Empathie ist deine ultimative Gabe!

Was ist Empathie und warum ist sie so wertvoll?

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Empathie

Die Delphi-Studie geht davon aus, dass Menschen künftig dort Arbeit finden werden, wo urmenschliche Stärken und Kompetenzen gefragt sind. Kenntnisse, die eine Maschine nicht entwickeln kann und wird. Dazu gehört unter anderem Empathie, diese wird sogar konkret von den Machern der Studie als ureigener menschlicher und damit unersetzlicher Skill genannt.

Doch warum braucht Technologie auch Menschlichkeit? Sind Berechnungen und datenbasierte Entscheidungen nicht immer besser? Nein, denn diese wirken sich auf das menschliche Zusammenleben aus und der Mensch ist ein fühlendes Lebewesen. Erst seine Gefühle treiben ihn überhaupt dazu an, etwas zu tun oder nicht zu tun. Damit müssen solche Entscheidungen die Gefühlswelt des Menschen berücksichtigen, den sie betreffen – und ob das zutrifft, kann nur ein menschliches Wesen beurteilen.

Empathie als Skill wird dir nicht nur in der fernen Zukunft helfen, deine Arbeitswelt besser zu gestalten. Schon heute eröffnet sie dir einen neuen und hilfreichen Blickwinkel auf die Zusammenarbeit mit Kollegen, Vorgesetzten und deinen eigenen Mitarbeitern.

Was ist Empathie?

Empathie ist die menschliche Eigenschaft, die uns – hart formuliert – davon abhält, einander gegenseitig aus dem Weg zu schaffen.

Sie erlaubt uns, die emotionale Sphäre eines anderen Menschen zu verstehen. Was hat ihn wohl dazu angetrieben, so zu denken und zu handeln, wie er es getan hat? Empathie erklärt dir, welche Gefühle sein Antrieb waren, und das wiederum erlaubt dir, das zu akzeptieren und damit zu arbeiten.

Das Gegenteil einer empathischen Gesellschaft wäre, dass wir einander gegenseitig nicht verstehen und es uns auch gleichgültig ist. Solche Individuen gibt es; wir nennen sie Narzissten, Soziopathen und Psychopathen. Sie sind aufgrund von genetischen Defekten tatsächlich nicht zu Empathie in der Lage.

Damit befinden sie sich auf dem Level eines Kleinkindes in der geistigen Entwicklung.

Alles kreist um sie und sie begreifen nicht, dass ihre Handlungen und Worte in Mitmenschen Gefühle auslösen können, die sie nicht auslösen möchten und die ihnen auch gar keinen Vorteil bringen. Sie handeln so, dass es für sie gut ist – ohne Rücksicht auf andere. Ein Kleinkind muss jedoch so denken, denn das gehört zu seiner Entwicklung und sichert in diesem Fall auch das Überleben. Einem Baby beispielsweise muss es egal sein, ob die Mutter müde ist oder keine Lust hat, wenn es nachts schreit und Muttermilch braucht. Empathie kann sich erst entwickeln, wenn der Mensch dazu in der Lage ist, selbst für seine Bedürfnisse zu sorgen.

Obwohl es erwachsene Individuen gibt, die nicht zu Empathie in der Lage sind, bringt es der Gesellschaft mehr, wenn die meisten Menschen in ihr sie beherrschen. Empathie ermöglicht ein harmonisches Miteinander. Sie erlaubt dir, deine Mitmenschen zu verstehen und dann auf eine Art und Weise zu ihnen zu kommunizieren, die dir zum Vorteil gereicht. Denn wer sich verstanden fühlt, ist auch viel eher dazu bereit, auf dich einzugehen und mit dir zu kooperieren.

Beispiel:

Susanne wünscht sich eine Gehaltserhöhung. Sie arbeitet seit fünf Jahren in der Abteilung und ist in alle Prozesse integriert. Die neuen Kollegen wenden sich alle an sie, da sie diese am besten einarbeiten kann. Auch ihr Vorgesetzter wäre ohne sie aufgeschmissen. Sie ist sich ihres Wertes im Unternehmen bewusst, hat aber in der gesamten Zeit dort nie mehr verlangt und auch nie mehr angeboten bekommen.

Jetzt aber wurde sie von einem Headhunter angeschrieben. Sie führt Gespräche mit dem neuen Unternehmen und erfährt dort, was ihr inzwischen gezahlt werden könnte. Da sie aber schon so lang bei ihrem aktuellen Arbeitgeber ist und diesen auch nicht ohne Gespräche verlassen will, bittet sie ihren Vorgesetzten um einen Termin.

Nachdem dieser erfahren hat, dass Susanne ein Jobangebot mit mehr Gehalt bekommen hat, reagiert er zunächst nicht positiv. Er erklärt die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und darauf, dass die Kollegen in der Abteilung ebenfalls nicht mehr verdienen.

Susanne ist danach enttäuscht und fühlt sich unverstanden. Sie hat nach diesem Gespräch nicht den Eindruck, dass sich ihr Chef in ihre Situation hinein versetzt hat oder dass er überhaupt ein Interesse daran hat, sie zu halten. Für sie hat es natürlich Überwindung gekostet, überhaupt zu sagen, dass sie sich ein anderes Angebot angehört hat. Er scheint aber nicht verstanden zu haben, dass sie jetzt eine Entscheidung treffen muss und ihm mit diesem Gespräch gern eine Chance gegeben hätte. Hätte er empathischer reagiert und sie vielleicht gefragt, was sie an dem Angebot so attraktiv fand, hätte sie sich halten lassen. So aber trifft sie natürlich die Entscheidung für den neuen Job mit mehr Gehalt.

Kann Empathie erlernt werden?

Manche psychischen Krankheitsbilder wie der Narzisst oder Soziopath leiden an mangelnder empathiefähigkeit. Sie können sich nicht in andere hinein versetzen und wissen deswegen nicht, was an ihrem Verhalten falsch sein soll. Eine Therapiemöglichkeit besteht darin, den Betroffenen beizubringen, was Empathie ist und wie sie sie anwenden. Daher ist es absolut möglich, Empathie zu erlernen und deine vorhandene Empathie auszubauen.

Empathie als Skill ist nichts, was du entweder hast oder nicht hast. Jeder psychisch gesunde Mensch hat Empathie – wie sehr er sich ihrer bedienen kann, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn du nicht zu denen gehörst, die hochempathisch auf die Welt gekommen sind und wissen, was andere fühlen, bevor sie es selbst wissen, kannst du durch Erfahrung und aktives, bewusstes Empathie-Denken deine Fähigkeiten schulen und ausbauen.

So schulst du deine Empathiefähigkeit

Wusstest du, wieso die Emotionen der Figuren in Kindersendungen so deutlich dargestellt werden? Weil Kinder auf diese Weise lernen, Gefühle einzuordnen und sie mit bestimmten Worten, Mimiken und Gestiken zu verbinden. Bestimmt ist dir selbst schon aufgefallen, dass Eltern vor allem mit Babys und Kleinkindern ganz ähnlich sprechen. Freude, Trauer, Überraschung und andere Grund-Gefühle werden einem Baby gegenüber übertrieben spielerisch gezeigt. Das ist instinktiv genau richtig, auch wenn es auf jeden anderen affig wirken kann. Später sind wir dann dazu in der Lage, unsere Gefühle erwachsener zu kommunizieren und auch die Signale unserer Mitmenschen aufzufassen, wenn sie nur subtil und unbewusst ausgedrückt werden.

Empathie lernst du also durch Anwendung und Erfahrung.

Als Kind hast du bereits erfahren, was Gefühle wie Trauer oder Freude sind. Diese Basics brauchst du nicht mehr. Als Erwachsener fokussierst du dich darauf, was Menschen wirklich meinen, wenn sie bestimmte Dinge sagen, was sehr unterschwellige Signale der Körpersprache bedeuten und dass es neben deiner Wahrnehmung auch viele andere Arten gibt, eine Situation zu betrachten.

Fange an, zwischenmenschliche Situationen zu hinterfragen und sie bewusst aus einer neuen Perspektive zu sehen. Sammle Wissen über die beteiligten Personen und ihren Hintergrund. Versuche, dich in sie hinein zu versetzen und nachzuempfinden, was sie fühlen und was sie angetrieben hat. So lernst du, neue Blickwinkel anzunehmen und sie auf Situationen anzuwenden. Am wichtigsten ist aber, dass du deine Thesen bestätigst. Frage, was deine Mitmenschen gefühlt und gedacht haben, was sie zu bestimmten Entscheidungen wirklich bewogen hat. Das verifiziert deine Thesen entweder oder erklärt dir die Situation.

Beispiel:

Andreas kann seinen Kollegen Manuel nicht ausstehen. Beide arbeiten am gleichen Projekt und es scheint von Anfang an zwischenmenschlich nicht gepasst zu haben. Es vergeht kein Meeting, in dem beide nicht unterschwellig versuchen, sich selbst besser als den anderen hinzustellen. Die Zusammenarbeit ist aufgrund dieses unterschwelligen Konkurrenzkampfes ineffizient und das Projekt läuft schlecht.

Ihre Vorgesetzte Amelie spürt das und sucht zu beiden das Gespräch.

Von Andreas erfährt Amelie, dass er das Gefühl bekommt, Manuel traut ihm nichts zu. In der Art, wie die beiden miteinander kommunizieren, fühlt er sich oft als inkompetent hingestellt. Es sind unterschwellige Botschaften, etwa dass Manuel oft doppelt nachfragt, ob Andreas seine Deadlines wirklich einhalten kann – dabei ist er nicht für deren Einhaltung zuständig. Andreas fühlt sich kontrolliert und hat den Eindruck, sein Kollege wolle sich schleichend über ihn stellen.

Manuel wiederum hat anfangs beobachtet, dass Andreas scheinbar mit dem Stress nicht gut zurecht kam. Er dachte, der Kollege brauche vielleicht Hilfe. Angeboten hat er das durch die Frage: „Schaffst du deine Deadline?“ Damit stieß er nicht auf Gegenliebe. Er bekam dadurch den Eindruck, seine Hilfe sei nicht gewollt. Allerdings hat er auch gesehen, dass das Projekt darunter leidet, was er nicht wollte. Das kann schließlich auf ihn zurück fallen.

Nachdem Amelie mit beiden gesprochen hat, versteht sie auch die beiden Standpunkte und kann zwischen ihnen vermitteln. Keiner ist richtig oder falsch, beide sind nachvollziehbar. Sie ging anfangs davon aus, die Diskussion zwischen den beiden Männern sei vielleicht dadurch entstanden, dass es ein persönliches Problem gab. Sie zieht für sich die Erkenntnis daraus, dass sie nun früher daran denken muss, dass sich Kollegen untereinander falsch verstehen.