Liebe geht durch den Magen, heißt es so schön. Und „höre auf dein Bauchgefühl“! Wieso eigentlich bringt man den Bauch seit Urzeiten mit den Emotionen und den Empfindungen zusammen? Gibt es naturwissenschaftliche Hintergründe für diese Assoziation?

Das Darm-Nervensystem – ein Sensibelchen

Tatsächlich, die gibt es! Unsere Verdauungsorgane besitzen ein eigenes Nervensystem, was völlig unabhängig von unserer Hauptschaltzentrale – dem Gehirn – arbeiten kann. Damit alleine nimmt es schon eine Sonderrolle ein, denn kein anderes Organ kann unabhängig vom zentralen Nervensystem so vielfältige Vorgänge steuern. Unser Darmnervensystem wird auch enterisches Nervensystem genannt. Es ist eines der größten Nervensysteme im Menschen – wie auch der Darm nach der Haut das zweitgrößte Organ im Menschen ist. 

Die Anzahl der Nervenzellen ist ungefähr vergleichbar mit denen im Rückenmark. Die Botenstoffe (Neurotransmitter) des zentralen Nervensystems finden wir auch im Darm. Und so kann der Darm über Sinneszellen riechen und den Darminhalt schmecken, z.B. den Zuckergehalt. Die Darmnervenzellen sind dabei sehr sensibel: Druck, Verschiebungen und Zug, beispielsweise durch Nahrungsbrei, stressen die Darmzellen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Stress im Beruf und Privatleben auf die Verdauung auswirken können – dies merken wir dann beispielsweise mit Bauchschmerzen, Unverträglichkeiten oder einem Reizdarm. Der Bauch gibt uns ein Zeichen und schlägt Alarm: Es ist gerade zu viel, um das alles zu verdauen – und hier ist nicht (nur) das Essen gemeint! Der gesamte Darm ist von Nervenzellen durchzogen. Sie steuern nicht nur die Bewegung im Darm und somit z.B. das die Vorwärtsbewegung des Speisebreis, sie sorgen auch für eine ausgeglichene Ausschüttung von Hormonen und Verdauungssekreten, durchbluten den Darm und kontrollieren Immun- und Entzündungsvorgänge. Dass sich Anspannung und auch freudige Emotionen im Bauchgefühl widerspiegeln, ist daher keine Überraschung!

Wir sind nicht alleine – unsere Darmbakterien

Zudem haben wir im Darm ganz viele Mitbewohner – unsere Darmbakterien. Genauer gesagt, ist die Frage, wer eigentlich der Herr im Hause ist. Es gibt ungefähr genauso viele menschliche Zellen wie Darmbakterien. Und nehmen wir die reine Erbmasse, ist der Genpool der Darmbakterien um 10 bis 100 mal größer als die menschlichen Gene. Einige Darmbakterien z.B. Laktobazillus und Bifidobakterien produzieren auch Botenstoffe des Nervensystems z.B. die Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA. Dieser Botenstoff sorgt für Entspannung und Beruhigung. Ist das die Erklärung für die Wirkung vom Einschlaftrunk „Milch mit Honig“? Fördert die ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten nicht nur die schlanke Linie und gute Verdauung, sondern unterstützt als Futter für die „richtigen“ Bakterien diese im Wachstum und sorgt damit für eine ausgeglichene Stimmung? 

Ganz so einfach ist es leider nach aktuellen Forschungsstand noch nicht, die Hinweise sind aber vielversprechend. Der Vagusnerv ist die Reizweiterleitung zwischen Darm und Gehirn. Da der Darm fast autark ist, gehen die überwiegenden Signale vom Darm zum Gehirn. Nicht umgekehrt. Inwieweit hier von den Darmbakterien produzierte Botenstoffe z.B. den Entspannungsstoff GABA vom Darm auch auf das Hirn und damit direkt unser Empfinden einwirken kann, bleibt jedoch noch ein spannendes Forschungsthema der Zukunft

Tief einatmen für ein gutes Bauchgefühl

Kann der Joghurt als Nachmittagssnack für die Laktobazillen im Darm uns entspannt und beruhigt durch die dunkle Jahreszeit bringen? Joghurt und eine ballaststoffreiche Ernährung sind auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht gut für die Gesundheit – und wenn sie uns vielleicht ein ganz klein weniger entspannter und gelassener durch den tristen November Corona-Lockdown bringen, ist das umso besser. Und wenn nicht? Einfach gelassen tief ein und ausatmen. Denn eine tiefe Bauchatmung ist eine hervorragende Massage für die Verdauungsorgane und sorgt so mit Leichtigkeit für ein rundum gutes Bauchgefühl.

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