Die fünf Phasen der Trauer: Zurück zur Normalität!

Wie Du im Prozess der Trauer Deine Hoffnung nicht verlierst.

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Phasen der Trauer

Trauer gehört zum Leben dazu genau wie positive Gefühle. Das Wissen darum macht die Trauerbewältigung dennoch nicht leichter. Trennungen und Abschiede zu durchleben reißt uns oft den Boden unter den Füßen fort. Der Gedanke daran begleitet uns Tag und Nacht. Obgleich wir wissen, dass in dem Satz „Zeit heilt alle Wunden“ viel Wahres steckt, fühlt es sich anfangs so an, als wären wir in der Situation gefangen. Jedoch nie für ewig, denn Trauer ist ein Prozess. Die fünf Phasen der Trauer beschreiben, wie wir uns in jeder Phase fühlen und wie wir letztendlich in die Normalität oder sogar zum Glück zurückfinden können.

In diesem Artikel möchten wir euch die einzelnen Phasen beschrieben und Euch vielleicht dadurch etwas Hoffnung schenken, jegliche Situation überwinden zu können!

Wir alle kennen das Gefühl: Doch was genau ist Trauer?

Laut Duden ist Trauer ein „tiefer seelischer Schmerz und ein Gefühl von Verlust“. Oft trauern wir dann, wenn wir uns der Endgültigkeit einer Sache bewusst werden und es zugleich nicht mehr in unserer Hand liegt, dies zu ändern. Das Gefühl von Trauer ist subjektiv, jeder von uns kann aufgrund von anderen Ereignissen traurig sein. Trauersitten können ebenfalls kulturell bedingt verschieden sein, so wird in Mexico der „Tag der Toten“ bunt und pompös gefeiert. Am Ende beschäftigt uns das Thema von Verlust jedoch alle.

Was sind die fünf Phasen der Trauer?

Es gibt verschiedene Modelle die erklären, welchen Phasen der Trauer wir in der Verarbeitung durchlaufen. Je nach Ansatz unterscheiden wir 4 Phasen (Modell nach Verena Kast), 5 Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross oder sogar 7 Phasen der Trauer. In unserem Artikel möchten wir uns gerne den 5 Phasen der Trauer annehmen. Elisabeth Kübler-Ross war eine US-amerikanische Psychiaterin. Ihr Ansatz beruht auf einem großen Erfahrungsschatz und der Befragung einer Vielzahl von Strebenden und Trauernden. Sie identifizierte gemeinsame Nenner, die wir alle auf unserer Reise durchlaufen. Doch welche Phasen sind das genau und welche Charakteristika haben sie? Finden wir es heraus!

Phase 1: Verleugnung 

In dieser Phase der Trauer sind wir uns der Endgültigkeit einer Sache nicht bewusst, mehr noch: wir wollen überhaupt nicht wahrhaben, dass wir einen Verlust erlitten haben. Ein Gefühl von Ungläubigkeit stellt sich ein als Coping-Mechanismus unseres Verstandes. Der Ausruf „das ist einfach nicht wahr!“ kann hier typisch sein, beispielsweise in Bezug auf eine Krankheits-Diagnose. Wir neigen dazu, eine Fehldiagnose zu vermuten und die Schuld auf den behandelnden Arzt zu schieben. 

Am Beispiel Trennung oder Betrug lässt sich diese Phase auch sehr gut visualisieren. Wurden wir betrogen, gehen wir vielleicht erst von einem Irrtum unsererseits aus. Wir spüren, dass etwas nicht stimmt, jedoch wollen wir die Beziehung in jedem Fall aufrecht erhalten. Unser Verstand wird dann sehr gut darin, Unstimmigkeiten zu rationalisieren oder in einen neuen Kontext zu rücken. Das kann soweit gehen, dass unser Gefühl von Zweifel komplett weichen. Egal worum es geht, leider (oder vielleicht sogar zum Glück?) ist das nicht der letzte Schritt der Reise, ganz im Gegenteil.

Phase 2: Wut 

Ich bin mir sicher, die zweite Emotion ist unser sogar noch viel präsenter, als die Erste. Die Phase der Wut beginnt, wenn uns allmählich bewusst wird, dass wir uns der Situation stellen müssen, dass sie real ist. Wir versuchen zwingend einen Schuldigen zu finden. Im Falle eines Betrugs ist die Schuldfrage oft sofort geklärt. Negative Gefühle bis hin zu Hass stellen sich ein. Doch gegen wen richtet sich der Zorn im Falle eines anderen Verlusts, beispielsweise im Todesfall eines geliebten Menschen? Hier werden die Gefühle oft vermeintlich irrational. Die Gedanken reichen von „Wie konnte er/sie mich verlassen?“ bis hin zu „Ich verdiene es nicht, an seiner/ihrer Stelle zu leben, warum hat es nicht mich getroffen?“ Letzteres hört sich natürlich sehr extrem an, aber auch diese Gedanken können vorkommen. Wichtig ist hier, dass wir unsere Gefühle anerkennen und sie in diesem Moment akzeptieren – es ist in Ordnung, was wir fühlen. 

Phase 3: Verhandlungen

Die Phase der Verhandlung kann auch als der Versuch angesehen werden, die Situation zu kitten. Selbst im Falle des Todes tritt diese ein und bezeichnet dann mehr interne Verhandlungen, aber auch Gedanken an den Verlorenen gerichtet. Diese Phase verläuft (wie die anderen zumeist auch) nicht immer logisch und äußert sich oft in körperlicher und mentaler Erschöpfung für den Betroffenen. 

Auf das Beispiel Betrug in Beziehungen oder Freundschaften bezogen kann sich diese Phase wortwörtlich darin äußern, wieder Kontakt zu der anderen Person zu suchen. Die Beziehung soll gerettet werden und somit sind die Gefühle, die man in dieser Phase erlebt, fast schon ambivalent zu der Vorherigen. Es kann sein, dass das Positive überbetont wird oder zumindest stärker gewichtet, als der Vertrauensbruch. Dennoch ist der natürlich geschehen, was dem oder der Trauerenden wiederrum in der vierten Phase erneut gänzlich bewusst wird.

Phase 4: Verzweiflung

Der Verlust ist nun vollständig begriffen und es gibt kein Zurück mehr. Mit dieser Einsicht folgt die Verzweiflung und das Gefühl von Machtlosigkeit. Je nach Fall können neben dem massiven Verlust noch weitere Probleme auftreten, die jeden Lebensbereich betreffen können, beispielsweise finanzielle Aspekte: Stirbt der Hauptverdiener einer Familie, werden die Zurückgelassenen ebenfalls mit eigener Existenzangst konfrontiert. Im hohen Alter kommt eventuell noch das Gefühl von Einsamkeit oder die Frage „Wer kümmert sich nun im mich?“ hinzu. In dieser Phase werden wir am meisten aus unserer Bahn geworfen und eine neue Ordnung zu finden scheint zunächst unmöglich. Der Verlust ist schlicht noch zu frisch. 

Phase 5: Akzeptanz

Nach dem Modell von Elisabeth Kübler-Ross stellt die Akzeptanz des Verlustes die letzte Phase der Trauer dar. Auch andere Theorien der Trauerbewältigung sehen dies als Abschluss des Prozesses an, seien die Phasen auch anders benannt (beispielsweise „Neuer Welt- und Selbstbezug“). Der Konsens der Theorien ist, dass der Trauerende eine Form von innerem Frieden zurückgewinnt und die Situation neu ordnen kann. Dazu muss der Verlust akzeptiert werden. „Das Leben geht weiter“ ist hierfür ein sehr passender Spruch. 

Oft hilft der Gedanke, dass der Verstorbene nicht gewollt hätte, dass die Verbliebenen ihr Leben nicht mehr genießen und es wird in liebevoller Erinnerung zurückgeblickt. Ist eine Person nicht wirklich verstorben, sondern im Falle einer Trennung nur nicht mehr in unserem Leben, kann es sehr heilsam sein, der Person zu vergeben. 

Im Volksmund heißt es oft „er oder sie verdient es nicht, dass ich vergebe!“ Dabei wird irrtümlicherweise angenommen, dass es bei der Vergebungs-Arbeit um die andere Person geht. Ganz im Gegenteil dient Vergebung aber immer uns selbst. Sie schließt eine Art energetisches Leck, was uns sonst immer weiter unsere Energie nimmt. Obgleich jedem von uns schon einmal Unrecht getan wurde, so hilft das Gefühl von Vergebung immens. Denken wir immer daran: Der oder die Andere handelt selten gegen uns, sondern für sich. Der Auslöser für die Tat liegt sehr häufig an der eigenen Psychologie der Person und wir können nichts tun, um dies zu verhindern. Konzentrieren wir uns deshalb auf uns selbst und verbringen wir Zeit mit den Menschen, die uns schätzen. 

Fazit: Wann ist die Trauer am schlimmsten? Und empfinden wir Trauer alle gleich?

Zunächst ist zu sagen, dass kein Modell der Welt die menschliche Komplexität und Schönheit in Gänze abbilden kann. Die Theorie von Elisabeth Kübler-Ross ist eine toller Erklärungsansatz, um uns Halt und eine Erklärung für das zu geben, was wir fühlen. Dennoch trauert jeder Mensch anders und wie lange sich die Phasen hinziehen, ist individuell unterschiedlich. Natürlich ist die Dauer auch von dem Verlust jeweils abhängig. In der Praxis gibt es auch Mikrophasen innerhalb der Makrophasen, sprich je nach Tagesform kann die Phase der Wut in Verleugnung zurückspringen, oder auch der Wechsel zwischen Verzweiflung und Akzeptanz ist nicht immer final.

Ambivalente Gefühle zu fühlen ist ganz normal. Wenn Du dich gerade in einer Phase des Verlustes steckst, gib Dir Zeit. Wie wir sehen, kann die Verarbeitung von Trauer in sehr unterschiedliche Stadien verlaufen. Oft denken wir an einem Tag, dass wir den Verlust überwunden haben und sehen es dann als Versagen an, wenn wir am nächsten Tag aufwachen und den Ex-Partner wieder zurückwollen. Trauerbewältigung verläuft nicht steil nach oben und exponentiell sondern steigend, aber mit vielen Ups and Downs auf dem Weg zum Ziel. Das Wissen darum, dass wir am Ende in der Phase der Akzeptanz ankommen und unseren Frieden zurückgewinnen werden ist alles, was zählt. 

Dennoch gilt: Du bist nicht allein. Wenn Du merkst, dass Du im Trauerprozess kein Licht am Ende des Tunnels siehst, darfst Du darüber nachdenken Dir Hilfe zu suchen, beispielsweise in Form von Selbsthilfegruppen und/oder einer Therapie/Coaching. Du verdienst es, dein Leben mit Glück und innerem Frieden zu verbringen!