Das Resilienz-Gen

Das Resilienz-Gen

Das Umfeld und das Gehirn haben durchaus Einfluss auf unsere innere Widerstandskraft – doch was ist eigentlich mit den Genen? Gibt es so etwas wie ein „Resilienz-Gen“? Tatsächlich gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Resilienz auch etwas damit zu tun hat, was uns unsere Eltern vererben. Anfang der 1980er Jahre wurde in Neuseeland eine Langzeitstudie gestartet, mit der Kinder über Jahrzehnte wissenschaftlich begleitet werden sollten, um unzählige Daten auszuwerten. Die Testpersonen waren zwischen April 1972 und März 1973 geboren. Ziel der Psychologen war es, die Ursachen von Problemen bei Gesundheit und Entwicklung zu erforschen. Die beiden Forscher Terrie Moffitt und Avshalom Caspi haben im Lauf der nächsten Jahre immer wieder verblüffende Ergebnisse ans Licht gebracht. Man könnte sogar sagen, ihre Studien mit diesen 1037 Testpersonen haben den wissenschaftlichen Blick auf die Kraft der Gene maßgeblich mitbestimmt und revolutioniert. Im Lauf der Studie wurden die Kinder und späteren Erwachsenen immer wieder nach ihrem Leben, nach ihren Krankheiten, nach ihren Reaktionen auf Probleme und nach ihrem Verhalten befragt. Diese Daten wurden kontinuierlich ausgewertet, so dass immer neue Resultate ans Licht kamen. Wie hatte sich das Leben der Kleinen entwickelt? Hatten sie nach Schicksalsschlägen Schaden genommen? Haben sie eine Familie gegründet oder sind sie allein geblieben? Neigen sie zu Aggressionen oder sind sie sozial integriert? 

 

Da ist es: Gen 5-HTT

Im Jahr 1996 brachte man die bis dahin bestehenden Ergebnisse mit den Resultaten eines deutschen Forscherteams zusammen. Der Wissenschaftler Klaus-Peter Lesch hatte nämlich belegt, dass die emotionale Stabilität eines Menschen wohl auch davon abhängt, ob er ein bestimmtes Gen besitzt. Dieses Gen mit der Bezeichnung „5-HTT“ ist ein Serotonintransporter, es sorgt dafür, dass die Wirkung des Biomoleküls Serotonin im Gehirn aufhört. Serotonin gilt im Volksmund als Glückshormon, in der Wissenschaft ist es eher für die Zufriedenheit zuständig. Ist es in ausreichenden Mengen vorhanden, reduziert es Aggressionen und bringt innere Ruhe. Hat man aber zu viel davon, können Halluzinationen die Folge sein. Der Serotonintransporter ist dafür zuständig, das Hormon abzubauen, wenn eine Stresssituation vorüber ist. Das begehrte Hormon ist also durchaus für innere Stärke und Widerstandskraft zuständig, sofern es in vernünftigen Maß vorhanden ist. 1996 erkannte das Team um den Forscher Lesch, dass es beim menschlichen Wesen zwei verschiedene Varianten des Gens gibt. Die Ausprägung hat Auswirkungen auf den Gemütszustand, wie er ebenfalls bewies. Das Gen in seiner „kurzen“ Variante war bei Menschen zu finden, die zu Depressionen neigen, die verletzlich waren und die insgesamt psychisch stabil wirkten. In seiner „langen“ Form war es bei widerstandsfähigen Menschen zu finden, die sich in Krisenzeiten schneller erholten. Hatte das Forscherteam also das „Resilienz-Gen“ gefunden? In Neuseeland brachten die beiden Forscher Moffitt und Caspi diese Resultate mit ihre Kindergruppe zusammen. Anhand der Lebensgeschichte der nun jungen Erwachsenen konnte man die Ergebnisse der Lesch-Studie erhärten. Das lange Serotoninhormon steht für eine stärkere Widerstandskraft bei Problemen – und war damit offenbar das lange gesuchte Resilienz-Gen! Bis heute konnte dieser Zusammenhang an mehreren weiteren Studien belegt werden. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Art des Serotoninhormons in der menschlichen DNA und dem Gemütszustand des Menschen.

 

Jeder Mensch hat dieses Resilienz-Gen

Allerdings haben alle Forscher immer wieder betont, dass dieser vereinfachte Zusammenhang nicht immer zum Tragen kommt. Vielmehr spielen viele weitere Faktoren eine große Rolle. So gab es in den 1990er Jahren einen wissenschaftlichen Streit zu der Frage, ob die Gene oder die Umwelt bei der Entwicklung des Charakters einen maßgeblichen Einfluss haben. Heute wollen Wissenschaftler über diese Frage nur noch müde lächeln. Heute ist man sich sicher, dass beide Faktoren die Entwicklung ständig und in Wechselbeziehungen beeinflussen. Die Interaktionen von Genen und Umwelt sind ein Forschungsgebiet, auf dem es heute noch sehr viel Potenzial gibt. Weitgehend Einigkeit besteht, dass Gen-Umwelt-Interaktionen bei vielen psychischen Krankheiten eine große Rolle spielen. Man geht davon aus, dass zwar jeder Mensch das Resilienz-Gen in sich trägt, dass man aber nur darauf reagiert, wenn Stress aus der Umwelt entsteht. 

Anders formuliert heißt das: Eine gewisse Resilienz ist jedem Menschen mit den Genen mitgegeben. Es hängt aber sehr stark davon ab, was jeder Einzelne daraus macht und wie er die Chancen nutzt, die ihm die Gene bieten. Während die Gene also nur das Angebot machen, bestimmte Fähigkeiten zu nutzen, muss letztlich jeder Mensch selbst entscheiden, was er aus seinen erblich bedingten Anlagen macht. Somit ist die Existenz eines Resilienz-Gens allein nicht dafür zuständig, ob wir eine starke innere Widerstandskraft mitbringen oder nicht. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Einfluss der Gene auf die Anfälligkeit für Depressionen nachgewiesen werden konnte. Dieser Nachweis konnte für Burnout allerdings noch nicht erbracht werden! Wir können also festhalten – die Gene haben zwar einen wichtigen Einfluss auf unsere innere Widerstandskraft, doch sie sind nicht allein ausschlaggebend. 

 

Epignetik – Erfahrungen werden vererbt

Nun ist es aber nicht so, dass die einmal bestehenden Gene nur von der Umwelt beeinflusst sind und sich nicht mehr weiterentwickeln! Vielmehr vererben die Eltern ihre eigenen Erfahrungen weiter – und agieren dabei häufig ganz unbewusst. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der „Epigenetik“, und dieses Forschungsgebiet ist zwar seit Anfang dieses Jahrtausends bekannt, doch es ist noch lange nicht vollständig abgedeckt. Das Erbgut des Menschen entwickelt sich also im Lauf des Lebens weiter. Dieser Prozess ist auch der Grund dafür, warum sich eineiige Zwillinge nach einigen Jahren nicht mehr so sehr ähneln wie zum Zeitpunkt der Geburt. Das Leben von Zwillingen wird sich also immer weiter ändern, und damit ändern sich auch ihre Gene. Beispielsweise haben die Ernährung, geistige Anstrengungen, Stress oder Luftverschmutzung eines Einfluss auf die Veränderung der Gene. So konnte dann auch an neueren Studien gezeigt werden, dass sich traumatische Ergebnisse ebenfalls auf die Gene auswirken. Diese Auswirkungen können sich kurzfristig halten, sie können aber auch ein ganzes Leben lang bestehen. Und als wäre das alles noch nicht genug, kann sich das Erbgut sogar von den Eltern beeinflussen lassen. In mehreren neuen Studien wurde nämlich herausgefunden, dass die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft Einfluss darauf hat, wie sich die Gene des Kindes entwickeln. Damit werden die menschlichen Gene nicht nur durch die Umwelt beeinflusst, sondern auch von der Mutter, von ihrer Ernährung in der Schwangerschaft und sogar von den Erfahrungen, die sie in dieser Zeit machte. Belegt wurde das zum Beispiel anhand von Studien mit Menschen, die in den späten Weltkriegsjahren 1944 und 1945 geboren wurden. Die Umwelt der Mutter hat sich damals praktisch in die DNA der Kinder übertragen und wirkt sich dort ein Leben lang aus. Besonders traumatische Erlebnisse der Mutter wirken also in der DNA der Kinder fort. Und auch Vererbungen über weitere Generationen bis zu den Enkeln sind möglich, wobei es hier noch wenige wissenschaftliche Belege gibt. Dennoch ist die Vorstellung erschreckend, dass sich das Leben unserer Großeltern in gewisser Weise auf unsere DNA auswirkt. Heute geht die moderne Wissenschaft davon aus, dass diese Zusammenhänge zwar bestehen und dass unsere Widerstandskraft also durchaus von unseren Eltern und unseren Großeltern beeinflusst wird. Gleichzeitig kann man aber von außen darauf einwirken, und deshalb ist keinesfalls für immer festgeschrieben, was in der DNA steht. Vielmehr können wir selbst von außen Einfluss nehmen und uns zum Beispiel durch Stressmanagement oder andere Maßnahmen gegen die Anforderungen wappnen, die im Alltag auf uns herein stürzen. 

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