Die Kündigung ist noch frisch, trotzdem willst du dich schnellstmöglich auf die Suche nach etwas Neuem machen? Absolut verständlich. Bevor du dich aber Hals über Kopf in den Bewerbungswahnsinn stürzt, lohnt es sich, einen Blick auf den Arbeitsmarkt und seine Zyklen zu werfen. Dieser Artikel hilft dir dabei, den Arbeitsmarkt zu verstehen und dich entsprechend daran anzupassen.

Wie lange ist man heute im Beruf?

Je länger du für einen Arbeitgeber gearbeitet hast, desto schwer kann sich die Trennung anfühlen. Es kann sich seltsam anfühlen, überhaupt nur über die eigenen Chancen bei einem neuen Arbeitgeber nachzudenken geschweige denn einen Karrierewechsel zu wagen. Dabei ist dir der Gedanke bloß aus Gewohnheit unangenehm. Heutzutage ist es normal, häufiger den Job und sogar die Profession zu wechseln. 

Der Arbeitsmarkt – eine Generationenfrage

Unser Verhältnis zum Arbeitsmarkt ist eine Generationenfrage: Für die Generation unserer Großeltern zum Beispiel war noch klar, dass du einen Job lernst und dann meistens für den Rest deines Berufslebens in dieser Firma weiterarbeitest. Nach fast 50 Jahren in einem Betrieb stand dan die wohlverdiente Rente an. Kündigungen waren seltener und wurden als große Einschnitte im eigenen Leben betrachtet. Vor allem innerhalb kleiner Orte war die Anzahl der zur Verfügung stehenden Jobs und potentieller Arbeitgeber begrenzt. Eine Kündigung folgte deshalb nur auf grobe Fehler oder einschneidende wirtschaftliche Veränderungen für das Unternehmen. 

Die Generation unserer Eltern

Bei unseren Eltern sieht das schon anders aus. Der erste Arbeitgeber nach Studium oder Ausbildung war selten auch der letzte. Während des Zyklus ihrer beruflichen Karriere haben unsere Eltern mehrfach den Arbeitgeber gewechselt, entweder um nach neuen beruflichen Herausforderungen zu suchen oder um in neue Gehaltsklassen einzusteigen. Es ist nicht ungewöhnlich, für einen Job in eine andere Stadt zu ziehen. Die persönliche Verbindung zum Arbeitgeber war viel weniger präsent. 

Der moderne Arbeitsmarkt

Eine Generation später hat sich der Arbeitsmarkt bereits erneut verändert. Die Welt hat sich vernetzt und die heutige Arbeitergeneration fühlt sich weniger in ihrer Heimat verwurzelt. Berufschancen werden global betrachtet. Bereits bei der Berufsberatung wird einem geraten, nicht zu lange in einer Position zu bleiben und es sich nicht zu gemütlich zu machen. Die ersten zwei Jahre werden als Lernphase im Job gesehen. Wer sich eingelebt hat, verzeichnet erst einmal positive Ergebnisse: Die Motivation im Job wird durch die stetige Lernkurve angetrieben. Bereits nach 3 Jahren ist das Lernpotential aber in vielen Berufen ausgeschöpft. Es spricht nichts gegen ein oder zwei weitere komfortable Jahre im Job, danach steht die Empfehlung, sich nach etwas Neuem umzuschauen. Es ist nicht unüblich, ein, zwei oder sogar dreimal die komplette Richtung der eigenen Karriere über den Haufen zu werden. 

Was ich dir hiermit zeigen wollte: Es ist heutzutage ganz normal, sich in verschiedenen Phasen der eigenen Karriere neu orientieren. Du musst dir keine Sorgen machen, dass sich ein Jobwechsel automatisch negativ auf deine beruflichen Chancen auswirken muss. 

Den Arbeitsmarkt verstehen 

Machen wir uns nichts vor. Einen passenden Job zu finden kann dauern. Vor allem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte brauchen häufig mehr als nur ein paar Wochen, um einen Job zu finden, der ihren Qualifizierungen und Ansprüchen entspricht. Mach dir realistische Vorstellungen davon, wie lange der Bewerbungsprozess dauern wird, bevor du überhaupt damit anfängst. Die Arbeitssuche kann im Normalfall zwischen 3 und 9 Monaten dauern. Das klingt lang. Du wirst aber bald feststellen, dass dein Netzwerk nicht belastbar ist. In den wenigsten Branchen findest du schnell und easy einen neuen Job, in dem du ein paar Anrufe tätigst oder Mails rausschickst. Warum? Es ist wichtig, dass du den Arbeitsmarkt verstehst. 

Der aktuelle Arbeitsmarkt verläuft zyklisch. Das finanzielle Jahr ist in 4 Quartale unterteilt. Das 4. Quartal ist der Zeitpunkt, zu dem die häufigsten Kündigungen raus gehen. Gegen Ende des finanziellen Jahrs wieder innerhalb der Betriebe evaluiert, wo Kosten gespart werden können, die Performance unterschiedlicher Abteilungen miteinander verglichen und Unternehmen trennen sich von Mitarbeitern, die nicht zum Firmen-Ethos passen. Gleichzeitig machen sich Arbeitnehmer gegen Jahresende ebenfalls Gedanken darüber, wie wohl sie sich im Job fühlen. Nach den Feiertagen und der Zeit zur Reflexion sind selbstständige Kündigungen im 1. Quartal des neuen Jahres umso häufiger. 

Was bedeutet das für dich? Die besten Chancen hast du mit deiner Bewerbung gegen Ende ds 4. Quartals. Die meisten Firmen sind in dieser Zeit aktiv im Recruitingprozess und eine Initiativbewerbung deinerseits trifft vielleicht direkt ins Schwarze. Stellen müssen neu besetzt werden und der Bewerbungsprozess wird sich deshalb ggf. auch weniger in die Länge ziehen. 

Arbeitsmarkt Ü50 

Wenn du bereits über 50 bist, muss das deshalb keinesfalls heißen, dass du beruflich bereits auf dem Abstellgleis bist. Mit über 8 Millionen Arbeitnehmern zwischen 50 und 65 macht diese Gruppe einen entscheidenden Teil der Workforce in Deutschland aus. Viele Firmen brauchen gerade erfahrene Arbeitskräfte, um ihr Team aus- und aufzubauen. 

  • Alter im Bewerbungsprozess gar nicht erst erwähnen, Diskriminierung ween des Alters ist illegal
  • Setz dich mit den typischen Argumenten gegen ältere Fachkräfte auseinander
  • Du bringst die nötige Berufserfahrung mit und bist damit ein starker Kandidat
  • Ein Vorteil: Du bist kompetent und hast Erfahrung in deinem Gebiet, Selbstüberschätzung und Anfängerfehler müssen nicht befürchtet werden 
  • Du wirst nicht durch Elternzeit oder Familienplanung ausfallen
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