische Leistungen beschränkt ist. Das bedeutet, dass jeder Mensch kreativ ist – auf die eine oder andere Weise.

Manche Menschen leben die „big C“-Kreativität und erschaffen Neues, Originelles. Künstler sind nicht die einzige Berufsgruppe, die in diese Kategorie fällt. Ein Garten- und Landschaftsgestalter, der einzigartige Ergebnisse hervorbringt, kann ebenfalls dazugehören. Oder ein Unternehmer, der ein Produkt oder eine Dienstleistung an den Markt bringt, die es vor seiner Gründung noch nicht gegeben hat.

Viel häufiger ist jedoch die „small c“-Art der Kreativität. Diese wendet tatsächlich jeder Mensch im alltäglichen Leben an. Wir erkennen sie aber oft nicht als Kreativität, da sie für uns schon selbstverständlich geworden ist. Andere Begriffe dafür wären Lösungskompetenz, Lebensfähigkeit, „adult skills“. Gemeint sind damit kreative Leistungen, die wir erbringen, da wir vor einem Problem stehen und durch dieses Problem eine Lösung entwickeln müssen. Wäre das Problem nicht, hätten wir nie in diese Richtung denken müssen. Es wäre also keine Kreativität entstanden. Dennoch sind wir dazu in der Lage, wenn wir es müssen.

Wie entstehen kreative Leistungen im Gehirn?

Das Gehirn liefert eine nicht geringe Leistung, wenn es Kreativität erbringen muss. Bestimmt hast du schon einmal davon gehört, dass die eine Hälfte deines Gehirns eher kreativ und die andere eher rational denkt. Das stimmt, bedeutet allerdings nicht, dass du für kreative Leistungen nur eine Hirnhälfte brauchst. Du brauchst tatsächlich beide.

Kreativität beginnt bereits im frühesten Kindesalter. Schon ab diesem frühen Alter kommt das Prinzip der Neuro-Plastizität zum Tragen. Das bedeutet, dass das Gehirn des Menschen lernfähig ist und sich an neue Eindrücke anpassen kann. Bereits ein kleines Kind lernt, was funktioniert und was nicht gut funktioniert, und passt dein Verhalten dahingehend an. Als erwachsener kannst du dir das so vorstellen: du gewinnst Eindrücke in deiner Umwelt, in deiner Umgebung, oder siehst, wie andere Menschen ein Problem lösen oder eine Idee interpretieren. Vielleicht ist es dir in dem Moment, in dem du selbst eine kreative Leistung voll bringst, gar nicht bewusst, aber du beziehst dich in diesem Augenblick auf deine bisherigen Eindrücke und auf alles, was du bisher im Leben gelernt hast.

Stell dir zum Beispiel vor, du versuchst, künstlerisch darzustellen, was das Gefühl von Wut ist. Wie es dir Wut bisher begegnet? Haben Menschen dich dabei angeschrien, haben Sie einen hoch roten Kopf bekommen? Haben Sie vielleicht mit Gegenständen geworfen? Welche Farben verbindest du mit dem Gefühl Wut? Oder weniger künstlerisch gedacht: stell dir eine Situation im Beruf vor, die du selbst zwar zum ersten Mal verantwortest, doch du hast bereits in vorherigen beruflichen Position gesehen, wie frühere Chefs und Führungskräfte damit umgegangen sind. Diese Eindrücke werden nun Aufträgen, wie du selbst mit dem Thema verfährst. Das macht jetzt war nicht besonders kreativ vorkommen, ist aber die Art alltäglicher Kreativität, die jeder Mensch beherrscht.

Zugleich bedeutet das, dass du für eine kreative Leistung keine herausragende Begabung brauchst.

Du musst kein Mathematik-Genie sein, um gut darin zu werden, dein Haushaltsbudget kreativ zu optimieren. Diese Fähigkeit steckt bereits in dir. Kreativität kannst du lernen. Was dein Gehirn heute noch nicht an Kreativität beherrscht, das kannst du ihm beibringen, indem du es mit Grundlagen nährst, die es Dann anwenden kann, wenn Kreativität gefordert ist.

Spannend ist dabei auch die Broaden-and-Build Theorie von Barbara Fredrickson. Diese Theorie geht davon aus, dass Emotionen deine Muster hinsichtlich Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen können. Es geht dabei insbesondere um die positiven Emotionen, weshalb diese Theorie auch zu den Säulen der positiven Psychologie gehört. Die Theorie geht davon aus, dass insbesondere positive Gefühle wie Lust, Zufriedenheit, stolz oder Liebe erweitert auf dein Bewusstsein wirken. Das bedeutet: umgibt dich mit diesen positiven Gefühlen. Anstatt dir einen Stein in den Weg zu legen, den du erst bewältigen musst, werden dir diese positiven Gefühle viel mehr dabei helfen, deine Kreativität zu entfachen und sie weiter zu entwickeln. Das kannst du dir wie eine positive Aufwärtsspirale vorstellen, die sich irgendwann von ganz alleine fortsetzen kann.

Denken und Handeln sind gleichwertige Kreativleistungen!

Sind Denken und Handeln für dich gleichwertige kreative Leistungen? Wahrscheinlich nicht. Sicherlich setzt du eine Handlung gleich mit Aktivität. Es entsteht ein sichtbares Ergebnis. Der Prozess geht voran. Das ist gut. Doch gleichzeitig ist das zu einfach gedacht. Denken hingegen passiert auf einer unsichtbaren Ebene, die für jeden schwer greifbar ist, der diesen Denkprozess selbst nicht ausführt. Manchmal fragst du dich selbst, ob du gerade wirklich arbeitest und nicht nur Zeit vertrödelst, wenn du lange über einen Zusammenhang nachdenken musst. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Denkprozess nicht genauso wichtig ist wie der handelnde Schritt.

Ein Denkprozess ist der Beginn eines jeden kreativen Prozesses.

Denn Kreativität entsteht mit einer Idee. Was würdest du malen wollen, wenn du noch gar keine Vorstellung davon hast, was du mit deinem Werk ausdrücken möchtest? Wie möchtest du ein Problem lösen, wenn du noch keinerlei Vorstellung davon hast, wie eine Lösung aussehen muss? Vielleicht hast du noch nicht einmal eine Vorstellung davon entwickelt, welches Ausmaß das Problem annimmt, was es bedeutet, wer davon betroffen ist. Denke zurück an unseren Design Thinking-Prozess. Ein großer Anteil dieser Methode besteht daraus, das Problem in seiner Gesamtheit überhaupt zu erfassen, mit allen Beteiligten zu sprechen und es aus jeder Perspektive zu beleuchten. Das entspricht einem Denkprozess in der Kreativität – er ist der Anfang, ohne den gar nichts funktioniert.

So mancher Geschäftsführer zieht sich bewusst in sein Büro zurück, nimmt keine Anrufe an und vereinbart in diesem Zeitraum auch keine Termine. Er ist wie vom Erdboden verschluckt. Wenn er wieder auftaucht, hat er die zündende Idee dabei. Was passiert in diesem Raum? Es ist ein Denkprozess, aber ein gesteuerter. Diesen hätte er nicht durchlaufen können, wenn er voll im Tagesgeschäft eingebunden geblieben wäre. Dadurch wären ihm Zeit und Raum für entspanntes Denken genommen worden, denn auch unser leistungsfähiges Gehirn braucht manchmal eine Auszeit, um in Ruhe nachdenken zu können. Sonst widmet es sich anderen Fragen und Themen und Multitasking funktioniert bekanntermaßen nicht.

Ob du nun einen langen Waldspaziergang machst, dich auf der Toilette für 5 Minuten vor deinem Kollegen versteckst, der ständig quatschen muss, eine Stunde lang keine Termine annimmst und versuchst, konzentriert über das Problem nachzudenken: dieser Schritt ist sehr wichtig. Denken und Handeln sind im kreativen Prozess einander gleichzusetzen. Keiner dieser Schritte kann ohne den anderen funktionieren.

Keiner der beiden Schritte ist besser oder schlechter als der andere. Gib beiden Schritten die gleiche Bedeutung und räume Ihnen den gleichen Raum ein. Dann gelingt dir kreative Arbeit.