Die Idee: Praktische Übungen für deine Kreativität!

Lerne den Reichtum deiner Ideen kennen!

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Was ist eigentlich eine Idee?

Die Idee kannst du dir als ersten Schritt in einem kreativen Prozess vorstellen. Sie ist noch keine ausgereifte Lösung, kein fertiges Kunstwerk und nichts, was du einem Stakeholder wirklich präsentieren wollen würdest. Ideen entstehen aus allen persönlichen Ressourcen, die du mitbringst, um Kreativität zu liefern. Das können deine Persönlichkeit sein, aber auch deine berufliche Erfahrung trägt dazu bei. Genauso wichtig ist es, wie viel Unterstützung du aus dem Umfeld erfährst. Ein gutes Gespräch mit einem erfahrenen Kollegen kann dich auf eine zündende Idee bringen, da ihr euch austauscht und beide unterschiedliche Erfahrungen mit in dieses wertvolle Gespräch einfließen lasst.

Nicht umsonst wird ersten Ideen im Design Thinking so viel Bedeutung beigemessen. Es gibt zahllose Methoden, um im Team oder alleine Ideen zu entwickeln. Die meisten dieser Methoden haben eine Gemeinsamkeit: sie erheben gar nicht in Anspruch, bereits jetzt eine fertige Lösung zu präsentieren. Es geht bewusst nicht um einen Wettbewerb untereinander, sondern um Zusammenarbeit. Ziel ist es, jede wertvolle Erfahrung eines jeden Teammitgliedes in die Ideenfindung einfließen zu lassen. Eine Idee ist ein erster Ansatz, wie ein Problem womöglich zu lösen wäre oder wie eine herausragende kreative Leistung aussehen kann. Die Idee ist dazu da, um weiter entwickelt zu werden. Das passiert im weiteren Verlauf des kreativen Prozesses. Später wird dir dafür noch genug Zeit bleiben.

Die Idee als erster kreativer Prozessschritt

Bestimmt hast du schon einmal ein Brainstorming mitgemacht. Dabei hat jeder seine ersten spontanen Ideen in den Raum gerufen und jede Idee wurde aufgeschrieben, ohne sie zu bewerten oder zu hinterfragen. Das Ergebnis war ein Sammelsurium an wirren Ideen und Vorschlägen, bei den meisten hast du bestimmt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Dadurch habt ihr allerdings gemerkt, wie es gerade nicht geht und welche Lösungen für euch nicht in Frage kommen. Zwei, vielleicht drei diese Ideen waren wiederum gar nicht so schlecht, auch wenn sie noch nicht die finale Lösung sein konnten. Allerdings habt ihr aus diesen Ideen das Beste für euer Problem herausgelöst und hab daraus einen Lösungsvorschlag entwickelt, der durchaus gut war.

Gerade deswegen ist eine Idee der erste Schritt hin zur Kreativität.

Die Vorarbeit besteht darin, dass du das Problem intellektuell umreißt oder dir ein Bild davon machst, was du erschaffen möchtest, wenn du schöpferische Kreativität anwendest. Hast du dieses Bewusstsein, durchsucht dein Gehirn eine Art innere Datenbank. Es greift auf Dinge zurück, die du schon gesehen hast, auf bisherige Erfahrungen und natürlich auch auf dein Wissen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du lediglich ein alltägliches Problem lösen oder eine Idee für ein Unternehmen entwickeln möchtest. Selbst, wenn die Idee wirklich neu und innovativ ist, fußt sie auf deinen bisherigen Erfahrungen. Möchtest du beispielsweise Unternehmer werden, dir fehlt allerdings noch der Ansatz, dann würdest du deine eigenen Ideen dahingehend prüfen, ob sie basierend auf deinen Erfahrungen Umsatz bringen können und ob es einen Markt dafür gibt. Ein erfahrener Manager geht dabei natürlich anders mit seiner Idee um als ein junger Student, dessen wissen bisher hauptsächlich aus dem Studium stammt. Dennoch können beide Ideen zunächst gleichwertig gut sein – da die Umsetzung noch fehlt, ist eine Bewertung einer Idee zunächst nicht gewollt.

Praktische Übung: Synonyme finden

Wir kommen nun zu unserer ersten kleinen praktischen Übung. Keine Sorge, sie wird dir bestimmt Spaß machen!

Nimm dir zunächst einen Zettel und Stift, mehr brauchst du für diese Übung nicht. Du bekommst eine Liste von Wörtern vorgegeben und sollst nun für diese Wörter Synonyme finden. Das sind Begriffe, die zwar anders heißen, aber dasselbe ausdrücken. Versuche, diese Übung ohne langes Nachdenken zu absolvieren. Ziel ist es, Begriffe zu finden, keine langen Umschreibungen.

Hier nun die Liste:
  • Nachhaltigkeit
  • glücklich
  • Freundin (im Sinne einer Liebesbeziehung)
  • Angestelltenverhältnis
  • subjektiv
  • Egoismus
  • Spiel
Praktische Übung: Metapher vs. Vergleich

Bei unserer nächsten kleinen praktischen Übung geht es darum, zu den genannten Begriffen sowohl eine Metapher als auch einen Vergleich zu finden. Eine Metapher ist ein Wort, der aus seinem eigentlichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wird, ohne aber direkt zu vergleichen. Sicherlich kennst du den Ausdruck Mimose für eine besonders sensible Person. Dieser Begriff kommt daher, dass Mimosen auf Umwelteinflüsse viel heftiger reagieren als andere Pflanzen. Sie gelten als nicht besonders widerstandsfähig. Deswegen ist klar, worauf angespielt wird, wenn jemand dich als Mimose bezeichnet. Ein Vergleich hingegen wäre: diese Person ist ja so empfindlich wie eine Prinzessin. Das Wort „wie“ ist hier ausschlaggebend.

Bei dieser Übung darfst du ganze Sätze bilden. Wenn also das Wort „Mimose“ lautet, dann kannst du die Metapher ausformulieren und den Vergleich natürlich ebenfalls, wie in unserem obigen Beispiel.

Hier kommen deine Begriffe:

  • Löwe
  • sterben
  • Zahn
  • Abend
Gruppenübung: Sätze vervollständigen

Für diese Übung brauchst du mindestens eine weitere Person, am besten mehrere. Diese Gruppenübung eignet sich sogar als witziges Trinkspiel auf deiner nächsten Party. Es geht darum, die Sätze des anderen zu vervollständigen. Ihr könnt entweder so spielen, dass einer einen Satz beginnt und der andere ihn lediglich beendet. Oder ihr spielt ein wenig ausgedehnter und vervollständigt eure Sätze nicht nur, sondern macht auch danach weiter und spinnt eine ganze Geschichte daraus. Wenn ihr wollt, dürft ihr vorher festlegen, was erlaubt ist und was nicht. Vielleicht möchtet ihr keine Gewalt, Sexualität oder andere schwierige Themen einfließen lassen, wenn ihr diese Übung im Büro macht. Auf einer Party hingegen kann es witzig sein, wenn ihr gerade diese Themen zulasst.

Zur Inspiration könnt ihr mit den folgenden Sätzen das Spiel beginnen und so lange weitermachen, bis ihr keine Lust mehr habt oder die Geschichte zu Ende erzählt ist.

  • Es war Annas erster Arbeitstag, als…
  • Tom musste seinem Chef heute die Quartalszahlen liefern, aber…
  • Gerade wollte sich Lisa auf den Weg ins Büro machen, als…
  • Marin und Susanne hatten sich im Restaurant verabredet, doch…

Wichtig ist, dass der beginnende Satz mit einem Nebensatz beginnt. Wenn ihr weiterspielen wollt, dann ist es wichtig, dass der nächste die Geschichte nicht beendet. Was dann nicht geht, sind finale Sätze wie „… doch dann wurde er/sie krank und blieb daheim.“ Außer natürlich, wenn ihr euch darauf geeinigt habt, dass der Satz dann enden muss und keine Geschichte daraus gesponnen wird.

Praktische Übung: Limericks und Reime schreiben

Für unsere nächste und letzte praktische Übung brauchst du ein wenig dichterisches Geschick. Schreibe zu den folgenden Begriffen einen kurzen Limerick, einen Reim oder ein Gedicht in der Fassung, die dir am liebsten ist und die du kennst. Halte es ganz einfach. Du hast dabei nicht den Anspruch, eine dichterische Meisterleistung zu vollbringen. Es soll sich reimen oder den Anforderungen des lyrischen Formats genügen, das du für dich ausgesucht hast.

Hier kommen die Begriffe, zu denen du kreativ werden darfst:

  • Rosen
  • Sommer
  • Unsicherheit
  • Entscheidungen
  • Wein
Was bringen diese Übungen?

Bestimmt denkst du dir jetzt: das war ja alles ganz lustig. Aber was bringt mir das, um kreativer zu denken und zu arbeiten?

Bei unserer ersten Übung ging es um Synonyme.

Das war zwar nicht schwer, hat dich aber dazu angeregt, in deinem Erfahrungsschatz zu wühlen und gelerntes Wissen anzuwenden. Im Laufe deines Lebens hast du viele Begriffe in deiner Muttersprache dafür kennen gelernt, was hier aufgelistet war. Einiges davon war sicherlich etwas schwierig, weil die Idee an sich schwer zu umreißen war. Für andere Begriffe wiederum hast du sofort eine Entsprechung gefunden. Vielleicht musstest du ein wenig nachdenken, aber dir sind zu jedem Wort Begriffe eingefallen. Hier hast du alltägliche Kreativität angewendet und vielleicht keine Meisterleistung vollbracht, aber mit deinen gelernten Erfahrungen ein Problem gelöst. Das war deine erste kreative Leistung.

In der zweiten Übung wurde es ein wenig komplizierter.

Hier war auch abstraktes Denken gefragt. Ein Vergleich ist noch einfach. Hierbei klärst du für dich ab, was der genannte Begriff für dich bedeutet. Ein Löwe beispielsweise ist ein starkes Tier, stark wie Herkules. Er hat eine schöne, wallende Mähne, die ebenfalls zu Vergleichen anregt. Anhand deines Verständnis des Begriffs hast du ihn weiter gedacht. Auch das hat einiges an Kreativität gefordert. Du konntest sie in dem Moment abrufen, in dem du sie gebraucht hast.

Die dritte Übung in der Gruppe hatte sicherlich den größten Spaßfaktor.

Spaß war deswegen wichtig, weil er eine positive Emotion ist. Vielleicht war es am Anfang ein wenig schwierig, die Sätze zu vervollständigen oder die Geschichte zum Laufen zu bringen. Doch am Ende hattet ihr sicherlich so viel Spaß dabei, dass ihr gar nicht mehr aufhören wolltet. Es ist völlig in Ordnung, wenn ihr als Team hierbei auch etwas albern werdet. Das erhöht den Spaßfaktor und sorgt dafür, dass die positive Stimmung im Raum eure Kreativität ankurbelt. Du kannst das Lerneffekt daraus mitnehmen: in einer positiven, entspannten Atmosphäre kann Kreativität viel eher entstehen, als wenn die Stimmung angespannt und von Druck geprägt ist. Denn so hat es sich ja am Anfang dieser Übung für euch noch angefühlt.

Die letzte Übung ist dir vielleicht schwer gefallen, wenn du nicht gerade Hobbydichter bist.

Du musst deine Reime niemandem vorlesen, aber du hast dir damit selbst bewiesen: du kannst auch eine Leistung erbringen, die dich zunächst eher abschreckt und die du dir nicht zutraust. Wenn du nicht gerade Dauergast auf Poetry Slams bist, dann hast du diese Übung sicherlich ein wenig vor dir hergeschoben. Doch auch, wenn du etwas nicht gerne machst, kannst du eine zufrieden stellende Leistung abliefern. Gefordert waren ausdrücklich einfache Reime, Limericks und Verse, kein poetisches Werk mit dem Anspruch, Goethe und Schiller grün vor Neid werden zu lassen. Das hast du geschafft, auch wenn es nicht gerade zu deinen Stärken gehört und du es nicht am liebsten gleich wiederholen willst.

Was macht eine gute Idee aus?

Was ist überhaupt eine gute Idee? Wir haben nun in unseren praktischen Übungen sehr viele davon gesammelt. Doch was macht sie verwertbar?

Das hängt stark von den Anforderungen des kreativen Prozesses ab. Geht es in diesem Schritt schon um Ideen, die vorzeigbar sein sollen? Oder handelt es sich um eine erste Sammlung von Ideen, die dann noch im Team weiter entwickelt werden?

Zunächst ist keine Idee besser oder schlechter als die andere. Deswegen solltest du auch niemals Angst haben, eine Idee zu äußern – egal, welche kreative Technik ihr gerade anwendet.

Nun möchtest du aber natürlich dennoch beurteilen, ob deine Idee bereits in die richtige Richtung geht oder noch überarbeitet werden muss.

Eine taugliche Idee ist einfach zu kommunizieren.

Es sind keine komplexen Diagramme oder Ausruf an der Erklärung notwendig, damit ein anderer sie verstehen kann. Natürlich innerhalb der Einschränkungen des Bereichs, auf den sich die Idee bezieht. Diskutiert ihr in einer Runde von Mathematikern über ein Problem, dann wird natürlich keiner euch verstehen, der nicht ebenfalls Mathematik studiert hat und die Ausgangslage kennt. Passe die Verständlichkeit deiner Idee daher unbedingt an die Zielgruppe an.

Seid ihr hingegen schon weiter und es geht beispielsweise um die Idee für eine Kommunikation, dann muss diese Idee darauf passen. Kommunikation bedeutet beispielsweise, dass ihr diese in eine Kampagne umsetzen wollt. Die Idee muss daher kampagnenfähig sein. Was bedeutet das? Die Idee lässt sich auf allen Werbemitteln stimmig verwenden, die ihr im Rahmen dieser Kampagne einsetzen wollt. Sie ist verständlich, aber auch umsetzbar. Sie kommt bei eurer Zielgruppe an und diese fühlt sich davon auch angesprochen.

Du siehst: die Qualität einer Idee hängt davon ab, in welchem Kontext sie entstanden ist. Es gibt zunächst keine guten und keine schlechten Ideen. Sie müssen vor allem dazu geeignet sein, weiter entwickelt zu werden. An diesem Maßstab kannst du dich orientieren. Ist deine Idee so starr, das ihr nichts mehr hinzugefügt und nichts mehr genommen werden kann? Dann wird sie sich wahrscheinlich in der Realität nicht durchsetzen, da Ideen zur Weiterentwicklung gedacht sind. Ist sie flexibel, kann sie erweitert oder reduziert werden? Dann geht sie unabhängig davon, wie ausgereift Sie bereit sein muss, bereits in die richtige Richtung.

die Idee