Du bist oft müde und wirst schnell unkonzentriert? Starke Gerüche und laute Umgebungen meidest du? Dann bist du vielleicht auch, wie ca. 20% der Gesellschaft, von Hochsensibilität betroffen. 

Hochsensibilität als Gabe.

In den 1990er Jahren hat sich die amerikanische Psychologin Elaine Aron bereits eingehend mit dem Persönlichkeitsmerkmal Hochsensitivität, im Volksmund Hochsensibilität, beschäftigt. Für viele hochsensible Menschen ist der erste Kontakt mit dem Thema Hochsensibilität ein starker Aha-Moment und zugleich der Befreiungsschlag für die eigene Persönlichkeit. Dabei ist wichtig zu verstehen, wie die Reizverarbeitung bei hochsensiblen Personen vonstattengeht und wie sich Hochsensibilität äußert. 

Vorgänge im Körper.

Menschen nehmen über Sinneswahrnehmungen (sehen, hören, riechen, schmecken, tasten) Reize aus der Umwelt wahr. Dabei werden die eingehenden Reize über die Sinnesorgane aufgenommen, bereits vorgefiltert und die gefilterten Reizimpulse an das Gehirn zur Verarbeitung weitergeleitet. Im Gehirn werden die relevantesten Informationen kognitiv verarbeitet und die individuelle Realität daraus gebildet. Bei Personen mit Hochsensibilität werden in der gleichen Zeit deutlich mehr Reize an das Gehirn weitergeleitet, da diese weniger Filter zur Selektion (Filtermangel) der eingehenden Impulse aufweisen. Hochsensible Personen nehmen somit ihre Umwelt und die darin enthaltenen Reize intensiver bzw. komplexer und umfassender wahr. Die Menge an Reizen kann dafür sorgen, dass die innere Balance aus dem Gleichgewicht gerät und der Stress, durch stetige Ausschüttung des Hormons Cortisol, exponentiell in die Höhe schnellt. Der langsame Abbau von Cortisol sorgt dafür, dass der Überregungszustand anhält und die Sensibilität stetig zunimmt. 

Symptome von Hochsensibilität.

Hochsensible Personen haben extrem feine Antennen für Stimmungen im Raum. Häufig kommt es sogar vor, dass sie die Gefühle ihres Gegenübers aufnehmen und denken, es wären ihre eigenen. Sich davon abzugrenzen ist oft schwer. Mit ein wenig Übung und Achtsamkeit kann dies jedoch gut gelingen. Des Weiteren sind hochsensible Personen empfänglicher für Musik und Kunst. Sie sind schneller und intensiver von Dingen gefesselt und spüren diese auf einer tieferen Ebene. Hochsensible Personen sind durch einige weitere Anzeichen geprägt. Diese sind personenindividuell und variieren zum Teil stark. Zu den Anzeichen zählen:

  • Unsicherheiten, Ängste, Überforderung und Gefühlsschwankungen
  • Reizempfindlichkeit gegen Lärm, Gerüche und grelles Licht
  • Starke Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
  • Häufiges Tagträumen, abschweifen und phantasieren 
  • Stark ausgeprägter Perfektionismus, Sorgfalt und die Suche nach dem höheren Sinn
  • Großes Harmoniebedürfnis und Gerechtigkeitssinn
  • Starke Reaktion auf Alkohol und Koffein (Erschöpfung, Überreizung)
  • Leiden an Erkrankungen, wie z.B. Depression, Polyzystisches Ovarialsyndrom bei Frauen (PCOS), Lebensmittelunverträglichkeiten, Akne etc.

Umgang mit der Hochsensibilität.

Die ausgeprägte sensible Seite der Persönlichkeit kann auf den ersten Blick herausfordernd und ermüdend wirken. Jedoch bieten sich viele Chancen, wenn man mit seiner Hochsensibilität umzugehen weiß. Anbei findest du einige Schritte, um dich besser darauf einzustellen:

1. Schritt: Das Erkennen der eigenen Hochsensibilität

Der erste Schritt ist zu erkennen, dass man selbst ein hochsensibler Mensch ist. Für viele Betroffene wird in diesem Moment klar, wieso sie so sind, wie sie sind. Dabei ist es keine Schande anzuerkennen, dass man eher introvertiert als extrovertiert ist. Denn recht häufig geschieht es, dass hochsensible Personen eher gegen ihr Naturell arbeiten, indem sie nicht auf ihre physiologischen und psychologischen Bedürfnisse achten und keine Verantwortung für sich selbst übernehmen. Für hochsensible Menschen stehen oftmals alle anderen Personen in ihrem Umkreis im Vordergrund, jedoch nicht sie selbst.

Mit dem Erkennen der hochsensiblen Seite entsteht ein übergeordneter Sinn. Es wird klarer, warum viele Situationen in der Vergangenheit anders abgelaufen sind als man es eigentlich geplant hat. Dieser Erkenntnispunkt ist der erste Meilenstein in Richtung Selbst-Heilung. 

2. Schritt: Einsicht & Selbstakzeptanz

Zu Wissen das man hochsensibel ist, ist die eine Sache. Doch viel wichtiger ist es, diese Seite der Persönlichkeit voll und ganz zu akzeptieren. Der innere Kritiker schreit zu Beginn oft noch hinaus, warum einem dieses Schicksal zuteil geworden ist und möchte am liebsten in den Zustand des Nichtwissens zurückkehren. Doch die Veränderung bietet die Chance zum inneren Gleichgewicht und zu einem völlig neuen, selbstbewussten und mit sich im Einklang stehenden Auftreten. Ohne Akzeptanz der Situation kann es niemals Veränderung geben. 

3. Schritt: Beobachten & Festhalten

Als hochsensibler Mensch, gilt es in sich hineinzuhören und zu beobachten, welche Reize die Psyche und den Körper belasten bzw. belastet haben. Dabei sollte man bereit sein, in die Tiefen der eigenen Erfahrungen einzutauchen und sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen. Diese Phase kann viel Schmerz aufwirbeln – hilft jedoch dabei, den Ballast aufzuarbeiten und ihn endlich loszuwerden. Damit geht oftmals auch die Veränderung des eigenen Selbstbildes einher. Ein Tagebuch dient als optimales Werkzeug.

4. Schritt: Achtsamkeit & Balance

Körper und Geist hängen untrennbar miteinander zusammen und sollten, wie auf einer Waage, im Gleichgewicht stehen. Ist die Waage nicht mehr im Gleichgewicht, kann es möglicherweise zu physischen und psychischen Beschwerden kommen. Es ist daher an der Zeit, sich um seine innere Balance zu kümmern und wahrzunehmen, was Körper & Geist brauchen. Anbei einige praktische Tipps:

  • Fange an, dich um dich selbst zu sorgen und Verantwortung zu übernehmen
  • Schaffe dir ein entspanntes Morgenritual und lege dein Smartphone beiseite
  • Nimm dir gezielte Pausen und mache nicht zu viel Sachen gleichzeitig
  • Meide lärmende Umgebungen und gönne dir zwischendurch bewusste Ruhe 
  • Geh in der Mittagspause spazieren, denn Bewegung senkt den Cortisol-Spiegel
  • Schaffe Struktur, um Stress zu vermeiden 
  • Gönne dir mit warmen Entspannungsbädern und beruhigenden Tees Ruhe 
  • Führe geregelte Schlafzeiten ein, um dir über Nacht Erholung vom Tag zu verschaffen 
  • Meide insbesondere ca. 2 Stunden vor dem Zubettgehen blaues Licht von technischen Geräten, wie z.B. Fernseher, Laptop, Smartphone 
  • Erlerne Entspannungstechniken, wie z.B. Meditation oder autogenes Training, um den inneren Fokus zu stärken und das Gedanken-Karussell zu stoppen
  • Suche dir eine sanfte Sportart für den Ausgleich zum Berufsalltag 

Hochsensibilität gibt uns die Möglichkeit, bereits feinste Veränderungen in der Umwelt zu erkennen. Personen mit Hochsensibilität haben einen guten Blick für kleine Details und sind oft deutlich leistungsfähiger. In einigen Teildisziplinen nicht selten sogar hochbegabt. Hochsensibilität birgt im richtigen Umgang also enormes Potenzial. 

Ich selbst habe eine hochsensible Persönlichkeit und habe mich bereits intensiv mit diesem Persönlichkeitsmerkmal auseinandergesetzt. Komme bei Fragen zum Thema, gerne auf mich zu.

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