Viele Leute denken, dass sie allein wegen ihres Wissens und ihrer Expertise eingestellt werden. Das ist aber ein großer Trugschluss. Es geht um Ihre langfristigen Ziele, Werte und Visionen sowie, und das ist entscheidend, um Ihr Mindset. Ob Sie über ein Fixed Mindset oder ein Growth Mindset verfügen. Ob Sie in der Lage sind, das zu lernen und umzusetzen was für den Erfolg des Unternehmens erforderlich ist.

Ein guter Interviewer will Ihren Purpose herauszufinden, will erkennen, ob Sie in die „Familie“ passen und diese bereichern oder eben nicht.

Es gibt nur eine einzige Frage im Vorstellungsgespräch und die lautet: 

Passen Sie ins Team und lösen Sie das Problem, für das ich sie einstelle? Die Betonung liegt auf ich, für das ich sie einstelle, aber das meiste Gewicht liegt auf „passen Sie ins Team“, also in die Familie. 

Nicht die Fleißigste und auch nicht der Loyaleste und auch nicht die fachlich Beste wird befördert oder eingestellt wird, sondern der- oder diejenige, der sich am besten verkauft, sich ins rechte Licht rückt. Von vielen wird dies als „unfair“ empfunden, was ich wiederum als naiv bezeichne. 

Wenn Sie den Begriff Fairness weitestgehend zurückdrängen, und sich mehr an Charles Darwin und das „survival of fittest“ orientieren, sind Sie einen großen Schritt weiter. 

Wenn es eine Fähigkeit gibt, die alle anderen toppt, dann ist es Anpassungsfähigkeit. Was unserer Zeit wohl am besten beschreibt, ist diese Aussage: Nie wieder ist die Innovationsgeschwindigkeit so langsam wie heute! Und damit die Notwendigkeit der Adaption, also der Anpassung an die jeweils neuen Gegebenheiten.

Was vormals ein guter Rat war, ist heute simple Notwendigkeit, nämlich lebenslanges Lernen.

„Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind.“ Henry Ford.

Kurz zur Abgrenzung von Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen. Als Beispiel, die Fertigkeit Microsoft Word zu benutzen und die Fähigkeit einen Text zu entwickeln, ist die Kompetenz eines Redakteurs.

Es geht also immer um ihre Kompetenz, mit der sie überzeugen. Es wird schlicht von Ihnen erwartet, dass sie die Werkzeuge, die sie für die Ausübung ihrer Aufgabe nutzen, auch beherrschen und damit exzellente Arbeit abliefern. Von einem Künstler, einem Maler, wird erwartet, dass sie oder er sich mit Pinsel, Farbe und Leinwand, also mit seinem Handwerkszeug, auskennt und über die Fertigkeiten verfügt diese einzusetzen. Doch ihre Kompetenz kommt erst im fertigen Bild zum Ausdruck und letztlich im Preis, den der Kunstmarkt bereit ist dafür zu zahlen.

Die Fähigkeiten sind es, oder besser, die Soft-Skills, die wir immer weiter entwickeln müssen.

Viele lehnen es aber ab, oder tun sich schwer, grundlegend neue Kompetenz zu erwerben, oftmals mit dem Hinweis darauf: Dann bin ich nicht mehr authentisch!

Doch ganz ehrlich: Das ist häufig nur eine faule Ausrede für die Angst oder Bequemlichkeit die eigene Komfortzone zu verlassen. 

Dabei sind wir alle mit relativ wenig Kompetenzen geboren worden und alles das, was uns heute ausmacht, mussten wir uns zum Teil mühsam erarbeiten, wie Rechnen, Schreiben, eine Fremdsprache, aber auch Laufen, Schwimmen oder Radfahren – Sie erinnern sich?

Ein Beispiel. Ich habe zwei Online-Trainings gekauft, um meine Kompetenz für meine Auftritte vor Kamera und Mikrofon zu steigern. Ein Training von einer Schauspielerin und das andere von einem Rhetoriktrainer.

Beide haben bei mir ein Störgefühl erzeugt. Wohl gemerkt bei mir. Das ist höchst individuell und kann bei Ihnen völlig anders sein.

Die Schauspielerin hat ihre nonverbale Kommunikationsfähigkeit extrem geschärft, und dadurch offensichtlich die verbale Komponente ihrer Kommunikation zu sehr in den Schatten gestellt. Das, was Sie tut, wie sie sich gibt, nehme ich als übertrieben, gespielt oder als fast unehrlich war.

Bei dem Rhetorik-Trainer ist es genau andersrum. Er hat seine verbalen Fähigkeiten völlig in den Vordergrund gestellt und die nonverbale Komponente sehr stark in den Schatten. Vieles von ihm klingt sehr gestelzt und fast unglaubwürdig.

Perfektion erzeugt Aggression, heißt es ja auch.

Die Kompetenz der beiden ist vergleichbar mit einem Bodybuilder, der nur den Bizeps trainiert und alles andere außen vor lässt. Das ergibt kein stimmiges Bild mehr, weil es abnorm ist, eben aus dem Norm fällt. 

Doch Vorsicht, es fällt nur aus meiner aktuellen Norm. Das Beispiel der beiden Online-Trainings ist bestens geeignet für die Schattenfalle. Was trifft, trifft zu, heißt es. 

Wird mir hier gerade mein Schatten präsentiert? Gehe ich in Resonanz und die Ablehnung, weil die beiden Trainer mir sichtbar und spürbar machen, über welche Kompetenzen ich noch nicht verfüge?

Entwickele ich nun unbewusst einen gewissen Neid, den ich nun auf die Trainer projiziere? Und mach ich die beiden zusätzlich noch für mein schlechtes Gefühl verantwortlich?

Ich gebe zu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich in diese Schattenfalle getappt bin, bei meinem Beispiel der Online-Trainings, sehr groß ist.

Das perfide ist jetzt, dass je mehr ich versuche, diese von mir offenbar gewünschte Kompetenz, bei anderen zu negieren, desto weniger werde ich sie erlangen. Was wiederum meine persönliche Weiterentwicklung zu einem fatalen Stillstand bringt.

Natürlich ist das unerwünscht, aber dort wo der Schmerz ist, ist der Weg. Denn wirkliche persönliche Weiterentwicklung findet jenseits der persönlichen Komfortzone statt und nur dort.

Beim Come-back von Sportlern oder Künstlern kann dies oftmals zu tragischen Szenen führen, wenn diese Damen und Herrn der Meinung sind, mit ihren Kompetenzen, die weit in der Vergangenheit liegen, im aktuellen Geschehen mit zu halten.

Das ist dann der Moment, wo der Lorbeerkranz zum Dornenkranz gehört.

Wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, dass Perfektion in Ihnen Aggression erzeugt, dann erkennen Sie den Hinweis, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit Ihr Weg liegt. Go for it!

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