Vor kurzem war ich Teilnehmerin einer Schulung, welche einen Altersdurchschnitt von 50+ aufwies. Mit meinen Mitte 20 stach ich also definitiv heraus. Erstmal gar kein Problem, habe ich mir gedacht! Die Schulung lief weiter, jeder hat sich eingebracht, von seinem beruflichen Alltag und auch von den Problemen darin berichtet. Schnell sind wir dabei in Richtung Grundsatzdiskussion gesteuert als es um das Thema Generationenkonflikt ging: „Die jungen Mitarbeiter wollen doch heutzutage gar nicht mehr arbeiten“, „alles ist irgendwie langweilig und doof“, „Überstunden machen? Das geht gar nicht!“ sind nur wenige Rückmeldungen, die dabei in den Fokus gerückt sind. 

Wie schafft man es also, dass alle Generationen gut miteinander auskommen und Rücksicht aufeinander nehmen? Das beide Seiten aufeinander zugehen und Synergieeffekte nutzen können? Diesen und weiteren Fragen, geht dieser Artikel im weiteren Verlauf auf den Grund.

Generationen und ihre Kennzeichen

Im Arbeitsleben ist es völlig natürlich, dass mehrere Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinanderprallen. Doch die Unterschiede waren wohl noch nie so extrem, wie heutzutage. Generationen, die gelernt haben in der Arbeit alles zu geben, viel zu arbeiten und zu tun was man ihnen sagt, treffen auf Generationen, die nach dem höheren Sinn streben, alles hinterfragen und lieber ihre Freizeit genießen. Um herauszufinden, wie sich die Generationen ergänzen können, ist erst ein wenig Basiswissen nötig:

Die Generation „Babyboomer“: ca. 1946-1964

  • Erste Nachkriegsgeneration
  • Traditionelle Erziehung mit Fokus auf klarer Rollenverteilung, Respekt vor Autorität, Konformität, Fleiß, Disziplin, Strenge und Gehorsam
  • Erlebten das wirtschaftliche Wachstum inkl. steigendem Wohlstand
  • Geburtenreichstes Zeitfenster und daher Fokus auf „sich durchsetzen, behaupten“

Die Generation „X“ bzw. „Golf“: ca. 1965-1979

  • Änderung des klassischen Familienbildes
  • Frauen gehen arbeiten, Kinder (sog. Schlüsselkinder) sind häufiger allein
  • Scheidungsrate rapide angestiegen 
  • Technologie hält Einzug
  • Stark geprägt durch Wirtschaftskrise, eigener Wohlstand kaum mehr erreichbar
  • Fehlende Rollenvorbilder, Orientierungslosigkeit, Resignation, Individualität finden
  • Skepsis gegenüber Autoritäten, offener Protest, Arbeit als Mittel zum Zweck

Die Generation „Y“ bzw. „Millennials“: ca. 1980-1993

  • Internetboom, Globalisierung, Umweltverschmutzung etc.
  • Wohlstands-Traum nicht mehr existent
  • Leben im Moment, nicht an die Zukunft denken, sofortige Bedürfnisbefriedigung
  • Hohes Bildungsniveau, Selbstverwirklichung im Beruf
  • Helikopter-Eltern: Starker Fokus auf Familie, Aufmerksamkeit, gemeinsame Zeit
  • Auf der Suche nach Erfüllung, dem Sinn, Unterstützung anderer

Die Generation „Z“ bzw. „YouTube“: ca. ab 1993

  • Digitalisierung, technische Vernetzung und andere Wege der Kontaktaufnahme
  • Arbeit, die Sinn macht/in der man sich entfalten kann
  • Selbstverwirklichung im Beruf und im Privaten
  • Trennung von Arbeits- und Berufsleben
  • Höherer Wert hinsichtlich Freizeit, Gesundheit, Familie und sinnstiftendem Beruf
  • Gleichstellung der Geschlechter, Diversität

Generationenkonflikte im Beruf lösen

Die verschiedenen Besonderheiten der Generationen machen ersichtlich, wie herausfordernd eine Migration der Ansichten sein kann. Wie also die Parteien zusammenführen? Wie so oft im Berufsleben, ist auch bei der Lösung von Generationenkonflikten, die Kommunikation das Stichwort. Ein gegenseitiges Bewusstsein schaffen über die Bedürfnisse, Wünsche und Gepflogenheiten der jeweiligen Generationen, steht im Fokus. 

1. Schritt: Die Führungsebene

In den heutigen Zeiten sind besonders die Führungskräfte eines Unternehmens gefordert. Führung ist ein Balance-Akt. Sie muss heutzutage verschiedene Einflüssen kombinieren und Freiräume für neues schaffen – ohne dabei altes zu zerstören. 

  • Die Führungskraft agiert somit als Change-Experte
  • Auf der einen Seite werden Strukturen stark technologisiert, auf der anderen Seite soll der Mensch mit diesen arbeiten – Führung ist daher deutlich mitarbeiterorientierter als früher
  • Flachere Hierarchien lassen alle Personengruppen näher zusammenrücken und fördern die Empathie, den Ideenaustausch und das Vertrauen untereinander
  • Führungskräfte agieren als Vorbild, welche eine Feedback- und Fehlerkultur etablieren und auch aktiv leben
  • Führung setzt konkrete Ziele und zeigt einen Rahmen auf, denn am Ende des Tages arbeiten Mitarbeiter verschiedener Generationen alle auf dasselbe Ziel hin 
  • Ziele, Strategie und Vision des Unternehmens werden von der Führungskraft offen kommuniziert und die Mitarbeiter dürfen sich einbringen, um die intrinsische Motivation und Energie zu wecken
  • Führungskräfte sind dafür verantwortlich Kompetenzen, wie z.B. die interkulturelle Kompetenz, Flexibilität, Vernetzung, Kreativität und Kommunikation bei den eigenen Mitarbeitern zu fördern
  • Auch Führungskräfte dürfen Schwäche zeigen, Ängste äußern, Fehler zugeben und offen mit ihrem Team kommunizieren – Zeigt die Führungskraft Transparenz, werden es auch ihre Mitarbeiter tun

2. Schritt: Erwartungen und Vorurteile aufdecken

Führungskräfte, Manager, und das Team selbst, können diverse Maßnahmen ergreifen, um einen Startschuss zu setzen. Mittels Workshops, Austausch-Runden oder Netzwerk-Treffen, kann eine offene Gesprächsatmosphäre aufgebaut werden, in der die Generationen wertfrei miteinander diskutieren können. Die Interaktion ist dabei durch folgende Punkte gekennzeichnet:

  • Zeigen von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen 
  • Verständigen auf eine gemeinsame Richtung (Ziel)
  • Festlegen von Alltagsregeln und Grenzen für die Zusammenarbeit 
  • Vereinbaren regelmäßiger Gesprächstermine und Feedbackrunden
  • Stärken des Respekts für das Gegenüber
  • Anerkennung zeigen und Lob geben
  • Offenes kommunizieren von Erwartungen und Wünschen
  • Zeitnahes Feedback, um für eine offene Kultur zu sorgen
  • Aufzeigen von Entwicklungsfeldern, um sich weiterzuentwickeln 

3. Schritt: Arbeitsabläufe neugestalten

Treffen viele Generationen aufeinander – treffen auch viele Arbeitsstile und Arbeitsabläufe aufeinander. So ist der nächste Schritt, die Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass möglichst alle Generationen berücksichtigt werden und sich in ihnen wiederfinden. Ist eine Neugestaltung nicht oder nur bedingt möglich, sollte dies frühzeitig kommuniziert werden, um keine neuen Grenzen zu erschaffen.  

  • Erläutern lassen, warum nach einem bestimmten Stil oder Ablauf agiert wird (Sinn)
  • Vor- und Nachteile der verschiedenen Abläufe aufzeigen und aktiv hinterfragen
  • Einführen einer Fehler-Lern-Kultur (Keine Angst vor Fehlern)
  • Einrichten eines Ideenboards, auf welchem sich Mitarbeiter bei der Unternehmens-Ausrichtung einbringen können
  • Zeit nehmen, um die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter anzuhören und gemeinsam Maßnahmen inkl. Umsetzungsplan ableiten

4. Schritt: Feste Zusammenarbeit verankern

Wenn die Basis, also das gegenseitige Verständnis und das anfängliche Vertrauen, geschaffen worden ist, geht es vor allem um die Nachhaltigkeit. Dabei gilt es besprochenes regelmäßig zu reflektieren und neue Maßnahmen, Prozesse und Richtlinien zu überprüfen. Regelmäßige Zusammenkünfte dienen als Werkzeug dafür: 

  • Generationen-Workshops: Regelmäßiges Bewusstsein für die Besonderheiten der Generationen im Unternehmen schaffen und aufzeigen, was die Generationen voneinander lernen können (Teil des Onboardings)
  • Generationen-Tandem: Arbeitnehmer unterschiedlicher Generationen und Altersgruppen zusammenbringen und in festen Terminen die Zusammenarbeit, den Wissensaustausch, das Teilen von Erfahrungen und somit die Annäherung fördern 
  • Regelmäßige Team-Meetings: Kommunikation fördern, Ansichten anhören, Akzeptanz füreinander herstellen, bewusst aufeinander zugehen und voneinander lernen
  • Mehrgenerationen-Büros: Austausch und Kommunikation fördern
  • HR-Maßnahmen: personalpolitische Maßnahmen an die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeiter und unterschiedlichen Generationen anpassen, bewusste Marketing-Kampagnen mit dem Thema „Zusammenarbeit Generationen“ durchführen, um eine Kultur des Vertrauens und der Offenheit zu erzeugen

Im Grunde geht es darum, den Menschen mit allen dazugehörigen Facetten „zu sehen“. Dafür ist es notwendig, dass alle Parteien aufeinander zugehen und sich aktiv miteinander befassen. Denn egal, ob Generation Babyboomer oder Z – jeder will mit seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen wahrgenommen werden.

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